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„Du bist verrückt, mein Kind, komm mit nach Berlin“

In der Vorfreude auf die Berlinale hat Peer Kling seine Kolumne für den Februar geschrieben.

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Peer Kling. Foto: Volker Goebels
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Als ich 14 war, hat mich meine Mutter alleine in einen Zug nach Paris gesteckt. Seitdem mag ich französische Filme und schaue sie gerne in der Variante O.m.U.. Bei meiner Französisch-Gehirnwäsche traf ich auf Mademoiselle Fou(x)cart, sie war auf lustige Art „foux“ (verrückt), doch sie sang nicht auf französisch, sondern auf deutsch: „Du bist verrückt, mein Kind, komm mit nach Berlin“. Im Sommer der Mondlandung habe ich ein bisschen besser Französisch gelernt, aber auch, dass (die) Berlin(ale) mein eigentliches Ziel ist – und nicht der Mond. 😉

Inflation, steigende Kosten, die Berlinale muss bei gleichbleibender Zuwendung der Staatsministerin für Kultur und Medien in Höhe von rund 11 Millionen Euro pro Festival sparen. Die Gesamtzahl der Filme wird um fast ein Drittel auf etwa 200 Produktionen reduziert, immer noch fünfmal so viel als ich schauen kann. 40 Filme in zehn Tagen? Das ist schon sportlich genug. Als bedauerlich empfinde ich den Wegfall der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ . Für die „Berlinale Series“, die auch entfallen, hatte ich ohnehin nie Zeit. Mit rund 320 000 in 2023 verkauften Tickets, ist die Berlinale weiterhin das größte Publikums-Filmfestival der Welt und bleibt ein Mekka für Film-Verrückte. Und jetzt dreh´ ich mal völlig ab: Habe mich soeben bei ChatGPT angemeldet und eingegeben: „Schreib mir eine Geschichte über die Berlinale.“ Es erschien im Bruchteil einer Sekunde folgender Text, gratis:

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„In der pulsierenden Stadt Berlin herrscht Aufregung, wenn sich Filmemacher aus der ganzen Welt zum prestigeträchtigen Internationalen Filmfestival versammeln. Der ikonische rote Teppich rollt unter den blendenden Lichtern aus und begrüßt eine Vielzahl von Film-Talenten und -Begeisterten aus aller Welt. In den über die ganze Stadt verstreuten historischen Veranstaltungsorten taucht das Publikum in ein reichhaltiges Spektrum an Filmen ein, die verschiedene Kulturen, Genres und Sprachen umfassen. Die Luft ist voller Vorfreude, wenn die Regisseure, Schauspieler und Produzenten ihre Ideen austauschen und Verbindungen knüpfen, die Grenzen überschreiten und sich die globale Filmgemeinschaft vereint. Wenn dann das Festival mit der großen Preisverleihung endet, feiert Berlin die Magie des Geschichtenerzählens und sieht seinen Platz als filmisches Zentrum bekräftigt, in dem der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.“

Ist das nicht irre? Diese KI fängt diese so elektrisierende wie vibrierende Stimmung der Berlinale treffend ein! Die nächste Stufe wäre dann zum Beispiel: „Schreib mir ein Drehbuch!“ oder warum nicht gleich: „Mach’ mir einen Film über ein den Holocaust überlebendes jüdisches Ehepaar im Nazi-Berlin.“ Mir wird Angst und Bange und auch heiß. Ich gehe jetzt erst einmal Schnee schippen, um auf dem Boden der Realität zu bleiben. Na, ja, wie viel hat das Kino denn überhaupt mit der Realität zu tun? Gehen wir nicht ohnehin ins Kino, um zu träumen? Von einer besseren Welt zum Beispiel? Ich habe jedenfalls „noch einen Koffer in Berlin“ und das ist gut so, denn einen Tag nach Aschermittwoch fängt dort der „Berlinale-Karneval“ an.

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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