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Ein “Narr” und Diakon

Zur Reihe "Kultur in der alten Kirche Körrenzig" ist am Freitag, 31. August, Willibert Pauels mit seinem Programm „Kirche-Karneval-Klapse“ zu Gast. Im Hauptberuf Diakon aus Wipperfürth, hat er sich im kölschen Fastelovend den Ruf erarbeitet, einer der besten Komödianten im rheinischen Karneval zu sein. Was denkt „Ne Bergische Jung“ denn abseits der Vorstellung über Kirche und Karneval?

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Willibert Pauels. Foto: Michael Schopps
Willibert Pauels. Foto: Michael Schopps
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Wo dürfte die Kirche „jecker“ sein?

Ich will mit Hans Conrad Zander antworten: Beim Zweiten Vatikanischen Konzil war die große Chance, verkrustete Strukturen zu ändern. Zum Beispiel die schon fast ins Pathologische gehende Sexual- moral. Aber was haben sie ge- ändert? Die Liturgie… die sich nicht wehren kann. Sie haben leider das Mystische aus der Liturgie herausgeholt. In der Renaissance sagten die Römer: „Peccati di carne – peccati di niente“. Fleischliche Sünden sind „Peanuts“ und haben eine ganz andere Werteordnung reingebracht. Aber immer noch ist es so, wenn von Sünde gesprochen wird – selbst in meinem Vortrag: „Wenn die Leidenschaft zur Türe reinkommt, springt der Verstand aus dem Fenster…“ – das ist fleischliche, sinnliche Sünde. Das ist meines Erachtens immer noch total verkrampft und rigoristisch. Da müsste die Kirche den Mut haben, lockerer zu werden.

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Wenn die Kirche einen Karnevalsorden vergeben würde, wie könnte er aussehen?

Eindeutig: Gott sitzt im Himmel auf einem Thron, hat das berühmte Dreieck auf dem Kopf, der haut sich auf den Schinken vor Lachen, der fällt fast vom himmlischen Thron vor Lachen, weil unten auf der Erde Kleriker versuchen, Gott zu erklären.

„Mach dich nicht zum Diener eines Narren“, heißt es im Buch Jesus Sirach. Warum tun Sie es dennoch?

Ich bin ja nicht der Diener eines Narren. Ich bin ein Narr. Das ist schon mal ein Unterschied. Und Jesus Sirach ist natürlich nicht das Evangelium, das ist hebräische Bibel. Da stehen viele Sachen drin, die für uns nicht das Evangelium sind. Ich betrachte auch das Alte Testament vom Evangelium her und da gibt es nur einen Herrn. Ich mache mich nur zum Diener eines einzigen Herrn, und das ist das Evangelium selber. Der Glutkern des Evangeliums, auch wenn es schon so unendlich abgenutzt ist, weil es schon so oft gesagt wurde, ist es dennoch wahr: Der Glutkern des Evangeliums ist die Liebe. Wir haben nur einen Herrn oder eine Herrin, und das ist die Liebe.

Welches Kirchenlied würde sich aus Ihrer Sicht besonders gut für eine Karnevalssitzung eignen?

Es gibt ja ein Karnevalslied, das aus der Kirche kommt, das Halleluja von Brings. Wenn ich richtig informiert bin, hat Peter Brings sein Lied bewusst als Gebet komponiert. Und das finde ich immer so wunderbar, wenn die Leute am Abend schon hochselig in der Kneipe sich in den Armen hängen und das Lied von Brings „Halleluja“ gröhlen. Dann denke ich immer: Wenn Ihr wüsstet, dass Ihr gerade betet… (lacht)

Wie lautet Ihr persönliches Lieblingslied im Karneval?

Alle Balladen, die Geschichten erzählen, der Stammbaum… Eines meiner liebsten ist „Highland Cathedral“, wie es im Original heißt (und Willibert Pauels singt): „Du bess die Stadt, op die mer all he stonn, du häs et uns als Pänz schon aanjedonn, du häs e herrlich Laache em Jeseech, du bess die Frau, die Rotz un Wasser kriesch.“ Also das ist eines meiner absolut liebsten, und interessanterweise kommt es aus dem kirchlichen Millieu.

„Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“, heißt es in einem Karnevalslied, das endet: „Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin.“ Haben Sie einen Tipp dafür?

Ja und zwar von einem großen Mann aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, Augustinus. Er hat einen der befreiendsten und schönsten Sätze gesagt, um in den Himmel zu kommen: „Ama, et fac quod vis.“ Liebe, und dann tu, was du willst.

Das Gastspiel in der Alten Kirche am 31. August beginnt um 19:30 Uhr und ist weitgehend ausverkauft. Informationen zu eventuell kurzfristig noch erhältlichen Karten erhalten Interessenten durch eine E-Mail an die Adresse [email protected]

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