Start Magazin Geschichte/n 121 Jahre Ulk: Comedy, Geschichte, Narretei

121 Jahre Ulk: Comedy, Geschichte, Narretei

Was ist in der aktuellen Zeit schon eine Chronik auf Papier, wenn sie auch im bewegten Bild gezeigt werden kann? Die KG Ulk Jülich 1902 hat zum 11 x 11. Jubiläum aus ihrer Geschichte in einen Film geformt.

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Wie gut, wenn man in den eigenen Reihen Kompetenz hat: Ulk-Pressesprecher Christoph Küpper (M) erhielt viel Lob für seinen 11 x 11 Jahre KG Ulk-Film. Foto: Arne Schenk
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„Best of“ 121 Jahre der Karnevalsgesellschaft Ulk wurden von Christoph Küppers, TV-Journalist, Pressesprecher und Mitglied im Kleinen Rat der Gesellschaft, in einen Film gebannt. Erstmals war er jetzt im Kulturbahnhof in voller Länge zu sehen. Mit kleinen filmischen Anreißern hatte die KG Ulk schon im Vorfeld auf dieses Ereignis vorbereitet.

„Das Phänomen Ulk“ ist der durchaus treffende Titel dieser 70-minüten Dokumentation, die vor allem dadurch besticht, dass sie in brillanter Weise Zeitzeugen, historische Filmstreifen und digitalisierte „VHS-Videos“ mit der „Analyse“ des Jülicher Historikers Guido von Büren zur närrischen Tradition ineinander flicht. Da bleibt sogar Raum für kleine „Werbeblöcke“ für den Kartenverkauf der aktuellen Session. Für dieses gelungene Zusammenspiel spendierte die „Ulk-Familie“ dem Filmemacher stehend Applaus, den dieser bescheiden lächelnd entgegennahm.

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Zu erfahren ist neben dem zu erwartenden Blick in die Historie – wie Gründung, Alt-Präsidenten und verlorener Tradition der Büttenredner aus eigenen Reihen – von den inneren Strukturen. Da gibt es einen „Reiseminister“, der die Exerzitien ausrichtet. So nennt die „Ulk“ ihre „Klausurtage“ außerhalb der Stadtgrenzen, auf denen die kommenden Aktivitäten geplant, die Aufnahme der neuen Senatorenschaft entschieden und Geselligkeit geübt wird. Darüber hinaus gibt es einen Posten, der keine andere Aufgabe hat, als die Platzierung beim Sitzungskarneval zu planen. Nostalgisch wird der Blick auf das eigene Ulk-Ballett gerichtet, das ab 1986 mit dem Kölner Tanzmeister Peter Schnitzler zuweilen bis zur Erschöpfung und mancher Träne trainierte. Ein Ergebnis, das seinesgleichen sucht. Nachdem 2009 Schluss war fand sich der Ulk-Chor, der bis heute die Sitzungen bereichert.

Dass sich die Mitglieder als „Ulk-Familie“ bezeichnen entbehrt nicht einer gewissen Logik, schließlich gibt es ganze Generationen von Familien, die zeitgleich in dieser Gesellschaft aktiv sind, wie Frank Lafos erläutert. Jener gehört übrigens selbst einer „Ulk-Dynastie“ an. Damit der „Familiensinn“ so bleibt, sorgt die KG Ulk vor: Ein stolzer Stamm an Jung-Senatoren wächst heran, der sich aus den „eingesessenen Familien“ und Freunden speist. Kontinuität bleibt also gewahrt und auch das ist Thema des Films: Die Übergabe des Stabes um den scheidenden Präsidenten Jörg Bücher in die Hände von Peter Plantikow. Büchers Fazit, das filmisch bewiesen ist: „Wir haben die Gesellschaft in guter Struktur übergeben.“

Ein gelungener Coup von Christoph Küppers ist es, dass kein „Dokumentator“ aus dem „off“ spricht, der die Geschichte der „KG Ulk“ vorträgt, sondern ausschließlich in 25 Interviews und Dialogen die Besonderheiten zur Sprache kommen. Der Grund: „Ihr seid die Profis für die Geschichte der KG, ihr seid das Herz dieses Films!“ sagte der ebenfalls emotional bewegte Filmemacher Küppers und dankte so seinen Mitstreitern. „Es war nicht immer leicht, aber immer lustig“, sagte Wiltrud Hellmann, Ehefrau des verstorbenen Ulk-Präsidenten Matthias Hellmann bei seiner Verabschiedung. Ein Beweis dafür ist der Film, in dem ein Höhepunkt das comedy-reife Gespräch à la „Waldorf und Statler“ war, das Guido Dohmen und Luc Rey führten. Es gab reichlich Lachsalven, die so manche rührselige Träne im Knopfloch des einen oder anderen Gastes kompensierte.

Sichtbar wurde aber auch eines: Selbst wenn reichlich Damen der Gesellschaft zur Wort kommen bleibt die KG Ulk der Tradition verhaftet, dass ausschließlich Männer die ausgeschriebenen Posten bekleiden sowie den „Kleinen Rat“ besetzen und bestimmen. Das scheint der guten Laune aber keinen Abbruch zu tun. Schließlich ist „der Karneval“ ja auch männlich.


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