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Ein Tag in der Zukunft

Der Arbeitskreis Jülicher Bibliothek ist ein Zusammenschluss verschiedener Bibliotheken aus Jülich. In jedem Jahr führt der Arbeitskreis eine Veranstaltung durch – in diesem Jahr zum Thema „Zukunft“. Der Arbeitskreis hat in diesem Zusammenhang einen Kurzgeschichtenwettbewerb ausgeschrieben. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9 waren aufgerufen, sich anhand eines knapp vorgegebenen Szenarios mit den Themen Zukunft und Schule zu beschäftigen. Hier eine der drei Siegergeschichten.

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Illustration zu Alice Prikhodovskaias Kurzgeschichte: Ein Tag in der Zukunft | Foto: HZG
Illustration zu Alice Prikhodovskaias Kurzgeschichte: Ein Tag in der Zukunft | Foto: HZG
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von Alice Prikhodovskaia, Gymnasium Haus Overbach, Jahrgangsstufe 6:

Jülich: Mittwoch, der 6.5.2048… Etwas klingelt und ich öffne langsam die Augen. Mit einer Hand taste ich nach meinem Wecker und schalte ihn aus. Nach einem Abstecher ins Badezimmer und einem ausgiebigen Frühstück kann der Tag beginnen. Auf dem Stundenplan stehen heute Deutsch, Mathe und Fremde Wesen. Ich gehe aus dem Haus, das am Ende einer schönen Straße steht und sehe vor mir mein Haustier Silver. Silver ist ein rot-weißer Kitsune, ein Fuchs mit höchstens neun Schwänzen. „Tschüss Silver“, sage ich und verabschiede mich.

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Auf dem Weg zur Flughaltestelle sehe ich viele Häuser, die alle verschiedene Formen haben, jedoch trotzdem irgendwie gleich aussehen: alle weiß und saftiges, grünes Gras drum herum. Als ich angekommen bin, warte ich nicht lange und schon ist der fliegende Bus da. Ich mag unseren Schulbus, meine Freunde und ich nennen ihn immer „Flieger“. Seine flache Form hilft ihm, geräuschlos durch die Luft zu gleiten. Da die Sonne von seiner titan-silbernen Oberfläche reflektiert wird, sieht man ihn schon vom Weiten. Durch die Glaskuppel, die als Wände und als Decke dient, kann man weit nach draußen schauen und die Fahrt genießen. Ich setzte mich wie immer in die dritte Reihe links, da man von dort aus das um diese Zeit laufende Hoverboardfahrertraining, das unten am Stadion stattfindet, wundervoll beobachten kann.

Meine Freundin erwartet mich schon: „Hey, Lenja!“ „Hey, Lena!“, rufe ich erfreut zurück. „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“, fragt sie mich neugierig. „Ich mach sie jetzt“, antwortete ich und holte mein Handy raus. Ich klickte auf den Hausaufgaben-Button und schon scannt mein Handy mein Gehirn und machte die Aufgaben mit Hilfe meines gespeicherten Wissens. Kurze Zeit später fragt mich Lena verwundert: „Geht das immer so schnell bei dir? Bei mir dauert das immer mindestens zehn Minuten.“ Ich antwortete nicht und nach einer Weile sind wir in der Schule angekommen. Wir steigen aus und bleiben ein paar Minuten stehen und reden ein wenig miteinander. Dann gehen wir in unser Klassenzimmer, wo auch schon alle auf uns warten. „Nicht schon wieder zu spät“, flüstere ich Lena zu. „Setzt euch“, sagt der Lehrobott emotionslos zu uns und schon sitzen wir auf unseren Plätzen.

Nach etwa 30 Minuten schellt es zur nächsten Stunde: Mathe. Lena flüstert mir zu: „Freust du dich auch schon voll auf Robo008?“ „Genauso sehr wie du“, antworte ich mit Ironie in der Stimme. Doch Robo008 kommt nicht, stattdessen kommt ein anderer Lehrobott, den wir bis jetzt noch nicht kennen. Der neue Lehrobott sieht ein bisschen anders aus. Sein Kopf ist etwas größer und runder, sein Körper ist schwarz und nicht mehr blau. „Ich bin Robo0098“, stellt er sich vor. „Leider ist Robo008 kaputtgegangen, weshalb ich euer neuer Mathe-Lehrobott bin. Meine Lehrmethode ist ganz simpel und einfach: Ihr bekommt alle solche Helme“, er zeigt auf irgend ein komisches, rundes Ding, „die ihr einfach nur aufsetzen müsst.“ Er befiehlt zwei Schülern, die Helme auszuteilen. Robo0098 geht durch die Klasse und sieht sich an, wie die Schüler sich diese Helme aufsetzen. Ich ziehe den Helm an und plötzlich wird mir schwindelig und schwarz vor Augen, anscheinend werde ich ohnmächtig. Ich wache wieder auf und befinde mich immer noch im Klassenzimmer. Als ich mich umsehe, bemerke ich, dass ich nicht die Einzige bin, die ohnmächtig war. Ein Schüler fragt den Lehrobott warum wir ohnmächtig waren, der Lehrobott antwortet: „Ihr wart nicht ohnmächtig, ihr habt nur im Schlaf gelernt. Wenn ich euch jetzt frage, was 1289 mal 2354 ist, dann könnt ihr mir das sofort alle beantworten.” Ich hebe die Hand und frage mit der Hoffnung, dass wir es nicht jeden Tag machen müssen: „Werden Sie diese Methode jedes Mal verwenden?“ Wie ich es befürchtet habe, antwortet der Lehrobott: „Natürlich, was denn sonst?“. Und schon schellt es wieder. Jetzt haben wir endlich ein Fach, das ich mag: Fremde Wesen. Wir gehen zusammen zur Flughaltestelle, denn dort erwartet uns schon der Flieger und wir fliegen zum Klassenzimmer. Im Klassenzimmer erwartet uns schon unsere Lehrobotin mit einem fremden Wesen, das wir alle noch nicht kennen. „Liebe Schüler, heute stelle ich euch ein neues Wesen vor: den Panda. Die Panda sind eine sehr alte Rasse, die schon vom Aussterben bedroht ist.“ In dieser Stunde haben wir alles über Panda erfahren: Wo sie leben, was sie fressen, wie sie aussehen und ihre Eigenschaften. Nach dem Unterricht, der sich für mich wie eine Minute angefühlt hat, schellt es. „Schule aus!!!“, rufen alle froh. „Diesmal haben wir zum ersten Mal in meinem Leben keine Hausaufgaben auf’“, meint Lena zu mir und wir müssen beide lachen. Als wir wieder an der Flughaltestelle sind, muss ich leider aussteigen und unsere Wege trennen sich.

Ich gehe nach Hause und wieder an den interessanten Häusern vorbei. Als ich zu Hause ankomme, begrüßt mich Silver erfreut und ich grüße sie zurück, indem ich sie streichele. „Ich bin wieder da!“, rufe ich in die Küche, wo meine Mutter gerade Essen kocht. Sie fragt mich nicht gerade sehr interessiert: „Na, wie war denn heute die Schule?“ „Wie immer“, antworte ich einfach und vergesse, das mit dem neuen Lehrobott zu erwähnen.

Ich gehe in mein Zimmer auf der zweiten Etage und hole mein blau-rosa Hoverboard. Dann gehe ich nach draußen und klingele an der Tür des Nachbarhauses. Tante Emma öffnet mir die Tür und sagt: „Hallo Lenja. Wie ich sehe, bist du da, um Marco abzuholen. Dann warte bitte kurz.“ Sie schließt die Tür wieder und nach kurzer Zeit kommt Marco mit seinem Hoverboard raus. „Wo sollen wir heute üben?“, fragt er mich. „Keine Ahnung“, antworte ich. „Vielleicht am Buchenweg?“ „Ok“, meint er nur.

„Warum geht das Training nur immer so schnell vorbei?“ frage ich mich auf dem Weg nach Hause. Als ich angekommen bin, spiele ich noch ein bisschen mit Silver und schon ist Schlafenszeit. Nach dem Zähneputzen und Umziehen lege ich mich ins Bett und nehme mir Silver als Kuscheltier. „Morgen ist auch schon der nächste Tag“, sind meine letzten Worte und schon bin ich eingeschlafen.

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