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Heute von gestern für morgen

Demokratie ist ein fragiles Gebilde. Darauf wies Heinz Spelthahn, Vorsitzender der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz am Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hin.

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Stellvertretend für ihre Klassen- und Jahrgangsstufen nahmen Schülerinnen und Schüler den Preis entgegen. Fotos: Arne Schenk
Stellvertretend für ihre Klassen- und Jahrgangsstufen nahmen Schülerinnen und Schüler den Preis entgegen. Fotos: Arne Schenk
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„Sieben Wochen reichten zur Veränderung der Weimarer Demokratie in eine Diktatur“, führte er in seinen einleitenden Worten aus. Gerade darum sei es wichtig, dass die nachfolgende Generation den Dreiklang „Vergessen. Erinnern. Handeln.“ bewahrten, den Vorstandsmitglied Marco Maria Emunds in den Mittelpunkt seiner Erörterungen stellte. Emunds war es auch, der den Anstoß zur gemeinsamen Aktion der sieben weiterführenden Schulen gab. Aus Anlass des 80. Jahrestags der Reichspogromnacht haben sich die Jugendlichen im Sommer 2018 mit den Verbrechen der NSDAP Diktatur beschäftigten – mit Blick auf die Zukunft: Jede Schule erarbeitete, woran es in weiteren 50 Jahren wichtig sei, sich zu erinnern. Auf ganz unterschiedliche Weise hatten sich die Schirmer-Schule, Stephanusschule, Sekundarschule, das Berufskolleg Jülich, das Mädchengymnasium Jülich, die Gymnasien Zitadelle und Haus Overbach dem Thema genähert. Das Leitmotiv „Nie wieder! Was wir heute von gestern für morgen lernen. 2018 • 1938 • 2068“. Das verläufige Finale war eine Aktion auf dem Propst-Bechte-Platz, bei der ein Baum gesetzt wurde, um den kreisförmig Zeitkapseln mit den Arbeiten und Erkenntnissen der Schülerinnen und Schüler in der Erde versenkt wurden. Jetzt wurde ihnen für diese einmalige Gemeinschaftsaktion – das Erinnern und Handeln – der Preis für Zivilcourage verliehen, der erstmals den Zusatz Solidarität erfuhr.

Entstanden sind Collagen und Filme, ein Musikvideo, natürlich auch Texte in Prosa und als Lyrik sowie ein Sternenhimmel – angelehnt an die Nazi-Kennzeichnung der Juden durch den Judenstern. Auf ihnen standen selbstkritische Aufforderungen: „Ich informiere mich über Sachverhalte und rede nicht einfach drauf los.“ Das war ein Beispiel, auf das Bürgermeister Axel Fuchs in seiner Laudatio besonders einging. Gerade die Recherchearbeiten der Schülerinnen und Schüler und die fundierte Ergründung eines Themas gehörten in der heutigen medialen Zeit nicht mehr zur Selbstverständlichkeit. Vielmehr herrsche die Verbreitung von „Hörensagen“, weil die Menschen in „unserer Vollkasko-Gesellschaft“ sich auf die Aussagen anderer verließen, ohne diese auf ihren Wahrheitsgehalt und Hintergründe hin zu überprüfen. Der andere sei verantwortlich. Schmähungen und „Drei-Wort-Phrasen“ würden zusätzlich das Klima vergiften. „Das ist eine schlimme Entwicklung“, betonte Fuchs, der entgegengewirkt werden müsse. Die Preisträger hätten das auf vorbildliche Weise getan.

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Einen Sonderpreis hatte die Jülicher Gesellschaft in diesem Sinne auch zu vergeben: Eine Projektgruppe des Würselner Heilig-Geist-Gymnasiums hatte sich mit ihrem Jülicher Lehrer Timo Ohrndorf mit der Villa Buth in Kirchberg beschäftigt. Die Unternehmer-Villa war in der Nazizeit für 150 Menschen jüdischen Glaubens aus dem Jülicher Land „Durchgangsstation zum Holocaust“. Mit Unterstützung des Erben, Hellmuth Eichhorn jun., kamen neue Erkenntnisse über das Gebäude und seine Nutzung zustande. Aber auch zahlreiche Zeitzeugen, die damals in Kirchberg lebten, schilderten erstmals ihre Erlebnisse. Ein Publikation ist geplant.

Im Zuge der Würdigungen der Jugendgruppen aus Aldenhoven und Titz hielt Titz Bürgermeister Jürgen Frantzen auf Bitten der Jülicher Gesellschaft einen Beitrag zum Thema Kindertransporte.Ganz aktuell konnte er von seinem Besuch in Herbesthal (B) berichten, von dem er gerade zurück gekommen war. Am ehemaligen Grenzbahnhof Herbesthal war ein Denkmal in Erinnerung an die Kindertransporte eingeweiht worden.


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