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„-Innen“ kommt von innen

Malerin mit Bild

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Jeder kennt sie: Die blaue Frau am Hexenturm in Jülich | Foto: HERZOG
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Auf Erkundungstour durch das schöne Jülich, zieht es Mann und Frau direkt zu den vielen spannenden Sehenswürdigkeiten und damit auch zum mittelalterlichen Hexenturm. Nicht anders erging es mir. Doch jedes Vorhaben bringt auch Überraschungen mit sich. Den imposanten Eindrücken gotischer Baukunst und dem historischem Charme der Stadt noch ganz verfallen, wurde mein Blick mit einer weiteren, blau gekleideten, städtischen Besonderheit belohnt. Einer unumstößlichen Frau! Als hätte sie schon immer dort gestanden, steht sie ihre Frau vor den Innenmauern der alten Stadtbefestigung: entschlossen aber voll unvoreingenommener Gelassenheit blickt sie in die Straßen der Stadt, den Flanierenden entgegen.

Diese Präsenz verfehlt ihre Wirkung (auf mich) nicht, denn nun werde ich neugierig und starte eine Recherche. Ich will wissen, wer diese Frau ist und wofür oder für wen sie steht. Doch ein weiteres Mal werde ich nicht belohnt. Immerhin, der Name des Künstlers lässt sich ausfindig machen! War die Dame tradierten Vorstellungen entsprechend seine Muse? Nein, dann wäre sie die Protagonistin des Bildes. Sie steht dort mit dem Bild als Künstlerin! Selbstbewusst in Blau, in der Farbe der Weisheit, der Harmonie und des Friedens. Aber auch der Farbe der Sehnsucht und der Unendlichkeit. Diese Frau, glaube ich, steht für alle Frauen, für alle „-Innen“! Und von ihnen gibt es bekanntlich genug, genau genommen machen sie rund die Hälfte der Weltbevölkerung aus, so dass ich nur Einige von ihnen beispielhaft nennen kann. Für Jülich denke ich dabei schnell an die Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen, die einmal jährlich ihre einzigartigen und originellen Arbeiten auf dem Kunsthandwerkerinnenmarkt ausstellen. Ich denke auch an all die Studentinnen, Forscherinnen, Bürgerinnen, Migrantinnen, Schülerinnen, Kolleginnen und Nachbarinnen dieser Stadt. Vor allem aber denke ich, was diese eine kleine in Worte gefasste sprachliche Vervollständigung „-Innen“ für eine gewaltige Wirkungskraft entfaltet! Denn mit der sprachlichen Überführung des generischen Maskulinums – in welchem Frauen mit Gebrauch der männlichen Sprachform einfach nur mitgemeint sind – in eine geschlechtergerechte Sprache, werden Frauen, ihre individuellen Lebenswelten und Situationen nicht nur sprachlich sichtbar gemacht, sondern gehen auch in die Konstruktion sozialer Wirklichkeit über. Frauen werden genannt, wenn sie gemeint sind!

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Das sprachliche für sich selbst Stehen von Frauen klingt eigentlich auch unumstößlich. In diesem Sinne denke ich,  „-Innen“ kommt von innen und Sprache wird durch ihren Gebrauch – entgegen der landläufigen Meinung – nicht komplizierter, sondern ein Stück gerechter und differenzierter.

Und vielleicht hat sich im Jahre 1989 all das auch schon Klaus Schmetz gedacht, als er die „Malerin mit Bild“ schuf und sie in Blau kleidete.

  Mandy Geithner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Jülich


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