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Ist ja goldig!

Wie ein Edelmetall sich still und heimlich in unsere Sprache schleicht. 

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Ist ja goldig! | Grafik: HZG
Ist ja goldig! | Grafik: HZG
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Da ist er wieder, der Oktober! Die Blätter der Bäume verfärben sich in den schönsten Rot-und Gelbtönen und die Sonne lässt sich noch ein paarmal blicken, bevor wir bald wieder mit dicken Jacken, hochgezogenen Schultern und missmutigen Gesichtern durch nasskaltes Wetter stapfen müssen. Der Oktober ist tatsächlich wie im Volksmund behauptet ein goldener Monat.

Apropos Volksmund und Gold: Wenn man einmal darüber nachdenkt, gibt es in unserer Sprache jede Menge Redewendungen, Sprichwörter und Ausdrücke, die mit dem begehrten Metall zu tun haben. Ist ja auch kein Wunder, schließlich fasziniert das Gold die Menschheit seit Jahrtausenden schon so sehr, dass Kriege darum geführt wurden und regelrechte Massenwanderungen zu neuen Goldfundorten stattfanden. In zahlreichen Märchen und Legenden aus aller Welt spielt es eine zentrale Rolle.

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Das wohl bekannteste Sprichwort im Zusammenhang mit dem Edelmetall hat vermutlich jeder schon einmal vom Stapel gelassen, ob ernst gemeint oder einfach nur um den Adressaten damit aufzuziehen sei jetzt mal dahingestellt: „Morgenstund´ hat Gold im Mund!“  Bevorzugt schallt einem dieser Spruch von gutgelaunten Frühaufstehern entgegen, die dabei auch noch grinsen wie Mallorca-Animateure auf Speed. Zumindest wirken sie so auf unverbesserliche Morgenmuffel wie mich, die man vor der ersten Tasse Kaffee besser gar nicht erst anspricht. Besonders gemein ist übrigens, wenn einem dabei auch noch die Bettdecke weggezogen wird!

Je nach Tagesform liegt mir manchmal übrigens die Erwiderung „Wohl eher Blei im Allerwertesten!“ auf den Lippen, womit wir direkt zum nächsten goldenen Sprichwort kommen. Sein Gegenüber mit solch unfreundlichen Äußerungen am frühen Morgen anzuranzen, trägt ja nicht unbedingt dazu bei die Stimmung zu heben. „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ denke ich mir also in diesem Fall und halte lieber mal ausnahmsweise meinen Mund. Allerdings trifft dieses Sprichwort nicht generell zu. Beispielsweise würde ich niemandem empfehlen frei nach diesem Motto zu einer mündlichen Prüfung anzutreten. Und einige Dinge müssen nun manchmal ausgesprochen werden, aber man muss ja nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage legen…

Weniger umstritten ist mit Sicherheit die vielzitierte Weisheit „Es ist nicht alles Gold, was glänzt!“, eine Erfahrung, die früher oder später sicher jeder von uns gemacht hat oder noch machen wird. Da wir tagtäglich von allen Seiten mit Werbung zugemüllt werden und uns immer mehr auf zweifelhafte Quellen im Internet verlassen, würde es mich wundern, wenn dem irgendjemand widersprechen würde. Heutzutage hat schließlich eine beachtliche Anzahl an Menschen eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, die jeden Alchimisten des Mittelalters vor Neid grün werden ließe: Aus Scheiße Gold zu machen! Zugegeben, das ist jetzt vielleicht etwas derbe, aber selbst dieser Ausdruck hat mittlerweile seinen Einzug in unseren Sprachgebrauch gehalten und manchmal ist er einfach nur wunderbar passend.

„Heim und Herd sind Goldes wert“, an diesen Spruch kann ich mich noch gut erinnern, schließlich hing er vor etlichen Jahren im Flur des Hauses einer Schulfreundin. Direkt neben der Haustür prangte er auf einem schrecklich hässlichen Stickbild, das an Kitsch kaum zu übertreffen war. Irgendwann habe ich meine Freundin mal gefragt, warum ihre sonst ganz modern eingerichteten Eltern so etwas Abscheuliches aufhängen, dabei lag die Antwort ja eigentlich auf der Hand. Das Ding war das Werk ihrer Oma, die es ihnen mit stolz geschwellter Brust zum Einzug überreicht hat. Was daraus geworden ist, ob es womöglich immer noch dort hängt, kann ich leider nicht sagen, beim nächsten Klassentreffen werde ich aber einmal nachfragen.

Ziemlich sicher ist jedoch, dass dieses Stickbild nicht unbedingt zu den Dingen gehört, von denen gesagt wird, man könne sie „nicht mit Gold aufwiegen“. Durch diese Umschreibung drückt man schließlich aus, dass ein Gegenstand oder eine Person durch nichts und niemanden zu ersetzen ist. Sie geht auf ein altes Sprichwort aus dem 16. Jahrhundert zurück, das lautete „Ein fromm Weib kann man mit Gold nicht überwägen“.  Im Gegensatz dazu ist bei vielen anderen dieser Sprichworte überhaupt nicht mehr eindeutig nachvollziehbar, woher sie überhaupt stammen, so alt sind sie schon. Auffällig ist jedoch, dass viele auch in anderen Sprachen existieren, bzw. in anderen Sprachen sinngleiche Sprüche vorkommen.

Es gibt allerdings auch Bezeichnungen, deren Quellen durchaus bekannt sind. Viele „goldige“ Begriffe gehen etwa auf Märchen oder Fabeln zurück, wie der Goldesel oder die Gans, die goldene Eier legt. Beide werden oft nicht nur positiv gebraucht, sondern sind zugleich Sinnbilder für Habgier und Dummheit. Ein anderes märchenhaftes Beispiel ist die „Goldmarie“, als die man gerne artige und fleißige junge Frauen bezeichnet, genau wie das gute Mädchen, auf das Frau Holle zum Dank für ihre harte Arbeit Gold regnen lässt. Wobei ich mich schon als Kind gefragt habe, ob das nicht weh tut.

Dies sind nur die bekanntesten Beispiele dafür, wie „vergoldet“ unsere Sprache ist. Vermutlich kann man zu dem Thema ganze Bücher füllen, aber das würde jetzt wohl eindeutig den Rahmen sprengen. Im Endeffekt hat der gute alte Goethe mal wieder Recht behalten, als er im Faust schrieb: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“


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