Die Poetry-Slam-Veranstaltung „Zwischen Zeilen und Gefühlen“ der AG der Zitadelle bot dem Publikum einen abwechslungsreichen und berührenden Abend. Bereits vor Beginn herrschte eine erwartungsvolle und zugleich angenehme Atmosphäre. Während leise Musik lief, füllte sich der Saal mit Gästen unterschiedlichen Alters. Die Bühne war schlicht, aber stimmungsvoll mit Mikrofon, Keyboard, Sofa und einer projizierten Bücherwand im Hintergrund gestaltet. Mit ihrer lockeren und sympathischen Art führten die Moderatorinnen Elena Nastasi und Smilla Meier durch den Abend und sorgten direkt für eine offene, einladende und entspannte Atmosphäre. Der Abend bestand vor allem aus Texten über Veränderungen, Erinnerungen, Zukunftsängste und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
Den Auftakt machte Johanna Leibold mit einem poetischen Text über ein rätselhaftes Tier im eigenen Zimmer. Das Tier wurde zum Sinnbild für Veränderungen und Ängste, die immer wiederkehren. „Manchmal bringt es mir Geschenke und manchmal bringt es mich zum Weinen“, lautete eine eindrucksvolle Zeile. Anschließend beschrieb Beyza Kücük in ihrem Poetry Slam den Beginn des Frühlings. Mit Bildern von Sonnenstrahlen auf der Haut und einer erwachenden Landschaft zeichnete sie das Ende des Winters und den Aufbruch in eine neue Jahreszeit nach. Beim Hören ihrer Worte konnte man die ersten Sonnenstrahlen fast selbst wieder auf der eigenen Haut spüren. Für eine musikalische Abwechslung sorgte schließlich Schüler Poyraz Ilgin, der ein Stück von Vivaldi präsentierte und dafür viel Applaus erhielt.

Sehr persönlich wurde es im Beitrag von Aman Imansanov, der von verlorenen Kuscheltieren und Erinnerungen erzählte. Zwischen dem Wunsch, festzuhalten, und dem Mut, loszulassen, bewegte sich sein Text. Besonders nachdenklich regte die Frage „Der Kreislauf entscheidet für mich, oder war es nur ich?“ sowie die Aussage „Sie und ich treiben lange in meinen Gedanken herum“ an. Humorvoll näherte sich Meike Bischoff einem Thema an, das viele Jugendliche ihres Alters beschäftigt: die Fächerwahl in der zehnten Klasse. Zwischen Zeitdruck, Zahlen, Zukunftsfragen und dem Gefühl „saß ich nicht gestern noch im Kindergarten?“ beschrieb sie die Zeit als eine Qual.
Mit Zukunftsängsten und Leistungsdruck setzte sich dann Joleen Chorus auseinander. „Egal wie gut die Zahlen sind, sie sagen nichts von mir“, lautete eine zentrale Aussage ihres Poetry Slams. Das Bild eines Zuges, der bereits am Bahnsteig wartete, während man selbst noch unsicher ist, ob der richtige Zeitpunkt gekommen ist, zog sich dabei durch den gesamten Vortrag. Nach einer Pause mit vielen Gesprächen und Buffet übernahm eine Schulband die Bühne. Mit Gesang, Keyboard, E-Gitarre, Querflöte und weiteren Blasinstrumenten präsentierte sie eine eigene Interpretation von „Baby One More Time“ von Britney Spears. Ausgangspunkt war dabei die Geschichte hinter dem Song und die Frage, wie leicht Texte missverstanden werden können. Beeindruckend dabei: Für diesen Auftritt hatte die Gruppe nur einmal gemeinsam geprobt.

Zu den eindrucksvollsten Beiträgen des Abends gehörte der Text von Jason K. Boehm über Selbstzweifel, Einsamkeit und die Suche nach der eigenen Identität und Zweisamkeit. In blaues Licht getaucht, sprach er von inneren Stimmen, Hoffnung und Verzweiflung. Zeilen wie „Der Schmerz ist kein Scherz“ und „Der Schmerz versteckt hinterm Scherz“ oder „Im Spiegel sehe ich alles außer mir selbst“ blieben dabei vor allem im Kopf. Poyraz Ilgin richtete mit seinem Slam den Blick auf die moderne Welt. Zwischen Bildschirmen, sozialen Medien und der ständigen Präsenz digitaler Geräte erinnerte er daran, die Schönheit der Natur und die Menschen um uns herum bewusster wahrzunehmen. Seine Botschaft: Jeder Mensch verdient Wertschätzung, und oft lohnt es sich, den Blick vom Display zu heben und die Welt direkt zu erleben.
Traditioneller Höhepunkt des Abends war der Beitrag von Lehrer Mario Maintz, der sich auf humorvolle Weise mit der Frage nach dem persönlichen Lieblingswort beschäftigte. Zwischen Begriffen wie „Schmetterling“, „Augenstern“ und „Demokratie“ zeigte er, wie viel Bedeutung in einzelnen Wörtern stecken kann. Den Abschluss bildete ein Poetry Slam mit dem Titel „Löwenmut“. Evgenia Ermolenko ermutigte dazu, Vergangenes loszulassen, bereute Entscheidungen hinter sich zu lassen und mutig nach vorne zu blicken. Ihre Botschaft passte hervorragend zum gesamten Abend, der immer wieder von Themen wie Entwicklung, Hoffnung und Selbstfindung geprägt war.
In einer anschließenden Podiumsdiskussion gewährten die Schüler und Schülerinnen Einblicke in ihre Schreibprozesse. Dabei wurde deutlich, wie viele persönliche Erfahrungen in den Texten steckten. Die Poeten und Poetinnen der AG berichteten außerdem von einer unterstützenden und wertschätzenden Zusammenarbeit, bei der gegenseitiger Austausch wichtiger war als Bewertung. Zum Abschluss des Abends dankten die Moderatorinnen Elena Nastasi und Smilla Meier allen Beteiligten und Unterstützenden und vor allem ihren Arbeitsgruppenleiterinnen Lea Bogalski und Tabea Michels. Das Publikum verabschiedete die Poeten und Poetinnen mit großem Applaus und nahm viele Denkanstöße mit nach Hause. „Zwischen Zeilen und Gefühlen“ zeigte eindrucksvoll, wie kreativ, mutig und reflektiert junge Menschen ihre Gedanken ausdrücken können.




















