Der Rückgang der Ausbildungszahlen betrifft gewerblich-technische und kaufmännische Berufe gleichermaßen. Im gesamten IHK-Bezirk sind 2566 neue Verträge unterzeichnet worden, 13,1 Prozent weniger als im letzten Jahr – ein Trend, der sich auch landesweit abzeichnet: In Nordrhein-Westfalen wurden bis Ende Juli 42.662 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind rund neun Prozent weniger als im Vorjahr.
„Der Ausbildungsmarkt spürt mehrere Belastungen gleichzeitig: Offene Stellen treffen auf fehlende Bewerbungen, die wirtschaftliche Lage ist angespannt, und ein ganzer Abiturjahrgang fehlt“, erläutert Ulrich Ivens, stellvertretender Bereichsleiter Bildung bei der IHK Aachen.
Dass es auf dem Ausbildungsmarkt ein strukturelles Ungleichgewicht gibt, bestätigen die Ergebnisse der aktuellen Umfrage des deutschen Gesamtverbandes der IHKs. „Die Unternehmen wollen ausbilden. Das Problem ist nicht der Wille, sondern das Zusammenbringen von Betrieb und Bewerbenden“, sagt Ivens mit Blick auf die Umfrageergebnisse. Fast die Hälfte der Unternehmen konnte nicht alle ihre freien Plätze besetzen. Rund 62 Prozent von ihnen nennen fehlende geeignete Bewerbungen als Hauptgrund. Gleichzeitig häuften sich Vertragsauflösungen in der Probezeit auf beiden Seiten.
Die Betriebe berichten zudem, dass Bewerberinnen und Bewerbern oftmals wichtige Grundlagen fehlen: An erster Stelle stehen Belastbarkeit, mentale Leistungsfähigkeit und Disziplin, gefolgt von mangelnden schulischen Grundlagen wie Mathematik, Wirtschaftskenntnissen und Ausdrucksvermögen. Die Motivation vieler junger Menschen sei da, weiß Ivens. Damit sie ihre Chance bestmöglich nutzen können, brauche es eine Bildungskette, die sie frühzeitig stärkt: mit sicheren Grundkompetenzen, mehr Praxisnähe, verbindlicher Berufsorientierung und verlässlichen Übergängen in Ausbildung und Beruf.
Die duale Ausbildung bliebe ein zentraler Schlüssel zur Fachkräftesicherung für die regionale Wirtschaft, so die IHK. Sie stärke die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und eröffne jungen Menschen gute berufliche Perspektiven. „Für die Betriebe ist Ausbildung keine Nebensache, sondern eine Investition in die Zukunft. Wer heute ausbildet, sichert sich die Fachkräfte von morgen – und damit auch die eigene Leistungsfähigkeit“, unterstreicht Ivens vor allem in Hinsicht auf die demografisch bedingte Fachkräftelücke.
Der Ausbildungsmarkt bietet weiterhin Potenzial für Kurzentschlossene. Ein Einstieg in das aktuelle Ausbildungsjahr ist bis zum 1. Oktober und in Einzelfällen darüber hinaus möglich. Die IHK Aachen appelliert sowohl an Betriebe als auch an Jugendliche und deren Eltern, die Chancen der dualen Ausbildung aktiv zu nutzen. Aktuelle Ausbildungsangebote finden sich online unter www.ausbildung.nrw.



















