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Hella, mach die Lampen an!

Wem oder was der Jülicher den wohl leckersten Glühwein der Region zu verdanken hat.

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Hella | Foto: Petersen
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Eigentlich kennt sie fast jeder. Vielleicht erinnert man sich nicht sofort, aber irgendwann fällt dann der Groschen. Die Rede ist von Hella Eschweiler, obwohl die allermeisten sie wahrscheinlich nur mit ihrem Vornamen verbinden. „Lass uns bei Hella treffen“ ist im Winter schon eine feste Begrifflichkeit. Denn Hella ist die Herrin des Glühweinstands auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt, und dies seit sage und schreibe 27 Jahren.

Am Anfang war es für die Wahl-Jülicherin eine große Herausforderung, denn Glühwein war nicht unbedingt ihr Fachbereich. Aber man wächst ja schließlich mit seinen Herausforderungen, so ihre eigene Aussage. Schuld an allem, sofern man hier überhaupt von „Schuld“ sprechen möchte, ist Willi Halking, zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer der Werbegemeinschaft Jülich e.V. Er nahm vor 27 Jahren die junge Frau Eschweiler zur Seite und überredete sie, den zu jener Zeit etwas kränkelnden Glühweinstand zu übernehmen. Soweit hergeholt war die Idee damals nicht, denn Hella stammte aus dem Metier.

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Sie ist eine geborene Cremanns – bei den meis-ten klingelt es jetzt – und stammt also aus einer der ältesten Schaustellerfamilien der Region. Schon ihre Ururgroßeltern fuhren um 1820 mit ihrem Geschäft als Zuckerbäcker und Lebküchler über Land zu den verschiedenen Festen und Märkten. Schon als kleines Mädchen gab es für Hella Schaustellerluft zu schnuppern. Das Leben ist trotz oder gerade deswegen nicht immer einfach, denn das bedeutete auch, dass man in der wesentlich we- niger mobilen Zeit damals – da hatte eben noch nicht jeder ein Auto – die Eltern während der Saison nur selten sah.

Aufgewachsen ist Hella deswegen zu einem großen Teil bei ihren Großeltern in Lich-Steins-trass. Und so lernt sie, dass man zwar zu Hause ist, aber dennoch Heimweh hat. Sicherlich einer der Gründe, wegen derer sie beschließt, lieber nicht ausschließlich ins familiäre Metier einzusteigen, sondern lieber sesshaft zu werden und so mehr Zeit für Ihre Familie und ihre beiden Söhne zu haben. 1991 folgt deshalb die Eröffnung des eigenen Geschäfts, eines Nagelstudios, in ihrem Haus im mittlerweile umgesiedelten Lich-Steinstrass. Nebenbei hat sie weiter im familiären Betrieb mitgearbeitet, weshalb viele sie auch aus dem Champignonswagen oder einem Süßigkeitenwagen kennen – Hella war immer schon vielseitig unterwegs.

Aber zurück zum Glühweinstand. Willi Halking überredete Hella 1984 den Stand zu übernehmen. Zuerst habe sie sich gesträubt, weil sie meinte das nicht schaffen zu können, schlussendlich habe sie sich aber breitschlagen lassen und dann auch gleich einen Vertrag unterschrieben. Und danach stellte sie sich die bange Frage: Wie sag ich es meinem Peter? Der Ehemann war nicht in die Pläne eingeweiht und so kam es wie es kommen musste… Peter wollte mit der ganzen Sache nichts zu tun haben. Aber keine Sorge, der ehemännliche Groll hatte sich schnell gelegt, heutzutage wird tatkräftig mit angepackt und die goldene Hochzeit, die in vier Jahren ansteht, wird freudig erwartet.

Überhaupt läuft jetzt 27 Jahre später alles rund in Sachen Glühwein und die anfängliche Ratlosigkeit ist der Experimentierfreude gewichen, was man denn alles ausprobieren könnte. Längst gibt es ein modernes Zapfsystem, das den Glühwein bei Bedarf becherweise temperiert, so dass er nicht warm gehalten werden muss. Das erhält den Alkoholgehalt und verhindert die Entstehung von Bitterstoffen. Der leckerste Glühwein der Region kommt so nach Meinung vieler in den Becher. Davon überzeugen kann sich dann ja jeder selbst: Der 40. Jubiläumsweihnachtsmarkt öffnet am 22.11.2012 um 17 Uhr seine Pforten und natürlich ist dann auch Hella wieder mit von der Partie. Geplant sind anlässlich des Jubiläums auch einige besondere Aktionen. Geöffnet ist jeweils von 10 bis 19.30 Uhr, am Wochenende bis 20 Uhr.

Zum Schluss noch Hellas Rat gegen Kater: Lange schlafen, dann einen Kaffee und einen Hering… wer keinen Fisch mag, kann aber auch einfach auf einen „Konterglühwein“ bei Hella vorbeischauen. Na dann, Prost.

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Andrea Esser
In Jülich geboren und dann nach der Schule ab in den Süden zum Studium der Wortjonglage. Nach einer abwechslungsreichen Lehrzeit mit den Prominenten dieser Welt, überwog das Heimweh nach dem schönen Rheinland und Jülich im Speziellen. Deckname Lottofee, liebt ihre Familie, Süßigkeiten, Kaffee, alles Geschriebene und Torsten Sträter. Anfällig für sämtliche Suchtmittel (nur die legalen natürlich). Hat schon mal eine Ehrenurkunde gewonnen und ihre erste Zeitung bereits mit zehn Jahren herausgegeben. Hauptberuflich strenger Händchenhalter eines Haufens vornehmlich junger Männer. Der Tag hat notorisch zu wenige Stunden für alle Pläne und kreativen Vorhaben, die meiste Zeit etwas verwirrt.

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