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Rudolf Vaasen ist tot

Rudolf Vaasen ist am Dienstagabend nach langer schwerer Krankheit gestorben. Der Jülicher Künstler starb in seinem Wohn-Atelier im Alter von 85 Jahren.

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Rudolf Vaasen (1936-2021). Foto: Henry Graffmann
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Der „Sonnenfänger“ an den Solartürmen in Jülich soll künftig den Menschen „Wege der Kunst“ weisen. Rudi Vaasen hat die Umsetzung seines letzten Herzensprojektes im Großformat nicht mehr erleben können, das seit Herbst letzten Jahres in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum vorbereitet wird. Aber der „Sonnenfänger“ wird neben dem „Konzil“ im Brückenkopf-Park eine ständige und sichtbare Erinnerung an den großen Künstler sein.

Rudi Vaasen lebte Kunst, mit und inmitten seiner Kunst. Das tat er in einer Zugewandtheit und Offenheit den Menschen gegenüber, die ihm den Respekt und die Freundschaft von Kunstschaffenden im weitesten Sinne und Bewunderern seiner Werke eintrugen. Gastfreundschaft und Gesprächsbereitschaft waren ihm bis zuletzt selbstverständlich.

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Wer den asketisch wirkenden, aber lebensbejahenden Mann besuchte – etwa bei den lang gepflegten Tagen des offenen Ateliers der Künstlergruppe „Jülicher 7“, erlebte die Symbiose von Wohnraum und Atelier. Nur eine Schwelle trennte sein Wohnzimmer von dem Raum mit Farben und Staffelei. Unabdingbar Bestandteil: der Geruch von Ölfarbe. Malerei war Rudi Vaasen ein Bedürfnis. Kurze Wege waren wichtig, denn wenn ihn eine künstlerische Idee überfiel, musste sie umgehend umgesetzt werden – das konnte dann auch die ganze Nacht in Anspruch nehmen. Und wenn er vergessen hatte, sich umzuziehen, auch seine ansonsten stets gepflegte Kleidung.

Die Kunst war dem gebürtigen Jülicher nicht in die Wiege gelegt. Er kam auf Umwegen als Autodidakt zu seiner Berufung. Mit seinem Bruder in einem katholischen Elternhaus groß geworden, versuchte sich Rudi Vaasen in ganz jungen Jahren als Drogist, ehe er dem Ruf der Religion folgte und ein Theologie-Studium in Paderborn und später Freiburg antrat. Im wahrsten Sinne türmte der Studiosus mit Hilfe von Freunden über die Kirchmauer – ein Leben als Geweihter war offenbar doch nicht die Erfüllung. Dennoch blieb Rudi Vaasen sein Leben lang ein tiefgläubiger Mensch, der mit seinem Gott rang, weil er seiner Ansicht nach weder dessen ideelle noch idealen Vorgaben erfüllen konnte.

Erfüllung fand er nach einem Intermezzo als Geschäftsmann in der Malerei. In den 1980er Jahren kehrte der Jülicher aus dem Süddeutschen zurück zur „Scholle“ und machte Inden zu seinem Lebens- und Schaffensmittelpunkt. Im ehemaligen Atelier-Haus des Künstlers Dickmeis fand er 13 Jahre lang in einer Wohngemeinschaft mit Robby Dohmen und Gérard Schmitz viel Gestaltungsraum. Sein großer Lehrer, auch wenn er ihn nicht persönlich kennenlernte, wurde Emil Schumacher. In ihm fand Rudi Vaasen das Vorbild für die Bildgebung der Abstraktion seines Lebens. Die informelle Ausdrucksweise ermöglichte es ihm, so formuliert es sein Freund Jens Dummer, „alles zu zeigen, aber nichts zu offenbaren“. In seinen Werken verarbeitete er auch seine Zwiespälte, Zerrissenheiten und Gegensätzlichkeiten, doch kleidete er diese stets in ein ästhetisches Gewand.

Ein herber Einschnitt war es für Rudi Vaasen, als ihn die Rheinbraun-Bagger aus dem Indener Atelierhaus vertrieben und er mit seiner Malstatt in sein Elternhaus in Jülich zurückkehren musste. Und ein Schock, als mitten im Umzug diebische Einbrecher im entvölkerten Inden die Gelegenheit nutzten, 28 Vaasen-Werke im Wert von 80.000 DM zu stehlen.

Neben seiner freien Kunst brachte sich Rudi Vaasen in der Gestaltung im Messebau ein. Daraus resultierte der Kontakt zur Firma Kühne, für die er rund 15 Jahre die künstlerische Gestaltung übernahm. Legendär sind seine keramischen Tellergerichte. „Kleine Kunstwerke sind entstanden, die die Nähe zwischen dem sinnlichen Vergnügen des Schmeckens und des Sehens demonstrieren“, würdigte das Unternehmen die Arbeiten des Künstlers.

Bekannt ist Rudi Vaasen auch für seine ungewöhnlichen Materialien. „Ich erhebe das Material, gefundene Gegenstände, Erde, Papier, Eisen, Holz, Farbe und Farbpigmente in den ästhetischen Anspruch – und somit in mein Verständnis von Bildordnung“, formulierte es der Künstler selbst einmal. Dabei ließ er gewöhnlich lieber Kunstkennende über seine Werke sprechen, als dass er selbst das Wort ergriff. Rudi Vaasen war und blieb bescheiden und zurückhaltend, sich in den Vordergrund zu drängen war nie seine Art. Auch war er ein Mensch der leisen Töne – außer in seinem kreativen Schaffensakt. Jens Dummer, der sich mit seinem Freund nicht nur auseinandersetzte, sondern auch Seite an Seite künstlerisch wirkte, beschreibt es so: „Rudi malte immer mit ,Ton’. Schnaufen und Ächzen begleiteten seine gestische Malweise. Da habe ich verstanden, warum seine Malerei Kraft ausstrahlt – weil sie ein Kraftakt war. Und kein betulich-intellektuelles Gepinsel.“

Diese Kraft hat ihn nun endgültig verlassen.

Die Beisetzung findet im engsten Kreis statt.

Auf Wunsch von Rudi Vaasen gestaltete Jens Dummer einen „Totenzettel“.

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