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Spontan und wild

Meister des Wortes war er jahrelang bei der royalen Vorstellung des HERZOGs: Christoph Klemens. Im Zuge der Umgestaltung des Magazins übergibt er seine Arbeit in andere Hände, bleibt aber selbst nicht untätig, schließlich ist er mittlerweile Leiter des Amtes für Familien, Generationen und Integration und Leiter des Kulturbüros der Stadt Jülich.

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Christoph Klemens | Foto: HZG
Christoph Klemens | Foto: HZG
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An die Gründung des HERZOGs erinnert er sich noch gut, damals in den Containern des Brückenkopf-Parkes, wo er seit Ende 2008 die Kulturarbeit für die Stadt übernommen hatte. Beim damaligen Runden Tisch der hiesigen Kulturveranstalter kam der Wunsch nach einem gemeinsamen Terminkalender auf, der sich sowohl als Veröffentlichung der eigenen Termine als auch als Planungsinstrument benutzen ließe. „Zur gleichen Zeit hat Cornel (Cremer, Geschäftsführer des Kuba) an einer Idee für ein neues Faltblatt für das Kino gearbeitet. Da wir beide schon mit Hacky zusammengearbeitet haben, kamen Hacky und Mel (beide von La Mechky) auf die Idee, beides zu kombinieren.“ Daraus entstand die Idee des Herzogs Print und Online. So ist es entstanden.

Dabei habe jeder seine Fähigkeiten mit eingebracht: La Mechky das Design und Cornel Cremer die Werbung, während Christoph Klemens seine Kenntnisse aus der Pressearbeit noch mal ausgekramt hat. Nachdem es ihn aus dem Hunsrück nach Aachen verschlagen hatte, wo er Diplompädagogik, Germanistik und Philosophie studierte, arbeitete er anschließend zunächst als Texter für ein Pressebüro. „Dann habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass es noch andere Dinge gibt, die mich noch mehr interessieren, und habe das Angebot angenommen und die Schulstelle Dritte Welt, eine Agentur für interkulturelle Pädagogik, in Aachen aufgebaut“, erzählt er.

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Diese ABM-Stelle lief nach zwei Jahren aus. Währenddessen hatte er berufsbegleitend eine theaterpädagogische Fortbildung angefangen, ein Jahr später folgte zudem ein Non-Profit-Management: „Es geht darum, die klassischen sozialen und kulturellen Bereiche in den Institutionen Management-Praktiken zu erlernen, um die Führungsebenen zu professionalisieren.“ So wurden viele Mitarbeiter in Führungspositionen in Feldern wie Personalentwicklung, Personalführung und Betriebswirtschaft fit gemacht. Über Kontakte kam er von der Kaiserstadt zum Verein „Kultur im Bahnhof“ in der Herzogstadt und fing im Oktober 1996 im Kulturbahnhof als künstlerischer Leiter an, wo er die ersten Veranstaltungen geplant hat, darunter ein Konzert der Big Band „What else“ mit dem Jazzclub Jülich oder ein Auftritt des Wallstreet Theatres, das gerade erst im März 2017 noch einmal zu Besuch im KuBa war.

Aus der ABM-Maßnahme als künstlerischer Leiter wurde im dritten Jahr eine Festanstellung, 1999 wurde er Geschäftsführer des Kulturbahnhofes, von Anfang an beim Verein angestellt. Da das Ganze immer mehr Fahrt aufnahm und die Arbeit nicht mehr von Ehrenamtlichen allein geleistet werden konnte, half der damalige Kulturamtsleiter Joachim Krause durch die Installierung der dringend notwendigen Geschäftsführung, um den Betrieb weiter zu gewährleisten. „Er hat gesehen, dass die Führung des Hauses professionalisiert werden soll, weil die Struktur an ihre Grenzen gekommen ist.“ Darauf basiert der Erfolg des Hauses, der gleichzeitig eng mit dem Aufstieg des Kino im KuBa verknüpft ist.

Damals bestand ein Abspielring für Kinofilme in Würselen, Herzogenrath und Merkstein und Würselen, zu dem dann Jülich und Monschau hinzu stießen. „Dem Verein Metropolis verdanken wir, dass es Kino gibt in Jülich“, unterstreicht Christoph Klemens. „Über diesen Abspielring konnten wir das Kino finanzieren.“ Nicht nur die monatliche Miete für einen Film wurde geteilt, Metropolis besorgte auch einen Projektor für die Jülicher und bildete die Vorführer daran aus. „Den Start in dieses neue Metier hätten wir nicht finanzieren können“, ist sich der ehemalige Geschäftsführer sicher. „Das erste Jahr hätten wir nicht überlebt.“

Stattdessen entwickelten sich die Zuschauerzahlen derartig gut, dass Jülich letztlich sogar den Abspielring übernahm, und dies fast bis zur Digitalisierung. Parallel hagelte es Auszeichnungen und Kinopreise dreimal, eine fast schon feste Tradition, die auch der jetzige Kulturbahnhof-Geschäftsführer Cornel Cremer gekonnt fortführt. So sei der Aufstieg des Kuba zunächst zum jugendkulturellen und später zu einem wirklichen soziokulturellen Zentrum für alle Generationen, wo eben auch Kultur selbst entsteht, erfolgt.

Ende 2008 entschied sich Christoph Klemens, neue berufliche Herausforderungen zu suchen in dem Bewusstsein: Zwölf Jahre sind genug Bahnhof. Da kam das Angebot vom Brückenkopf-Park, die städtische Kulturarbeit, die dorthin ausgelagert war, zu übernehmen und zu modernisieren. „Eine meiner ersten Tätigkeiten war die Aufnahme in das Kultursekretariat NRW in Gütersloh, ein Verbund von damals 36, mittlerweile über 40 Kommunen in Nordrhein-Westfalen, die über das Kultursekretariat geförderte Kulturprogramme und -veranstaltungen abrufen können.“

So gründen sich beispielsweise Kinderkultursommer und Theaterstarter auf der Förderung des Kultursekretariats, aber auch Stücke für den Bereich Theaterreihe hat Christoph Klemens dort eingekauft. Überhaupt könne jeder Kulturfördernder in Jülich hier ein gefördertes Programm auswählen und es veranstalten. So hätten bereits die Jülicher Schlosskonzerte oder der Jazzclub daher Programme übernommen. Auch der Sommerleseclub der Stadtbücherei laufe über das Kultursekretariat NRW.

Zudem bedeutete diese Zusammenarbeit auch den Startschuss für die kulturelle Bildung als neuer Schwerpunkt der Kulturarbeit der Stadt Jülich, so mit den Kulturstrolchen ein Förderprogramm für Grundschulen, indem die Grundschulklassen kulturelle Institutionen besuchen und über einen Zeitraum von drei Jahren einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Bei der KuBa-Rallye fahren Grundschulen zum Kulturbahnhof und erhalten dort in vier Stationen Einblicke auf und hinter eine Theaterbühne, in den Kinoprojektionswagen und den Schnittraum, am DJ-Pult die Arbeit mit Licht und Musik, und können im Proberaum eine E-Gitarre ausprobieren.

An klassische Instrumente von Klavier, Violine bis zu Schlagzeug führt die Musikschulrallye die jungen Interessenten heran. „Es gibt auch die Möglichkeit, zum Glasmalerei-Museum nach Linnich oder zum Leopold-Hoesch-Museum nach Düren zu fahren, seit diesem Jahr ist Museum Jülich auch mit dabei und hat die Ren-Rong-Ausstellung mit Kulturstrolchen besucht“, betont Christoph Klemens. Besonders daran sei, dass das Projekt zu 100 Prozent gefördert sei, und weder Eltern noch Schulen keinen Anteil leisten müssten. Zudem kümmert sich Christoph Klemens um den Kulturrücksack für weiterführende Schulen sowie seit 2017 um JEKITS für die Grundschulen: „Jedem Kind ein Instrument, Tanzen und eine Stimme“. Auch die Street Art Academy steht 2018 zum vierten Mal in die Häuser vom städtisches Jugendheim, Bonhoeffer-Haus und Roncallihaus.

Seit Mitte 2017 ist er Amtsleiter auch Ansprechpartner für die Familien, Generationen und die Integration. „Das beinhaltet auch unter anderem die Kindergärten, die Jugendeinrichtungen, die Jugendsozialarbeiter, die Schulsozialarbeiter, die Senioren ins Netz, der Seniorenbeirat, der Integrationsrat, das Jugendparlament. Das ist sehr viel. Ich bin noch in der Einarbeitung. Im Moment habe ich einen Überblick, aber noch keine Routine“, konstatiert Klemens. Dass das wieder belebte Jugendparlament neuen Schwung aufnimmt und die Kinderstätten weiter so eine ausgezeichnete Arbeit machen, sind momentan Ziele von ihm. „Ich persönlich würde gerne ein kulturelles Bildungsprojekt für Kindertagesstätten entwickeln. Da bin ich auch schon in Kontakt mit der Akademie der kulturellen Bildung des Landes NRW in Remscheid.“

Zudem nahm er jüngst an einer Fortbildung „senior friendly communities“ in Maastricht teil, wo er viele Anregungen für die nächsten Jahre erhielt, um Jülich seniorenfreundlicher zu machen. So bestehen Überlegungen, Angebote flexibler zu gestalten und diese so auf die Bedürfnisse von Senioren abzustimmen. Dies reicht von Fahrgemeinschaften zu Veranstaltungen auch in andere Städte bis zu Mittagsvorführungen des Kinos. „Das ist so ins Blaue gedacht: Wieso gibt es keinen Kulturbus für Senioren, der sie dort abholt, zum Theater bringt und anschließend wieder nach Hause fährt?“ Für viele sei der Weg schon das Problem. Ganz wichtig sei auch die Kommunikation, „weil man festgestellt hat, je älter die Menschen werden, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass sie weniger kommunizieren.“ Weniger kommunizieren bedeute aber auch ein schnelleres Fortschreiten von Alterskrankheiten wie Altersdepression und Demenz. So gab es auf dem Kongress auch die Anregung, die älteren Herrschaften bei ihrer Kommunikation unterstützen und wenn es notwendig sei, einen Anrufdienst einzurichten, damit sie wenigstens mal zehn Worte oder zehn Minuten telefonieren und wahrgenommen als Personen. Depressionen hätten es leicht bei einem Menschen, der nicht mehr kommuniziert und sich so nicht mehr wahrgenommen fühlt.

Der Herzog war für ihn eine „sehr produktive und erfolgreiche Spielwiese“: „Wir haben da alle Herzblut investiert und Freude dran gehabt.“ Die Spontaneität und Wildheit, das kreative Ausprobieren der Anfangszeit wird er vermissen. „Für den Herzog geht es jetzt in eine neue Richtung. Ich finde es schade, dass es den alten Herzog nicht mehr gibt. Ich finde, dass der neue Herzog eine neue Chance ist und auch eine gute Idee, und ich hoffe, dass diejenigen, die ihn machen werden, so viel Spaß haben, wie wir ihn hatten. Und ich wünschen ihnen auch den Erfolg. Denn der neue Herzog ist ein neuer Herzog.“

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