Vor nahezu voll besetztem Theatersaal präsentierte der Literaturkurs der Oberstufe unter der Leitung von Mandy Tavernier seine Inszenierung von „Ernst ist das Leben“. Rund ein Jahr lang arbeiteten die Schüler und Schülerinnen an der Inszenierung des Stücks. Aus zwei Stücken entschied sich der Kurs für Oskar Wildes berühmte Komödie in der modernen Übersetzung von Elfriede Jelinek. Das mehr als 100 Jahre alte Stück wurde durch moderne Formulierungen für das Publikum leichter zugänglich gemacht. Gleichzeitig sorgten die von Schülern und Schülerinnen eingebrachten jugendsprachlichen Elemente für zahlreiche Lacher.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Jack, der ein Doppelleben führt: In der Stadt nennt er sich Ernst, auf dem Land Jack. Als er Gwendolen, die Cousine seines Freundes Algernon, heiraten möchte, gerät sein sorgfältig aufgebautes Konstrukt zunehmend ins Wanken. Schon im ersten Akt entwickelten sich zahlreiche humorvolle Szenen rund um Jacks Doppelleben, ein geheimnisvolles Zigarettenetui und die Frage, wer eigentlich wirklich Ernst ist. Besonders die Auftritte von Lady Bracknell sorgten für große Aufmerksamkeit. Mit ihrem schwarzen Kleid, Pelzbesatz und Perlenkette verkörperte sie eindrucksvoll die selbstbewusste Dame der Gesellschaft. Als Algernon Hinweise auf eine geheimnisvolle Cecily entdeckt, reist er kurzerhand aufs Land, wo die Verwechselungen erst so richtig beginnen. Zugleich besteht Gwendolen darauf, einen Mann namens Ernst zu heiraten. „Nur ein Ernst ist der meinen Wert“, erklärt sie selbstbewusst. Bei einem Verhör prüfte Lady Bracknell die Kompetenz Jacks als Ehemann für ihre Tochter. Als dabei herauskommt, dass er einst als Baby in einem Koffer an einem Bahnhof „mit angeschlossener Toilette“ gefunden wurde, lehnte sie die Verlobung entschieden ab.
Beeindruckend war vor allem die schauspielerische Leistung der Schüler und Schülerinnen. Die große Textmenge stellte laut Mandy Tavernier eine Herausforderung dar. Auf der Bühne war davon jedoch nichts zu merken. Die Darstellenden überzeugten eindrucksvoll mit sicherem Auftreten, starker Mimik und viel Spielfreude. Nach einem schnellen und leisen Bühnenumbau im zweiten Akt standen vor allem Cecily, Mrs. Prism und Dr. Chasuble stärker im Mittelpunkt. Die Begegnungen zwischen Mrs. Prism im schwarz-weiß punktierten Kleid und Dr. Chasuble im schwarzen Anzug entwickelten sich schnell zu Publikumslieblingen. Kaum eine andere Figurenkonstellation sorgte für so viele Lacher und spontane Reaktionen aus dem Zuschauerraum. Auch in der Pause blieb die gute Stimmung spürbar: Die Besuchenden nutzten die Gelegenheit den Darstellenden zu gratulieren.
Auch Algernons Lebensweisheiten kamen beim Publikum gut an. So erklärte er trocken: „Irgendwas muss man ja ernst nehmen, und für mich ist das das Vergnügen“. Gleichzeitig werden die Verwirrungen größer: Als Algernon auf dem Land erscheint und sich als Jacks angeblicher Bruder Ernst ausgibt, nehmen die Verwechslungen weiter zu. Cecily ist sofort begeistert von dem vermeintlichen Ernst und sieht sich bereits mit ihm verlobt. Kurz danach reist Gwendolen an, die ebenfalls überzeugt ist, mit einem Mann namens Ernst verlobt zu sein. Als beide Frauen aufeinandertreffen, entwickelt sich eine unterhaltsame Szene: Die zunächst höfliche Begegnung schlägt schnell in einen Streit bei Tee um, als beide feststellen, dass sie offenbar denselben Verlobten haben.

Im dritten Akt führen schließlich alle Handlungsstränge zusammen. Auf der Bühne stehen nun weiße Holzblöcke mit den Buchstaben E, R, N, S und T, die das zentrale Motiv des Stücks sichtbar machen. Besonders komisch wirkte Algernons Gelassenheit, mit der er selbst in schwierigen Situationen Muffins aß, während Jack verzweifelt versuchte, die Kontrolle über die Lage zurück zu gewinnen. Während Gwendolen und Cecily versuchen, ihre Verehrer zu ignorieren, bemühten sich Jack und Algernon um eine Versöhnung. Eintönig und sogar mit Anzählen verkündeten die beiden Damen jedoch: „Ein unüberwindbares Hindernis sind eure Vornamen“. Nachdem die beiden Herren offenlegen, dass sie sich sogar auf den Namen Ernst taufen lassen würden, lag den beiden Verlobungen aus Sicht der Damen nichts mehr im Weg.
Mit Lady Bracknells wiederholtem Auftritt nahm die Geschichte noch einmal stärker Fahrt auf. Nach und nach wurden die komplizierten Familienverhältnisse entwirrt. Schließlich stellte sich heraus, dass Jack der lange verschollene ältere Bruder von Algernon ist und somit nach dem Namen ihres Vaters Ernst John benannt ist. „Ich heiße also im Ernst Ernst“, realisierte Jack aufgeregt. Die Auflösung um den berühmten Koffer, der bereits zu Beginn und nach der Pause im Mittelpunkt stand, brachte die Handlung auf humorvolle Weise zum Abschluss. Am Ende konnten sich nicht nur Jack und Gwendolen sowie Algernon und Cecily verloben. Auch Mrs. Prism und Dr. Chasuble fanden zueinander, was vom Publikum mit besonderem Applaus bedacht wurde.
Die Aufführung zeigte eindrucksvoll, wie lebendig und aktuell Oskar Wildes Komödie bis heute ist und wie auf äußerliche Merkmale besonders Wert gelegt wird. Mit viel Engagement, Selbstbewusstsein und sichtbarer Freude am Spiel gelang es dem Literaturkurs, einen unterhaltsamen Theaterabend zu gestalten.



























