Im Ruhestand, wenn Konrad Beikircher dann Zeit habe, möchte er mal in Ruhe ganz privat Jülich besuchen, so war herauszuhören habe, um den Unterschied von Zitadelle und Brückenkopf zu verinnerlichen. Er ist sich nicht mehr so ganz sicher: „Wo jenau wor ich nochens uppjetrodde, damals?“
Also das Rheinische hat er zwar nicht mit der Muttermilch aufgesogen, aber dennoch hat er sich zum rheinischen Prototypen schlechthin, zum Rheinländer par excellence empor gearbeitet und kann wohl besser Kölsch als jeder Kölsche. Zudem kann er alles, was er von sich gibt, mit Lautbezeichnungen und grammatikalischen Feinheiten erklärend untermauern. Unterschiede in nah aneinander liegenden und doch so verschiedenen Sprachräumen seziert und differenziert er genauestens, mit Beispielen natürlich, nicht ohne Konsequenzen: Alle lachen herzlich. Der Saal tobt. Das Publikum fühlt sich in seiner Sprachwelt ertappt und feiert sie zugleich, nicht ohne Stolz.
Beim Schach ist die Eröffnung die halbe Miete. Beikircher blickt nun als Ü80 zurück auf seine Erfolge und lässt die Highlights noch einmal akustisch Revue passieren. Den Abend eröffnet er mit zwei kurzen Worten: „Wie isset“. Eigentlich müsste man bei dieser Begrüßung ja bis drei zählen können. Die Jülicher, wobei allerdings der linke Nebenmann aus Kreuzau angereist war, können sich natürlich erinnern und treten sofort unisono in den Dialog mit dem Wortklauber, Sprachbeobachter, -analysierer und -akrobaten. Dieses „Wie isset“ und die darauf folgenden Worte waren das Erfolgsrezept des zweiten Bühnenprogramms seiner Karriere, erinnert er sich und seine Gäste. Seine Redewendungen sind „unkaputtbar“ in unseren täglichen Sprachgebrauch eingeflossen, besonders eben dieses Begrüßungsritual. Nach „Wie isset“ käme jetzt „dat woret“, sagt er. Das klingt etwas platter als „Arrivederci“, aber Platt ist ja sein Kapital.
Auf der Bühne hat er es nicht so deutlich gesagt, aber in der Vorankündigung ließ er verlauten: „Ich hab‘ noch ‚was anderes zu tun als Euch zum Lachen zu bringen.“ Er möchte für seine vier Enkel da sein und sich um seine Gesundheit kümmern. „Laut Krankenakte bin ich in der Uniklinik Bonn „Premiumpatient“ … Außerdem bin ich kein Johannes Heesters.“
Aber er gab noch einmal alles und das „full house“-Publikum hat es ihm mit einer von Herzen kommenden standing ovation gedankt. Welches Kabarett geeignete Wort kommt mit nur zwei Buchstaben aus? Zwei Vokale, sonst nichts. Dieses Wort dekliniert Konrad in zahlreichen Dialekten des deutschen Sprachraums durch, bemüht beliebte und unbeliebte Dialekte und variiert die Bestellrituale beim Frühstück. – Richtig, es geht um das Ei. Wir kennen das Ei des Kolumbus und und nun eben auch die Variationen über das Ei des Konrad. Ich hab´s nicht gestoppt, aber mit dieser Ei-Etüde hätte er, ich neige zur Übertreibung, fast bis zur Pause reichen können.
Er genießt die geniale Rheinische Verkürzung wie etwa bei: „In Jülich arbeitet man am Atom.“ Hübsch, sein Schluss von n auf n+1: „Woelki arbeitet am Dom.“
Die Sprache ist sein Ding, „aber dann kam die rheinische Mentalität dabei“, erklärt Konrad. Es geht also um mehr, sozusagen ums Ganze, um eine Lebenseinstellung, um eine Art und Weise mit den Herausforderungen des Lebens klar zu kommen. Und eines der wichtigsten Ingredienzen im notwendigen Reagenz-Cocktail des „Damit-klar-Kommens“ ist offensichtlich der Humor. Hiermit ernenne ich Konrad Beikircher zu meinem persönlichen Lebensberater.




























