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...und was den Jülichern auf den Nägeln brennt

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Aua | Illustration: Sophie Dohmen
Aua | Illustration: Sophie Dohmen
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Manchmal ist es ja einfach schön, wenn der Schmerz nachlässt… Das gilt, wenn man sich mit dem Hammer auf den Daumen haut, und auch wenn der Sonnenbrand hinterher die gewünschte Farbe des Sommers hinterlässt. Nun ist dieser Schmerz ja derzeit nicht so akut… Hat sozusagen „Sommerpause“.

Apropos „Brand“ und Sommerpause… Vor den großen Ferien des Stadtrates gab es so einiges, was den Jülichern auf den Nägeln brannte, heiß diskutiert wurde und auch so manches „Weh-Gefühl“ hinterließ. Dabei ist das Schmerzempfinden bei den Menschen ja durchaus sehr unterschiedlich.

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„Sag doch mal Steuererhöhung…“ Der Haushalt der Stadt Jülich wurde in der letzten Sitzung des Rates mit fast neun Millionen Euro Miesen verabschiedet. „Die Stadt“, das sind natürlich alle Jülicher, und damit tragen sie auch an den Schulden mit. Reichlich Diskussionen gab es darum, welchen Beitrag der Einzelne hierzu leisten soll. Phantomschmerzen gab es bereits im Vorfeld, als es darum ging, dass Hausbesitzer künftig tiefer in die Tasche greifen sollten – dagegen Gewerbetreibende nicht mehr belastet werden sollten. Da wurde mal schnell mit dem Finger auf „die“ gezeigt, nicht beachtend, dass „die“ genauso Besitzer von Gebäuden sind, und es um eine Mehrbelastung von rund 11 Cent pro Tag im Jahr gehen sollte – oder rund 40 Euro als Ganzes. Trotzdem: Sozial gerecht ist, wenn alle gleichmäßig mehr zahlen müssen, befanden Stadträte, und so ist es jetzt auch gekommen. „Weh-Mut“ bleibt vermutlich beim Bürgermeister, der gerne ein Signal für ansiedlungswillige Gewerbetreibende gesetzt hätte.

Nicht abschrecken lässt sich durch die Gewerbe-Steuererhöhung Visionär Max Lenzenhuber. Der Zugezogene ist begeistert und – so vermittelt er es – auch beseelt von seiner Idee einer Lokalität am Schwanenteich. 220 Menschen will der Neu-Gastronom pro Tag bewirten in Räumen, die er mit Architekt Scholl neu bauen will und deren Gestaltung der bulgarische Innenarchitekt Krasimir Kapitanov wohl zugesagt hat. „Mein lieber Schwan“, könnte man denken – und so soll denn auch die Lokalität getauft werden. Den Kopf des Ideengebers zerbrochen haben sich im Vorfeld der Ratsentscheidung manche Jülicher, über das Wie, Ob und Warum. Sogar ein „Denk-mal“-Schwanenteich wurde mehr oder weniger öffentlich diskutiert. Besonders schmerzlich empfinden manche Jülicher, dass damit wohl die „Trinkhalle“ architektonisch Geschichte sein wird. Seit über einem Jahrzehnt steht das kleine Gebäude, von den Jülichern liebevoll „kleiner Kaiserhof“ genannt, leer, und bislang sind alle Anläufe einer Neubelegung gescheitert.

In den Wehen liegt derzeit der Trägerverein für die Bürgerhalle in Kirchberg. Damit ist dieser Jülicher Stadtteil Vorreiter in der Lösungsinitiative zum Thema „Bürgerhallen“. Proteste hatte es gegeben, weil – haushaltsbedingt – alle ortseigenen Versammlungsstätten auf dem Prüfstand gelandet waren. Unterhaltskosten und Sanierungsbedarf, Nutzung und Bedeutung für die Dorfgemeinschaften sollten einander gegenübergestellt werden. Wo schmerzhafte Einschnitte folgen werden, steht noch in den Sternen. Unterstützungswillig sind die Stadträte bei Eigeninitiative der Menschen vor Ort, wie dem aktuellen Haushaltsbeschluss zu entnehmen ist.

Wie eine offene Wurzelbehandlung schmerzt außerdem einige Kirchberger die geplante Betriebserweiterung „Eichhorn“. Aus Sicht des Unternehmers sind hier schon Heilungsprozesse eingeleitet durch den Abriss der alten Gebäude an der Wymarstraße und die Renaturierung am Ortseingang. Der Anamnese durch die Gutachten zum Bauprojekt stehen die Vertreter der Bürgerinitiative allerdings eher kritisch gegenüber. Ob die Offenlegung nach den Sommerferien und mögliche Stellungnahmen letztlich zu einem schmerzarmen Eingriff führen werden, wird sich weisen.

Dass ab einem bestimmten Punkt das Schmerzempfinden nicht mehr zunehmen kann, das weiß bereits der Nachwuchs. Beim ersten Jülicher Science Slam widmeten sich in ausgesprochen launiger Weise David Hark und Felix Krumbach dem Thema mit der Formel „je mehr S, desto mehr Aua“. „S“ war hier das Symbol für Strom, nicht etwa für Schmerz, obwohl es in diesem Fall wohl synonym zu verwenden ist. Irgendwann allerdings, so die Erkenntnis, steigt „Aua“ auf der Ypsilon-Achse nicht mehr, egal wie viel „S“ auf der X-Achse einwirkt. Die Folgen dürften allgemein bekannt sein.

Einer tödlichen Bedrohung sind derzeit auch die Bienen im Jülicher Land ausgesetzt: Die immenspezifische amerikanische Faulbrut ist in Barmen ausgebrochen und bedroht ganze Bestände. Deren Vernichtung wird angeordnet, wenn die Seuche sich unaufhaltbar im Volk ausgebreitet hat. Das tut nicht nur den Imkern weh. Schließlich sorgen Bienen für ökologisches Gleichgewicht und dafür, dass wir eine Vielfalt an Obst essen können. Besonders bizarr: Der Verzehr von Honig ist weiterhin vollkommen unbedenklich, da die Erkrankung nicht auf den Menschen übertragbar ist, heißt es in der Mitteilung des Kreisveterinäramtes.

Ein tierisches Leiden haben derzeit auch Hundebesitzer: Sie dürfen ihre vierbeinigen Hausgenossen nicht mehr mit an den Barmener Baggersee nehmen. Ein Thema mit Sprengstoff. Denn die Gegner – die IG Barmener Driesch – führen die „Tretminen“ als Argument ins Feld, und dass inzwischen das Angebot ein wahrer Magnet für Hundebesitzer aus dem weiteren Umland geworden ist. Heinz Frey, einer der Akteure der IG Barmener Driesch, hatte vor rund zehn Jahren mit der Bürgerinitiative „Baden im Barmener Baggersee“ die Einrichtung des eingezäunten Strandbereichs vorangetrieben, die jetzt wieder rückgängig gemacht worden ist.

Bei aller Aktualität ist das Thema trotzdem nicht aktuell. Schließlich kann Strandleben beim derzeitigen Wetter kaum im Fokus der Freizeitgestaltung stehen. Das dürfte auch den Freibad-Betreibern einige Bauchschmerzen bereiten. Bereits zur Eröffnung kletterte das Thermometer nur auf schattige 16 Grad. Die Bilanz dürfte kränkeln – und das in der Ferienzeit. Ein Klagelied anstimmen wird hierzu sicher auch der Brückenkopf-Park. Schließlich „versaut“ ein verregneter Sommer die Statistik. Was aber, wenn es wider Erwarten auf einmal heiß wird? Dann wird auch gestöhnt und geklagt über Sonnenstich und Hitzepöckchen, Schlafmangel und Kreislaufstörungen.

Aber da gibt es ja im Idealfall Spray und Salbe, Tabletten und Tropfen gegen. Wenn… ja wenn sie zur Hand sind und man nicht erst in die Apotheke fahren muss. Ereilt einen das Schicksal am Wochenende, hat man länger vom Leid. Denn für den Notdienst muss der Sommersonnengebeutelte auch schon mal kilometerweit ins Umland fahren – vorausgesetzt er ist mobil. Erstes Wochenende im August ist die nächste Apotheke in Inden oder Huchem-Stammeln, am zweiten Wochenende in Hilfarth oder Aldenhoven. To be continued… Idealerweise ereilen einen gesundheitliche Probleme am Sonntag, 21. August, dann hat die Post-Apotheke in Jülich Notdienst oder am Samstag, 27. August, wenn die Nord-Apotheke geöffnet hat.

Paracelsus hat allerdings im 15. Jahrhundert bereits gewusst: „Bier ist eine wahrhaft göttliche Medizin.“ Schließt sich der geneigte Leser dieser Meinung an, kann er sich seinen Gesundheitstrank spätestens Anfang September auf dem Schlossplatz zuführen. Dann ist die Bierbörse in Jülich ein ganzes Wochenende lang geöffnet. Das sollte man sich mal vorsichtig durch den Kopf gehen lassen.


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