Start Magazin Geschichte/n Und ist ein wonderkostlich Bau gewest

Und ist ein wonderkostlich Bau gewest

Herzog Wilhelm V. und die Architektur:

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Abbildung: Grundriss und Vogelschauansicht der Zitadelle Jülich aus dem Lehrbuch „Architectura von Vestungen“ von Daniel Specklin, das erstmals 1589 erschien, aus der zweiten Auflage von 1599, Museum Zitadelle Jülich.
Abbildung: Grundriss und Vogelschauansicht der Zitadelle Jülich aus dem Lehrbuch „Architectura von Vestungen“ von Daniel Specklin, das erstmals 1589 erschien, aus der zweiten Auflage von 1599, Museum Zitadelle Jülich.
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Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1547 ließ Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg die Stadt Jülich als ideale Stadt- und Festungsanlage wieder errichten. Die Zitadelle mit dem Residenzschloss, die Stadtbefestigung sowie das völlig neue Straßenraster entsprachen den damals aktuellen Vorstellungen von moderner Architektur. Wilhelm V. zeigte sich damit als Parteigänger der Habsburger, die just zu dieser Zeit ähnlich befestigte Stadtanlagen im Grenzbereich zu Frankreich errichten ließen.

Die Bauleitung hatte der italienische Architekt Alessandro Pasqualini (1493–1559) inne. Die Dombauhütte von St. Peter in Rom war ein Schmelztiegel baukünstlerischer Entwicklungen mit einer weiten Ausstrahlung. In diesem Umfeld dürfte Pasqualini seine Prägung erfahren haben. Mit dem Neubau der Residenzstadt Jülich erhielt er einen prestigeträchtigen Auftrag. Besonders das herzogliche Schloss in der Zitadelle zeigt die Nähe zur römischen Hochrenaissance. Die in Jülich erhaltene Renaissance-Architektur ist noch heute Zeugnis des hohen Anspruchs Herzog Wilhelms V., den er an die baukünstlerische Qualität und den repräsentativen Charakter seiner neuen Residenz stellte.

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Die sehr weitreichenden Planungen zum Ausbau Jülichs zur idealen Stadt-, Residenz- und Festungsanlage konnten nicht vollständig umgesetzt werden. Vor allem der Aufbau der innerstädtischen Bebauung nach dem verheerenden Stadtbrand zog sich über mehrere Jahrzehnte hin, ohne dass die Vorgaben Pasqualinis überall eingehalten wurden. Auch das herzogliche Schloss in der Zitadelle blieb unvollendet, nachdem Herzog Wilhelm V. sein Schloss in Düsseldorf seit den 1560er Jahren als bevorzugten Aufenthaltsort nutzte. Sporadisch ist der Hof aber immer wieder im Jülicher Schloss nachweisbar. Bürgermeister und Rat der Stadt Jülich beschwerten sich wiederholt beim Herzog über die Beeinträchtigungen infolge der Großbaustelle Zitadelle und Stadtbefestigung. Immerhin profitierten das lokale Handwerk und die Wirtschaft von der gleichbleibend hohen Nachfrage für den Schloss- und Festungsbau.

Als Bauherr ließ Wilhelm V. mit Stadt, Schloss und Festung Jülich bedeutende Architekturen errichten, die von den Zeitgenossen bewundert wurden. So beschreibt der Kölner Bürger Hermann Weinsberg das Jülicher Schloss 1560 als einen „wonderkostlichen Bau“. Möglicherweise verdankt Wilhelm V. seiner umfassenden Bautätigkeit in Jülich und anderenorts (Düsseldorf, Hambach, Kleve, Orsoy etc.) den erst seit dem 17. Jahrhundert nachweisbaren Beinamen „Der Reiche“.

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Guido von Büren
Eine echte Muttkrat und mit unbändiger Leidenschaft für Geschichte und Geschichten, Kurator mit Heiligem Geist, manchmal auch Wilhelm V., Referent, Rezensent, Herausgeber und Schriftleiter von Publikationen, Mitarbeiter des Museums Zitadelle und weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannter Historiker, deswegen auch Vorsitzender der renommierten Wartburg-Gesellschaft

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