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Veroonikaa!

Da ist ein Herr Lenz für Dich! Ich glaube, der hat Frühlingsgefühle…

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Illustration: Daniel Grasmeier
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Nun, der Jüngste ist der auch nicht mehr. Keiner weiß, wieviel Lenze er schon zählt – und doch, immer wieder freut man sich über sein Erscheinen. Naja, wer nur einmal im Jahr zu Besuch kommt und das meist nur kurz…

Damit die jüngeren Generationen (sofern sie überhaupt bis hier gelesen haben) jetzt nicht zum Smartphone grei- fen müssen um „Lenz“ zu googeln oder bei Facebook Herrn Lenz und seine Likes zu suchen : das ist ein Synonym (gleichbedeutendes, in diesem Fall älteres Wort) für Frühling. Aha, ach so, na denn. Eine – die erste ? – der vier Jahreszeiten, aber die kann man ja mittlerweile genauso schwer unterscheiden wie die 4-staggioni-Zutaten auf der Pizza. Soll das Grünliche den Frühling darstellen, das Braune den Herbst, und was ist dann das Gelbe da? Von Food-Symbolik (ein ebenso künstliches Wort, wie das, was wir mittlerweile Essen nennen) und Klimawandel (wenn der Regen wärmer wird und „Lenz“ auf dem Titel des Herzogs steht, muss Frühling sein) mal abgesehen – an wen kann man sich noch wenden um diesbezüglich klare Aussagen zu bekommen? Fernseh-Meteorologen? Besser nicht. Die eiern nicht nur zwischen kalendarisch und fachspezifisch willkürlich festgelegtem Datum (Frühlingsanfang am…) hin und her, sondern begeistern sich hauptsächlich an ihr Publikum hoffentlich kurzfristig für ihre Unkenntnisse einnehmenden Aussagen wie: „wärmster, nassester, überhaupt superlativster Tag seit Beginn der Aufzeichnung der Wetterdaten“. Als ob man nicht einfach aus dem Fenster sehen könnte : Scheißwetter – na, mach ́ ich eben das Beste draus…
Also befragen wir doch mal die, die auch nichts wis- sen, aber Ahnung und sogar Freude daran haben: die Dichter!

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Da lenzt es aber mächtig! Kein: Stau auf der A 4, kein: Scheiße, ich hab grade keinen Empfang – die empfangen und emp nden. Da kommt Freude auf, die kein Spaß ersetzen kann. Und das weit entfernt von derzeit gerne als tiefsinnig erfühlter Pseudo-Lyrik wie: „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß auch wie Wolken schmecken.“ Solange ich noch das Summen glyphosatverschonter Bienen höre, bleibe mir der Abgeschmack unnötiger Urlaubs iegerkondensstreifen erspart.

Ääh. Zurück zum Thema, zu dem mittlerweile leider auch solche Aspekte nicht mehr gänzlich verdrängt werden können sollten. Es sei denn, man möchte mittrumpen.

Und dem sei gesagt: wer nicht aus der Pubertät raus- kommt, wird keinen zweiten Frühling erleben. Da kann er twittern, wie er will – der hört noch nicht mal seinen eigenen Vogel zwitschern.
Ja, verlenzt nochmal! Wann kommt denn…? Jetzt. Eduard Mörike:

Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte. Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll durchs Land. Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch! Von fern ein leiser Klingelton! Frühling, ja du bist ́s !
Dich hab` ich vernommen!

Hmm. Ja. Sehr schön. Herrlich unzeitgemäß. Da hilft auch nicht, dass ich Harfen- durch Klingelton ersetzt habe. Nächster bitte: Georg Trakl.

Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld ießt, zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr. Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar, vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.

Na, da kommen wir den Tatsachen schon näher, da werden Eduards wohlbekannte Düfte immerhin klar benannt. Doch irgendwie waren so die Dichter, was den Frühling betrifft, auch nie das, was die heutigen nicht sind. Sie haben es nur schöner gesagt und besser in Worte und Reime gefasst.

Und nun, desillusioniert und trotzdem nicht hoffnungslos, was tun? Ein frühmorgendlicher Spaziergang zur und an der Rur (wie!? nicht hinfahren?!) könnte hel- fen. Das kostet außer kurzfristiger Überwindung keinen Beitrag ( Fitnessstudio kostet beides) und was in der Na- tur trotz allem noch knospt und zwitschert ist 3D und HD und so man will und kann erlebtes Leben. Auf allen Kanälen, derer wir selbst sieben haben – man nennt sie immer noch Sinne. Und dann wird einiges – zumindest dieser Moment – auch wieder sinnvoll. Selbstbestimmt und entspannt. Und der Lenz ist da. Egal ob er Günther oder sie Nadine heißt. Und der Stress geht wieder los.

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