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Weltwärts

oder das Geheimnis der Lebensfreude

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Straße in Ecuador | Foto: Louis Lafos
Straße in Ecuador | Foto: Louis Lafos
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Seit dem 9. August 2017 lebe ich in Ecuador. Hier bin ich ein Teil des deutschen Freiwilligenprogramms zur Entwicklungszusammenarbeit „weltwärts“. Seit November 2017 unterrichte ich dazu Englisch in mehreren Grundschulen und teilweise auch in einer weiterführenden Schule.

„Weltwärts“ ist ein Programm für jeden! Hier zählt es nicht, wie erfolgreich deine Schullaufbahn oder ähnliches ist. Was zählt, sind soziale Kompetenzen, dein soziales Profil. Wer du bist, was du machst, und vor allem, ob du den Willen hast, durch Aufopferung und direkten Einsatz etwas zu erreichen, das vor Ort hilft. Den „weltwärts“ Freiwilligendienst kannst du über mehrere deutsche Organisationen machen, und da dieses Freiwilligenprogramm stipendial von Staat unterstützt wird, übernimmt das Bundesministerium 75% der Kosten.

Ich bin nun bereits 7 Monate in Ecuador und habe schon einiges
gefunden, bei dem ich weiß,
das werde ich mein Leben lang
mit mir mitnehmen. Erfahrungen, die mir niemand nehmen kann
und die mich als Mensch formen und geformt haben.

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Ein grundlegender Teil meines Projektes hier in Ecuador ist das Gestalten eines eigenen individuellen Projektes. Meine Idee dazu war es, eine Art Bücherei nach dem Prinzip einer Schulbibliothek in meiner Schule einzurichten. Ich habe, was das angeht, sogar schon einiges erreicht. Im Dezember habe ich einen Kontakt zum ecuadorianischen Bildungsministerium und einem von diesem geführten Kulturzentrum aufgebaut und meine Idee des Projektes vorgestellt. Dieses Kulturzentrum hat mich und mein Projekt schließlich mit 150 Büchern unterstützt. Es nimmt Form an. Für die Verwirklichung meines Projektes habe ich auch Spendengelder von unserem Jülicher Pfadfinderstamm zur Verfügung gestellt bekommen. Diese sind eine riesige Hilfe!

Am 1. Dezember 2017 hatten wir mit allen weltwärts Freiwilligen, welche sich zurzeit in Ecuador befinden, ein Treffen. Den „Weltwärtstag“. Das Ziel war es, sich näher mit anderen Freiwilligen austauschen zu können und noch mehr über die unseren Alltag prägende Kultur zu erfahren.

Kinder in Ecuador | Foto: Louis Lafos
Kinder in Ecuador | Foto: Louis Lafos

Ecuador ist nicht so, wie man es sich vorstellen würde. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe es mir ziemlich ländlich und arm vorgestellt, mehr oder weniger unerschlossen. Aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Ecuador ist ziemlich westlich geprägt mit starkem Einfluss aus den USA. Zu allem Überfluss ist die Landeswährung der US Dollar. Somit ist alles relativ teuer, die Importsteuer ist ziemlich hoch. Das führt dazu, dass alles, was hier nicht produziert wird, ziemlich teuer ist! Gerade Ecuadors Hauptstadt Quito ist unglaublich westlich. Hier gibt es jegliche Fastfood Kette, riesige Malls mit Ketten wie Zara, Bershka und Pull and Bear.

Aber daneben gibt es extrem ländliche Gegenden so wie die Gegend, in der ich lebe, wo du weit und breit keinen Supermarkt oder ähnliches findest. Dafür aber alle Lebensmittel, die du brauchst, aus erster Hand bekommst. Direkt vom Produzenten. Frischer als frisch!

Nun ja, das ist Ecuador, so wie ich es kenne und so wie ich es sehe. Das ist mein Ecuador.

Der Weltwärtstag war durch mehrere Workshops geprägt, die uns Ecuador als Ganzes näherbringen sollten. Der Beginn war für 9 Uhr angesetzt, aber wurde nach hinten verlegt, da sich einige verspäteten. Das ewige Problem des Verkehrs in Quito. Statt fanden diese Workshops in der Residenz des deutschen Botschafters. Ein ziemlich großes Ding für alle Beteiligten. Die rund 100 Teilnehmer stammten von unterschiedlichen Organisationen aus Ecuador, hatten dennoch alle den Bezug zu „weltwärts“ gemeinsam. Die Workshops standen unter jeglichen Themen. Ecuatorianismos Regionales, ein Workshop, der vom generellen Regiolekt handelt. Das Spanisch in Ecuador ist geprägt von Begriffen aus Kichwa, einer andinen Sprache, bereits von den Inkas in abgewandelter Form genutzt. Untern anderen waren noch Workshops wie eine klassische „Health and Safety“ Einweisung oder „Cosmovisión Andina y Quichua“, weitere kulturelle und spirituelle Themen zu Ecuador, dabei.

Hier wird noch von Hand geschlachtet | Foto: Louis Lafos
Hier wird noch von Hand geschlachtet | Foto: Louis Lafos

Eine der bekanntesten Salsa Schulen Ecuadors brachte uns einige Tanzschritte bei, und eine anerkannte Kochschule bereitete mit uns „Quimbolitos“ zu. Ein traditionelles Gebäck in Ecuador! Und das alles auch noch in der Residenz des deutschen Botschafters. Es ist schon ne coole Sache zu erzählen, wo man tatsächlich Salsa gelernt hat. Auch wenn nicht wirklich viel von den Tanzschritten hängengeblieben ist.

Der Tag war mit all den Workshops und Kontakten, die man knüpfen konnte, eine wirkliche Bereicherung.

Das Reisen in Ecuador ist auch ein interessantes Thema, das man ansprechen sollte. Als Freiwilliger reist du nicht wie ein Backpacker von Land zu Land. Du bleibst in einem Land und kriegst einen tiefergehenden Eindruck von diesem und seiner Kultur mit. Dennoch habe ich auch die Zeit, etwas rumzureisen. Ecuador ist zum Reisen super geeignet, das wichtigste Mittel dazu sind Busse. Es gibt zahlreiche Busverbindungen, mit denen man in die abgelegensten Winkel kommt, und davon gibt es einige. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Klimazonen. Zum einen gibt es die Sierra, das Andengebirge. Mit Quito, der höchstgelegensten Hauptstadt der Welt, auf 2850 m eingekreist von zahlreichen Vulkanen bis zu über 6000 m. Knapp 3 Stunden Autofahrt in den Osten befindest du dich mitten im Amazonas Regenwald und 3 Stunden in den Westen an der wunderschönen Pazifikküste. Nach nur einem 2 1/5 stündigen Flug bist du auf den Galapagos Inseln mit einzigartiger Natur, die du nirgendwo anders finden kannst. Ecuador hat unglaublich viel zu bieten!

Straßenhunde an allen Ecken | Foto:Louis Lafos
Straßenhunde an allen Ecken | Foto:Louis Lafos

Du kannst wortwörtlich im Regenwald traditionelle Gerichte frühstücken, auf über 3000 m ein Seco de Chivo zu Mittag haben und zum Abendessen eine Ceviche de cameron an der Pazifikküste bestellen. Und das alles an einem Tag. Ich glaube nicht, dass es so viele Orte gibt, an denen man so viele unterschiedliche Klimazonen und Ökosysteme auf einem so kleinem Raum hat.

Ecuador begeistert mich jeden Tag aufs Neue. Egal, wo ich hingehe und was ich für den Tag geplant habe, es kommt immer anders. Die Menschen sind viel spontaner und viel weniger mit dem Planen von irgendwelchen Sachen beschäftigt. Natürlich musste ich mich auch erst daran gewöhnen, wie spontan und in gewisser Weise auch unzuverlässig alles ist. Aber genau das entschleunigt das eigene Verhalten auch selber.

Ich habe es lieben gelernt, nicht zu wissen, was der Tag bringt und wie er endet, geschweige denn zu wissen, wie der nächste anfängt!

Foto: Louis Lafos
Foto: Louis Lafos

Es trifft nicht genau unsere Vorstellungen von Effizienz und alles am einfachsten zu gestalten. Für das Klischee eines pünktlichen Deutschen, der immer alles durchgeplant hat und im Notfall auch noch Plan B und C bereitstehen hat, ist es der Horror. Aber ich glaube, genau dieses Spontane und Unwissende ist der Grund für die Lebensfreude der Menschen hier. Das ist das Geheimnis!

Meine eigene Lebensfreude habe ich hier auch aufs Neue gefunden! Das berühmte über den eigenen Tellerrand zu schauen hat mich dazu gebracht, aus Kleinigkeiten mehr rauszuholen. Mich über Simples zu freuen und das Allgemeine zu betrachten, ohne den Hang zu den wichtigen Themen zu verlieren.

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