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Der Internationale Club Jülich

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Stadtentdeckung mit dem internationalen Club. Foto: privat
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„Tu doch ´was!“ wäre mein Aufruf an jedes der etwa 130 Mitglieder des Internationalen Clubs Jülich gewesen. Immerhin wurde er gerade 50 Jahre jung, ein Grund zu feiern – eigentlich. Die Auflösung ist beschlossene Sache. Der Brief liegt schon beim Notar. Der Club ist wohl schon Geschichte. Was war denn eigentlich los?

Der Internationale Club hatte sozusagen ein eigenes „Wohnzimmer“ im Gästehaus der „KFA“, hätte ich fast gesagt, aber der Club ist ganz klar ein KFA-Kind, so wie ich auch. Eine Vielzahl der ersten „KFAler“ liegt schon auf dem Friedhof. Die Aktiven im Internationalen Club sind so um die 70 bis 80 Jahre alt und somit nicht mehr so ganz in Stimmung oder in der Lage Bäume auszureißen. Tatsache ist, dass der „Wohnzimmer“-Treffpunkt, der Jahrzehnte lang großzügig vom Forschungszentrum gewährt wurde, entfällt. Eine Art Hotelbetrieb mit Restauration soll dort entstehen? Jedenfalls hat der Club all seine Habseligkeiten von Ratgebern und sonstigen Büchern über Backförmchen bis hin zu Bastelmaterial für Kinder der aus- und inländischen Gäste ausräumen müssen.

Gut, Du bist neu hier und fragst, was war das denn überhaupt für ein Club? Club, das Wort könnte leicht falsche Assoziationen wecken. Es ist so ähnlich wie mit dem Wort Casino im Forschungszentrum. Da stehen höchstens Spül-, aber keine Spieltische, obwohl das Aufladen der Essensguthaben schon auch mal etwas mit Glückspiel zu tun hat. Cosmos Club, Washington D.C., meine Frau war zu einem Vortrag eingeladen, ich als Anhängsel dabei, an der Wand eine Briefmarkensammlung unter Glas. „And here are our members on stamps.“ Nein, der Internationale Club Jülich war nicht exklusiv, obwohl er namhafte Professoren und eine Nobelpreisträger-Gattin zu seinen Mitgliedern zählte. Der ICJ hat sich das Einbeziehen und das sich kümmern um andere auf die Fahnen geschrieben. Das Aufeinander-Zugehen, die Integration und Inklusion standen im Vordergrund. Dem Internationalen Club Jülich lag die höchst menschliche Idee zugrunde, andere zu unterstützen. In der Satzung sind die Aufgaben zu lesen: Es gilt, „den Kontakt der in- und ausländischen Mitglieder untereinander, zur Jülicher Bevölkerung sowie zu in- und ausländischen Organisationen gleicher Art zu pflegen und das Einleben der Ausländer, die in Jülich tätig sind, zu fördern. Zu diesem Zweck führt der Club insbesondere Veranstaltungen informativer, kultureller und gesellschaftlicher Art durch. Seine Tätigkeit soll dem Gedanken der Toleranz und Völkerverständigung dienen.“

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Deutschland hat keine Rohstoffe, von der „verheizten Heimat“ ‚mal abgesehen. Deutschland muss sich schon seit Jahren auf den einzig verbleibenden Exportartikel konzentrieren: Hightech. Beim Eintreten in das Hörsaal-Foyer des Forschungszentrums wurde der Blick lange Jahre direkt auf eine etwa zehn Quadratmeter große Weltkarte gelenkt, übersäht mit Zeichen und Fähnchen. Jedes Symbol stand für eine Kooperation zum Wohle der Menschheit und ganz im Sinne von „Zukunft ist unsere Aufgabe“. Die Gastfreundschaft und das Herbeilocken von Menschen aus der ganzen Welt gehören unter anderem auch zur Überlebensstrategie auf dem Weltmarkt.

Internationaler Club konnte auch Karneval. Foto: privat

Ähnlich verhält es sich mit der Fachhochschule. Jülich hat den blechernen Hinweis am Ortseingang, „Unsere Gemeinde ist bunt“ nie nötig gehabt. Das war eine Selbstverständlichkeit und der Internationale Club Jülich hat wesentlich dazu beigetragen.

Wie geht es weiter. Nach dem Frust gibt es niemanden mehr für die Vorstandsämter. Krankheit, Pflege von Angehörigen, Aufgaben mit Kindern und Enkeln, die Überschaubarkeit der eigenen Lebenserwartung, alles sehr nachvollziehbar und verständlich. „Nee, Peer, Du nicht. Nicht das auch noch“ so der Bürgermeister. In Bezug auf die „vergeigte“ Heimat für die regelmäßigen Treffen des Clubs hat er die leerstehenden Ladenlokale Jülichs angesprochen. Die 4000 Euro aufwärts im Jahr könnten ja Sponsoren übernehmen. Um die Jahresmiete eines Ladenlokals zu bezahlen bräuchte es jedoch zehn wohltätige Geber.

Der Internationale Club Jülich hat vielen Menschen in Not geholfen. „Was mache ich mit meinem kranken Kind, wie gehe ich mit dem und dem Formular der Soundso Behörde um. Kann mir jemand erklären, was das heißt in der Übersetzung? Wo gibt es Lebensmittel zu kaufen, die ich aus meiner Heimat gewohnt bin? Wer mag mir die hiesigen Koch- und Lebensweisen etwas näherbringen? Wie und wo bekomme ich Damenbinden und wie heißen die auf Deutsch?“ Da ist der ins Ohr geflüsterte Tipp vielleicht angenehmer als die offizielle Antwort eines Eight-to-five- FZJ-Beauftragten. Ich persönlich trauere um den Internationalen Club Jülich, der mir seit meiner Kindheit vertraut und ein Begriff ist. Ein Verlust für Jülich. Aber ich verstehe auch, dass sich die Zeiten geändert haben. Wie geht´s denn weiter? Die ehemaligen Mitglieder werden sich weiterhin in einem bekannten Jülicher Kaffee treffen. Die betreuenden Aufgaben, die bisher der ICJ geleistet hat, verspricht das FZJ, im Rahmen der Verwaltung zu übernehmen.

Machen wir uns nichts vor. Die ausländischen Studenten und -innen der FH sind nicht integriert. Noch nicht einmal die deutschen Studierenden waren jemals in der Zitadelle, oder im KuBa-Kino. Diplomanden und Doktoranden des FZJ haben ihren Mittags-Stammtisch und treffen sich im Doktoranden-Kaffee der Zentralbibliothek. Wenn Du in London in die U-Bahn steigst, wirst Du aufgefordert: „Mind the Gap!“ Pass auf, da ist eine Lücke zwischen Bahn und Bahnsteig. Es gibt in Jülich den sprichwörtlichen Generation Gap unter den ausländischen Gästen in Jülich. Die Alten und die Jungen kommen nicht zusammen. Wir könnten ja mal einen Club gründen und ihm den Namen geben: „Internationaler Club Jülich“.

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Peer Kling
Peer Kling, typisches "KFA-Kind", nicht aus der Retorte, aber in der zweiten Volksschulklasse nach Jülich zugezogen, weil der Vater die Stelle als der erste Öffentlichkeitsarbeiter "auf dem Atom" bekam. Peer interessiert sich für fast alles, insbesondere für Kunst, Kino, Katzen, Küche, Komik, Chemie, Chor und Theater. Jährlich eine kleine Urlaubsreise mit M & M, mit Motorrad und Martin.

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1 KOMMENTAR

  1. Indeed, although changes do of course happen, it is sad that ICJ cannot continue to provide an informative and secure social spot for visitors. Julie and I are among many whose life in an unfamiliar place was so much the better from time with ICJ

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