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Wirtschaft erholt sich und setzt auf 2021

Nach dem deutlichen Einbruch der Konjunktur durch die Corona-Pandemie mehren sich die Anzeichen für eine deutliche Erholung der wirtschaftlichen Lage in der Region Aachen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, an der sich mehr als 380 Unternehmen mit insgesamt 33.800 Beschäftigten beteiligt haben. Besonders betroffen sind allerdings weiterhin Industriebetriebe. Ihre Auslastung sank nochmals geringfügig. In den anderen Sektoren berichten die Befragten hingegen überwiegend von guten Geschäften.

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Die IHK legt das Konjunkturbarometer Rheinland an. Foto: pixabay
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„Trotz der Stabilisierung rechnet ein Großteil der Unternehmer in diesem Jahr mit einem deutlichen Umsatzrückgang von durchschnittlich rund 17 Prozent“, sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Entsprechend haben sich auch deren Erträge negativ entwickelt. Aber: „Liquiditätsengpässe sind nach wie vor die Ausnahme. Mehr als jeder zweite Befragte gibt an, dass die Krise bislang keine Auswirkungen auf die finanzielle Lage des Unternehmens hat.“

Die Geschäftslage der Betriebe im Kreis Düren hat sich seit dem Frühjahr kaum verändert. 26 Prozent der Betriebe berichten von guten Geschäften, bei 28 Prozent sind sie schlecht. Gut laufen die Geschäfte vor allem im Baugewerbe (Saldo: +81) und im Einzelhandel (Saldo: +50). Die Erwartungen haben sich spürbar verbessert. 41 Prozent der Befragten rechnen damit, dass sich ihre Situation positiv entwickelt, 21 Prozent sind pessimistisch. Am besten sind die Aussichten in der Industrie (Saldo: +34) und im Einzelhandel (Saldo: +17).

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Die überwiegende Zahl der Unternehmer geht von einer Belebung der Konjunktur in den kommenden Monaten aus und setzt auf eine Verbesserung ihrer Lage im neuen Jahr. „Zwei Drittel rechnen mit einer Rückkehr zur geschäftlichen Normalität bis spätestens Ende 2021 – ein weiteres Viertel erwartet das schon in diesem Jahr“, führt Bayer aus.

Rund jeder dritte Befragte rechnet mit einem Anstieg der Nachfrage bereits in den nächsten Monaten, jedes fünfte Unternehmen ist noch skeptisch. Vor allem in der Industrie haben sich die kurzfristigen Erwartungen deutlich verbessert, auch wegen besserer Exportaussichten. Zugleich steigt die Investitionsbereitschaft wieder, während die Unternehmer bei der Personalplanung noch zurückhaltend sind.

Die Arbeitslosenquote stieg in der Region Aachen binnen eines Jahres um 1,3 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. In NRW liegt sie bei 8,2 Prozent, in Deutschland bei 6,4 Prozent. „Das Instrument der Kurzarbeit wird vor allem noch in der Industrie, aber auch von Dienstleistern genutzt. Im Vergleich zum Frühjahr haben die Zahlen zur Kurzarbeit aber eine klar rückläufige Tendenz“, erklärt Bayer.

Als größte Risiken für die Konjunktur sehen die Unternehmer weiterhin den Rückgang der Inlands- und Auslandsnachfrage sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Folge der Corona-Pandemie. Trotz der negativen Entwicklung am Arbeitsmarkt und des hohen Anteils an Kurzarbeit hat der Fachkräftemangel wieder an Bedeutung gewonnen. Vier von zehn Befragten geben an, dass sie aktuell offene Stellen längerfristig nicht besetzen können.

Geschäftslage und Erwartungen der Unternehmer im Detail

Industrieunternehmer bewerten ihre aktuelle Situation deutlich schlechter als die Befragten in anderen Wirtschaftssektoren: Vier von zehn beurteilen die Lage negativ, nur jeder sechste ist zufrieden. Zeitgleich sind bei sieben von zehn Betrieben die Umsätze in den zurückliegenden Monaten im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Lediglich jeder achte Befragte berichtet von einer positiven Umsatzentwicklung. Die Auslastung der Produktionskapazitäten sank geringfügig auf 73 Prozent. Sie liegt damit weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 80,9 Prozent.

Die Situation der Dienstleister hat sich seit dem Frühjahr deutlich verbessert. Ein Drittel der Befragten berichtet von guten Geschäften, ein Fünftel ist unzufrieden. Rund die Hälfte der Unternehmer gibt an, dass die Umsätze in den vergangenen Monaten in Folge der Corona-Pandemie im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Bei jedem fünften Befragten sind sie gestiegen.

Der Handel hat die Folgen des Lockdowns weitgehend überstanden. Die überwiegende Zahl der Unternehmer bezeichnet ihre gegenwärtige Lage als gut. Jeder dritte Befragte ist zufrieden, nur jeder zehnte bewertet die Lage negativ. Großhändler bewerten die Situation zurückhaltender, aber dennoch positiv. Eine Viertel der Unternehmer meldet gute Geschäfte, jeder siebte ist unzufrieden. Die überwiegende Zahl der Einzelhändler ist mit der aktuellen Situation zufrieden: Sechs von zehn berichten von guten Geschäften, nur jeder elfte ist unzufrieden.

Das Baugewerbe ist vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Mehr als die Hälfte der Unternehmer ist mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, nur 6 Prozent melden schlechte Geschäfte.

Die weltweiten Schutz- und Hygienemaßnahmen haben das Auslandsgeschäft in den vergangenen Monaten stark belastet. Bei sieben von zehn Industriebetrieben haben sich die Exportumsätze in den zurückliegenden Monaten verringert, bei knapp jedem zehnten sind die Umsätze gestiegen. Auch die Auftragseingänge aus dem Ausland haben bei der Mehrheit der Befragten eine rückläufige Tendenz. Dennoch geht die überwiegende Zahl der Unternehmer davon aus, dass sich die Exporte in den kommenden Monaten positiv entwickeln werden. Ein Viertel der Industriebetriebe rechnet mit einem Anstieg der Auslandsnachfrage, ein Fünftel erwartet rückläufige Zahlen.

Die leichte Belebung der Konjunktur hat noch nicht zu einer Verbesserung der Ertragslage geführt. Bei der Hälfte der Betriebe sind die Erträge in den zurückliegenden Monaten gesunken, nur jeder sechste Unternehmer berichtet von einem Anstieg.

Um die massiven Auswirkungen der Pandemie zu kompensieren, sparen die Befragten weiterhin bei den Investitionen. Allerdings kalkulieren sie künftige Investitionen nicht mehr so zurückhaltend wie noch im Frühjahr. Nur noch ein Viertel der Unternehmer will weniger investieren, ein Fünftel plant, die Investitionsausgaben zu erhöhen.

Der Arbeitsmarkt profitiert noch nicht von der leicht verbesserten konjunkturellen Lage und den gestiegenen Erwartungen. Ein Viertel der Unternehmer rechnet mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigung, jeder sechste Befragte rechnet mit einem Personalaufbau. 38 Prozent der Betriebe haben gegenwärtig Kurzarbeit angemeldet, weitere 5 Prozent planen eine Anzeige in den kommenden Monaten.

Bei der aktuellen Konjunkturumfrage hat die IHK Aachen mit den Vereinigten Industrieverbänden von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung e.V. (VIV) kooperiert und Unternehmer gemeinsam befragt. Der Konjunkturbericht ist auf der Internetseite der IHK Aachen unter www.aachen.ihk.de/konjunkturbericht zu finden.


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