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Bitte

Was ich noch sagen wollte...

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Kolumne | Foto: HZG
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Manchmal ist das ja so eine Sache mit Bitte und bitte. Also mit der Bitte um etwas und/oder an jemanden, die ohne das Wörtchen „bitte“ in den wenigstens Fällen als solche zu identifizieren und zu erfüllen ist. Manchmal aber doch. Das hängt letztlich immer von Sender und Empfänger ab. Wenn also  jemand auch ohne das Wörtchen „bitte“ ein Anliegen oder einen Wunsch äußert („Ich könnt` jetzt einen Kaffee brauchen!“), ist das in den Ohren von Empfängern, die unter vorauseilendem Hilfsgehorsam leiden, einfach eine nur noch nicht laut gewordene stille Bitte und der Finger quasi schon am Kaffeemaschinenknopf. Das andere Extrem ist das eindringliche, inständige Bitten („Ich möchte bitte noch nicht nach Hause!“/„Ich möchte bitte sofort nach Hause!“/„Ich möchte das bitte, bitte nicht!“/„Ich möchte das bitte, bitte doch!“). Wenn hier heißes Verlangen auf taube Ohren stößt, nervt die offensichtliche Erfolgslosigkeit des Bittens unter Umständen nicht nur Sender und Empfänger, wie jede(r) bestätigen kann, der schon einmal abendliche Kämpfe auf dem Kinderspielplatz miterleben durfte. Als ich meinen Junior einst nach einem „Wir gehen jetzt nach Hause!“/„Ich möchte bitte noch spielen!“-Gerangel einmal ernsthaft fragte, was er sich von diesem Theater verspreche, erläuterte er mir mit ebenso ernstem Blick: „Ich muss nur oft genug bitte-bitte sagen, dann wird aus Deinem Nein meistens ein Ja.“ Dies sollte nicht nur für einige Zeit das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich habe umstimmen lassen, sondern auch eine Lektion fürs Leben. Für beide. Überhaupt ist das mit dem richtigen Bitten gar nicht so einfach. Wenn ich jemanden um etwas bitte, ist es etwas, das er meiner Einschätzung nach durchaus könnte, ohne meine Bitte aber wahrscheinlich gerade nicht tun würde. Sonst würde er es ja tun und ich nicht drum bitten müssen. Um Blumen zu bitten ist vielleicht möglich, aber unsinnig. Um Verzeihung zu bitten ist dagegen niemals unsinnig, aber manchmal nicht möglich. Manch einer bittet gern für andere, aber nicht für sich selbst. Wer Abbitte leistet, tut das ausschließlich für sich selbst. Und zum Bittsteller wird man meist sitzend ganz automatisch mit Betätigung der Rückrufbittentaste am Telefonapparat. Oder auch in der Kirchenbank. Der Wortherkunft nach hat bitten nämlich auch etwas mit gebeugten Knien zu tun, also krümmen, beugen, plagen, drücken, drängen, zwängen. Beten, Betteln und Bitten sind zumindest in der deutschen Sprache verwandt. Das englische „Please“ ist bei mir unvermeidlich verknüpft mit der Erinnerung an eine unerbittlich geführte Debatte mitten in den 80ern mitten in Mecklenburg-Vorpommern. Ohne Zugriff auf die Bravo samt ausgedruckter Liedtexte oder Plattencover rein auf das Hören beim Feindsender angewiesen, (be)kriegen sich zwei beste Freundinnen in die Vokuhila-Haare, wann immer Sting von „The Police“ sich mitten im Song „Every Breath You Take“ die Seele aus dem Hals plärrt mit nur einem Wort: „Please!“. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer von uns beiden stattdessen immer „Peace!“ hörte und jede von uns die andere anbettelte, ihr doch zu glauben. Doch letztlich eröffnete uns die Kombination aus unserem im Duett geschmetterten „Pleace!“/„Peace!“ die größte Bitte, das größte Gebet, der sehnlichste Wunsch, den ein jeder Mensch äußern kann: der um den Frieden in unserer kleinen und der ganzen großen Welt…   

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