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Reform

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Was ich noch sagen wollte…

Manchmal ist das ja so eine Sache mit der Reform. Also mit der, die was nach vorne bringt und der, die was zurück bringt. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal besteht das Wort Reform aus dem lateinischen „re“ für zurück und „formare“ für bilden oder gestalten, zusammengesetzt ließe sich das also am ehesten mit `Wiederherstellung´ übersetzen. Wobei das den Kern nicht unbedingt trifft, denn eine Reform bezeichnet nämlich nicht die bloße Rückformung in den Grundzustand, sondern per Definition „die sukzessive, planmäßige und gewaltlose Umgestaltung und Verbesserung bestehender Verhältnisse, meist ohne sie grundsätzlich in Frage zu stellen oder umzustürzen“.

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Ist also das kürzlich notwendig gewordene Zurücksetzen meines Mobiltelefone auf die Werkseinstellungen nicht nur eine „Wiederherstellung“ des Auslieferungszustandes, sondern auch eine Reform? Es wurde schließlich planmäßig und gewaltlos eine Umgestaltung bestehender Verhältnisse herbeigeführt, ohne diese grundsätzlich umzustürzen. Und ist nicht jede Diät irgendwie auch eine Reform, da ja mit mehr oder weniger Erfolg versucht wird, zur alten Form zurückzukehren, was zumindest meistens eine Verbesserung des Allgemeinzustandes, also bestehender Verhältnisse zur Folge hat? Wahrscheinlich nicht, denn es fehlt das Verbesserte gegenüber dem Ursprungszustand. So wie ein Reset keine Modellklasse erhöht, macht eine Diät auch keinen besseren Menschen. Das Wort entstammt tatsächlich dem Wortschatz der Kirchen, Klöster und Ordensgemeinschaften, die damit eine stete Erneuerung der festgefahrenen Form bezüglich des Einhaltens von Regeln bezeichneten – zurück in ihre ursprünglichen Gestalt. Martin Luther, der Reformator aller Reformatoren, hat vor 500 Jahren schließlich keinesfalls die Kirche neu erfunden, sondern tatsächlich die Grundidee erneuert, umgestaltet und verbessert.

Und so hat sich und wurde im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte so einiges reformiert, was neu, anders und besser werden sollte. Währungen wurden beispielsweise in den letzen hundert Jahren gleich mehrfach reformiert. Die Rechtschreibung wurde nach einer ganz großen Reformation immer mal wieder kleiner re-reformiert. Arbeitsmarktreformen wurde als Agenden durchnummeriert. Die Bodenreform brachte ebenso Fluch und Segen wie die Reformen in Sachen Bildung, Gesundheit oder der Renten. Selbst das Leben wurde Mitte des 19. Jahrhunderts reformiert. Als Folge der so genannten Lebensreform – dem Oberbegriff für verschiedene Bewegungen, die Industrialisierung und Materialismus kritisierten und nach dem Naturzustand strebten – entstanden die ersten Reformhäuser. Dicht an dicht stehen sogar „Reformhäuser“ in einem Stadtteil von Magdeburg und in gleich fünf US-Bundesstaaten, die allesamt „Reform“ auf dem Ortsschild stehen haben.

Und schließlich wurde vor rund 100 Jahren in Österreich ein Motordreirad unter dem Markennamen „Reform“ gebaut. Die Besonderheit war, dass es laut Hersteller für Damen konzipiert war: der Motor war oberhalb des Vorderrades montiert und trieb dieses über Riemen an. Gut, es mag sein, dass es den Ursprungzustand erneuerte und umgestaltete. Wieso es diesen jedoch speziell für den Gebrauch durch Damen verbesserte, erschließt sich mir nicht – vielleicht war es eher die Stabilisierung durch drei Räder als die Positionierung des Antriebs. Dass heute unter dem Namen Reform Bagger, Rasenmäher, Schneefräser und anderes Männerspielzeug herstellt werden, ist wohl dann das Ergebnis einer Reform der Reform der Reform…

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