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Wonne – Was ich noch sagen wollte…

Manchmal ist das ja so eine Sache mit der Wonne

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©HZG
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Also mit der in einem drin und der um einen drumherum. Wonne ist die große Schwester der Freude und laut Duden ein Zustand, in dem man großes Wohlbehagen empfindet. Zwischenzeitlich ausgemustert, erlebte das Wort – das dem mittelhochdeutschen wünne/wunne sowie dem althochdeutschen wunn(i)a entstammt und Genuss und Freude meint – dann doch noch eine Wiederbelebung seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Eingesetzt wurde und wird es laut Enzyklopädie „besonders im poetischen Sprachgebrauch der empfindsamen Literatur, häufig mit gesteigertem Intensitätsgehalt, weil Freude doch weniger sagt als Wonne.“ Stimmt. Freude fällt mich irgendwie meist von außen an und Wonne will von drinnen nach draußen. Also genau so wie die Frühlingsblumen. Die Bezeichnung des Wonnemonats Mai hat allerdings weniger mit der Freude-Wonne zu tun, sondern beruht tatsächlich auf einem Übersetzungsfehler bzw. Missverständnis schon zu Beginn der Neuzeit und des Neuhochdeutschen. Karl der Große führte im 8. Jahrhundert für den Mai den Namen „Wonnemond“ ein, was eigentlich althochdeutsch „wunnimanot“, also Weidemonat meinte, der darauf hinweist, dass man in diesem Monat das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Mit Wonne im heutigen Begriffszusammenhang mit Begeisterung, Behagen, Freude, Glück, Heiterkeit, Hochgefühl, Seligkeit, Vergnügen, Vergnügtheit, Wohlbehagen, Wohlgefallen über Beglückung, Entzücken, Ergötzen, Frohmut, Glückseligkeit, Wonnegefühl bis hin zu mittlerweile außer Mode geratenen Synonymen wie Gaudium oder Pläsier hat der alte Monatsname also eigentlich nichts zu tun, auch wenn die Tätigkeit des namensgebenden Almauftriebs bei dem einen oder anderen Wonne auslösen kann. Wie individuell und subjektiv Wonne bei ein und demselben Vorgang tatsächlich empfunden werden kann, weiß ich aus eigener Erfahrung. Gesammelt habe ich diese als eine von drei Klavierschülerinnen mit schwitzenden Fingern beim ersten öffentlichen Vorspiel – der von der Musikschule tatsächlich so genannten Präsentation des Leistungsstandes und der Lernerfolge ihrer Schützlinge vor der versammelten Elternschar. Also die vorgespielte Präsentation eines sechshändigen Stückes löste wohl Wonnegefühle bei meinen Eltern  aus – zumindest laut deren Bekunden. Bei mir hingegen weckte diese mehr oder weniger musikalische Aktion alles andere als wonnige Gefühle. Aufgrund meiner sich schon damals abzeichnenden kurzbeinigen Wonneproppen-Statur wurde ich auf dem Klavierhocker links außen platziert und durfte mich weder der Melodie noch den glänzenden Pedalen widmen, sondern ausschließlich die traurig-tiefen Tasten für die Grundakkorde bedienen. Auch heute steht ein Klavier in meinem „Wonne“-Zimmer und ich genieße wonniglich die Freude darüber, alleinige beidhändige und -füßige Herrscherin über alle Pedale und Tasten sein zu dürfen, derweil im Garten ein „Wonnebaum“ (wie die Birke auch genannt wird) vor sich hin wächst und ich nicht nur „Wonnezähre“ (wie Freudentränen auch genannt werden) vergieße, wenn diese weit über den Wonnemonat Mai hinaus nacheinander ihre Blütenpollen-, Blätter und Brubbelwürmer ergießt. Der von den Gebrüdern Grimm schriftlich festgehaltene Spruch „Sonnejahr – Wonnejahr!“ dürfte zwar für alle Strandurlauber, Sonnebrillen- und Flipflop-Hersteller gleichermaßen gelten – aus der Sicht der Regenschirmverkäufer oder Gummistiefelproduzenten gilt das allerdings schon weniger… Dabei haben Sonnenbrille und Regenschirm eines gemeinsam: hat man sie dabei, werden sie seltener gebraucht…

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