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112 neue Plätze zum Anlehnen

112 neue Fahrradanlehnbügel für knapp 20.000 Euro brutto: Über eine auf den ersten Blick überschaubare Investition wurde im Ausschuss für Kultur, Dorf- und Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung ausführlich diskutiert. Nicht darüber, ob Fahrräder sichere Abstellmöglichkeiten brauchen, sondern über die Frage: Braucht Jülich wirklich alle vorgesehenen Bügel – und sind sie angesichts der Haushaltslage überall sinnvoll?

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Produktbild aus der Verwaltungsvorlage.
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Ursprünglich sollten die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder über das Projekt „Mobilstationen der Zukunft im Rheinischen Revier“ gefördert werden. Die beantragten Standorte wurden jedoch nicht anerkannt, weil sie nicht unmittelbar den barrierefrei ausgebauten Haltestellen zugeordnet sind. Die Verwaltung schlug deshalb vor, die 112 Bügel aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Genau daran entzündete sich die Debatte. Karl-Philipp Gawel (CDU) stellte angesichts der „prekären Haushaltslage“ Anzahl und Notwendigkeit infrage. Bevor investiert werde, müsse zunächst gefragt werden: „Habe ich ein Problem?“ Gerade in den Dörfern befürchtete er, dass wenig genutzte Angebote entstehen könnten – ähnlich den „verwaisten Mitnahmebänken“. Geld nur auszugeben, weil es im Haushalt eingestellt sei, reiche als Begründung nicht.

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Widerspruch kam aus mehreren Richtungen. Andreas Balsliemke (Bündnis 90 / Die Grünen) verwies auf schmale Bürgersteige gerade auf den Dörfern: Wird dort ein Fahrrad an eine Laterne gekettet, komme mitunter kein Kinderwagen mehr vorbei. Zudem müsse ein teures Pedelec sicher angeschlossen werden können. Für ihn war auch die Verhältnismäßigkeit entscheidend: Für Autoparkplätze werde viel getan, dann müsse auch etwas für Fahrradabstellplätze möglich sein.

Alexander Eckert (UWG JÜL) räumte ein, zunächst selbst gefragt zu haben: „Brauchen wir das wirklich?“ Überzeugt hätten ihn der Ordnungsgedanke und die fehlenden Möglichkeiten, hochwertige Räder vernünftig anzuschließen. Er hielt die vorgesehene Summe für vertretbar.

Auch Nicole Bataille (SPD) sah Handlungsbedarf. An vielen Stellen stünden Fahrräder kreuz und quer, würden mit auf Spielplätze genommen oder dort an Zäunen befestigt. Wenn mehr Menschen zum Radfahren bewegt werden sollen, müsse auch geklärt werden, wo Räder sinnvoll abgestellt werden können.

Differenzierter argumentierte Susanne Oppermann (SPD) mit Blick auf die Dörfer. Zwar seien etwa in Barmen die Bürgersteige eng. Ein Bügel helfe aber nur, wenn er genau dort stehe, wo Radfahrer hinwollten. Niemand stelle im Dorf sein Fahrrad drei Straßen entfernt ab, um anschließend zu Fuß zum eigentlichen Ziel zu gehen.

Welldorfs Ortsvorsteher und UWG-JÜL-Ausschussmitglied Christian Klems hätte dagegen für sein Dorf sogar noch mehr Standorte vorgesehen, beispielsweise an Schule und Kindergarten. Trotz knapper Kasse sei dies eine Ausgabe, „die wir uns leisten sollten“.

Die Verwaltung betonte, dass die Standorte nicht willkürlich ausgewählt worden seien. Grundlage waren Rückmeldungen der Ortsvorstände. Unter anderem in Welldorf, Altenburg und Selgersdorf wurden die vorgeschlagenen Punkte vor Ort geprüft und Wege und Entfernungen betrachtet. Auch Einrichtungen wie Bücherei oder Gästehaus seien berücksichtigt worden, wo bereits heute Fahrräder abgestellt würden, aber geeignete Angebote fehlten.

Vorgesehen sind robuste einen Meter breite Bügel mit beidseitigen Ösen. Lediglich an der Kölnstraße auf Höhe des Schlossplatzes soll aus gestalterischen Gründen ein Modell eingesetzt werden, das sich in das bestehende Innenstadtmobiliar einfügt.

Am Ende überzeugten die Argumente für die Investition deutlich. Der Ausschuss entschied sich für Variante A: Alle 112 Fahrradbügel sollen noch 2026 für 16.800 Euro netto installiert werden. 16 Mitglieder stimmten dafür, zwei enthielten sich; für die gestaffelte Variante gab es keine Stimme.

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HERZOGin mit Leib und Seele. Mein HERZ schlägt Muttkrat, Redakteurin gelernt bei der Westdeutschen Zeitung in Neuss, Krefeld, Mönchengladbach und Magistra Artium der Kunstgeschichte mit Abschluss in Würzburg. Versehen mit sauerländer Dickkopf und rheinischem Frohsinn.

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