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Wohnraummangel für behinderte junge Erwachsene

„Warum darf ich nicht ausziehen?“ Marie ist 23 Jahre alt und stellt ihren Eltern täglich diese Frage.

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Foto: privat
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Marie ist von Geburt an mehrfach behindert und wird ihr ganzes Leben auf Hilfe angewiesen sein.
Seit vier Jahren arbeitet Marie in den Rurtalwerkstätten, gestaltet ihr Leben mit Hilfe ihrer Eltern, bei denen sie immer noch wohnt. Andere junge Menschen in diesem Alter sind meistens schon von zu Hause ausgezogen und bestimmen ihren Alltag selbst. Anders ist es bei Marie. Ohne die tägliche unermüdliche Unterstützung ihrer Eltern, ohne den Wohnraum, den sie in ihrem Elternhaus hat, könnte Marie nicht zurechtkommen. So wie der 23-Jährigen geht es vielen jungen und auch älteren Menschen mit Behinderung.

Aber nicht nur die jungen Erwachsenen, auch deren Eltern wünschen sich eine Perspektive. Das Recht auf selbstbestimmtes Wohnen ist im Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verankert, das 2009 in Deutschland ratifiziert wurde. Allerdings kann dieses Recht von den wenigsten Betroffenen wahrgenommen werden: Wie in zahlreichen anderen Städten und Gemeinden in ganz Deutschland gibt es auch im Raum Jülich, Merzenich, Niederzier und Düren viel zu wenig passende Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

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„Aus langjähriger Erfahrung als betroffene Eltern wissen wir, wie dringend neue Wohnformen für unsere Kinder geschaffen werden müssen – die Nachfrage ist riesig, genauso groß wie im Bereich des Wohnens für Senioren.“ Woran es neben dem Wohnraum mangelt, ist die Sensibilisierung in der Gesellschaft, so die Initiatoren. „Wir als betroffene Eltern fragen uns täglich, wie es wohl für uns und unsere Kinder in naher Zukunft und im Alter aussehen wird: Wie können unsere Kinder, die auf Unterstützung angewiesen sind, versorgt werden, wenn wir Eltern es nicht mehr können? Wie können unsere Kinder ihr Leben weitestmöglich selbstbestimmt gestalten und in ihren eigenen 4 Wänden leben – so wie es der Wunsch von Marie ist?“

Aus diesem Grund ergreifen betroffene Eltern die Initiative und möchten in einem ersten Schritt aufmerksam machen und mit den Bürgermeistern im Jülicher Land ins Gespräch kommen. Ermutigen möchten sie außerdem Gleichbetroffene und Gleichgesinnte, sich ihnen anzuschließen.

„Je mehr Familien präsent sind, desto stärker können wir mit der Problematik des fehlenden Wohnraumes in den Vordergrund treten, desto größer sind die Chancen, dass wir gemeinsam Ziele erreichen.“

In weiteren Schritten sollen mit Hilfe der Entscheidungsträger Lösungen für passenden Wohnraum erarbeitet werden. Die Erkenntnis: Nur mit Hilfe der entscheidenden Instanzen über kommende Bauvorhaben kann erreicht werden, dass Wohnraum und die damit verbundene Versorgung von erwachsen werdenden Kindern mit Behinderungen für die Zukunft geschaffen werden.


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