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“Mzungus” reich an Erfahrung und Handelsware

Inzwischen hat der Alltag sie längst wieder. Zum sechsten Mal hatte das Mädchengymnasium Jülich eine Delegation nach Afrika geschickt, um ganz praktische Hilfe zu leisten. In Unganda, genauer gesagt in Garuga am Viktoriasee tauschten 14 Schülerinnen, zwei Ehemaligen und die Lehrerinnen Bettina Groos und Sabine Nowara Füller und Hefte gegen Spachtel und Malpinsel.

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Zeigt her eure Hände… Beim Ausbau und der Renovierung in Uganda ging es reichlich bunt zu. Fotos: Sabine Nowara
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Das Prinzip der Förderung im so genannten “Sozialprojekt” ist so einfach wie zielführend: Die Reisekosten zahlen alle Engagierten selbst und bringen außerdem von Deutschland reichlich Sachspenden von Brillen – diesmal waren rund 100 – über Schuhe und Schulbedarf mit nach Afrika – dort kaufen sie auf den Märkten landestypische Waren ein wie Dekoration, Schmuck und Nützliches und bieten sie hier wieder feil. Hauptabsatzmarkt ist das Europafest, das morgen wieder im Mädchengymnasium stattfindet. Der Erlös wird dann in ein neues Projekt gesteckt. Es ist ein „Rundfinanzierungs-System“.

Aber nicht nur “reich” an Handelsware, vor allem “reich” an Erfahrungen und Erlebnissen sind die MGJler wieder heimgekehrt: “Für viele von uns ist es schwer zu verstehen, wie man in der Armut und unter den Umständen überhaupt leben kann und trotzdem sein Lächeln nicht verliert”, haben sie in ihrem Blog geschrieben. “Mit nichts zu leben, in einer oftmals nicht wind- oder wasserfesten Hütte, die aus verschieden Hölzern zusammengenagelt ist oder manchmal auch einfach aus Wellblech mit einem simplen Stofftuch als Türe besteht. Ohne Strom und Wasser, ohne Bett und ohne jeglichen Luxus, welcher für uns unabdingbar und zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Unsere Zeit hier hat uns dazu gebracht, unseren Lebensstandart mehr zu schätzen.” Als “Mzungus”, so werden die europäischstämmigen Menschen in der Bantusprache genannt, hat die jungen Frauen vor allem auch das bedingungslose Vertrauen in die Unterstützung berührt. Die Kinder, so die Schilderung, waren von Anfang schon bei der Begrüßung voller Hoffnung.

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Das wundert wenig, wenn man den Erläuterungen von Bettina Gross folgt: Familien in Afrika verstoßen ihre behinderten Kinder, “Da spielt sehr viel Aberglaube noch eine Rolle,” sagt die Lehrerin, die von Anfang an die Sozialprojekte in Afrika begleitet. Einrichtungen wie das Stammhaus in Jülich oder die Stephanusschule in Selgersdorf seien undenkbar. “Vor Géraldine kann man nur Hochachtung empfinden.” Die Uganderin hat die Not dieser Kinder erkannt und aus eigenem Antrieb ein Grundstück mit einer gemauerten Hütte gekauft. Hier betreut, verköstigt und unterrichtete sie die behinderten Kinder – oft zum Unverständnis der Eltern. Mit der Tatkraft des Sozialtrupps aus Jülich wurde innerhalb von zwei Wochen der bestehende Bau saniert, verputzt und gestrichen. “Die Mädels haben sich da richtig reingehangen”, sagt Bettina Groos anerkennend, dauernd und ununterbrochen sei gearbeitet worden und sie hätten alle gesteckten Ziele erreicht.

In der gleichen Zeit errichtete ein beauftragtes Bauunternehmen einen zweiten Bau, in dem nun die mit Herd und Spüle ausgestattete Küche Platz findet. Auch nach der Abreise gingen die Arbeiten weiter. Géraldine versorgt die Reisetruppe immer noch mit Fotos und so wissen die Jülicher, dass auch Bau 2 inzwischen ebenso verputzt worden ist und einen Anstrich bekommen hat. All das war im Preis der vom MGJ zusammengetragenen Spendensumme von 5400 Euro inbegriffen: Arbeitskraft, Unternehmen und Material. Für deutsche Verhältnisse kaum nachvollziehbar. Und es geht weiter: In der Küche möchte Géraldine andere Frauen schulen, damit sie auf Märkten Pasteten oder Kuchen verkaufen und sich so eine Existenz aufbauen können. Der erwünschte Nebeneffekt: Die Akzeptanz der Einrichtung für behinderte Kinder soll durch die Begegnungen wachsen. Also auch nachhaltig ist dieses Projekt ein Erfolg.

Persönlich von den Erfahrungen berichten lassen kann sich, wer den Weg zum Europafest ins Mädchengymnasium antritt. Durch den Haupteingang und dann rechts den Gang hinunter findet sich das “afrikanische Markttreiben” neben der “EssBar”. Dort können Kaufwillige außerdem bei handgemachten Schalen – “wir haben diesmal besonders viele mitgebracht, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass sie beim letzten Mal in nullkommanix weg waren” – Salatbestecken, Engelchen aus Bananenblättern, selbstgenähten Tieren, Mobiles, Einkaufstaschen, Kerzenständern, Schlüsselanhängern und Schmuckstücken fündig werden und so für sich, zu Beschenkende und das nächste Afrika-Projekt des Mädchengymnasiums etwas Gutes tun.

Einblicke in die Arbeit in Uganda gibt die “Bilderreise”, die Sabine Nowara dankenswerter Weise dem HERZOG zur Verfügung gestellt. hat.

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