
Hatte Birgit Kasberg noch im vergangenen Jahr behauptet, die Nutz- und Besuchs-Zahlen von 2024 seien nicht zu toppen, wurde sie 2025 eines besseren belehrt. Die Bilanz der Stadtbücherei Jülich zeigt im zweiten Jahr in Folge Rekordzahlen. Ein deutliches Plus ist bei Veranstaltungen, Teilnehmern und Ausleihen zu verzeichnen. Neue Formate, ein offenes Konzept und viel Engagement des kleinen Teams hätten dazu geführt, dass die Bibliothek mehr denn je als Begegnungsort in der Stadt wahrgenommen wird. „Den Mut, neue Formate auszuprobieren – das ist eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Kasberg nicht ohne stolz.
Besonders Formate, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen, stoßen auf großes Interesse. Ein Beispiel ist die Reihe „Bibliothek der Menschen“, bei der Besucher mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten ins Gespräch kommen können. Austausch statt Ausleihe – eine Idee, die bei den Gästen hervorragend ankommt. Ein weiteres Highlight: „Programmieren mit dem Elefanten“, ein Angebot für Kinder rund um erste Programmiererfahrungen. Das Format schaffte es sogar in die WDR-Lokalzeit. Auch medienpädagogische Angebote wie Schulungen zu sogenannten Fake-Huntern, in denen Jugendliche lernen, Falschinformationen zu erkennen, trafen auf großes Interesse. Der beliebte SommerLeseClub (SLC) war ebenfalls schnell ausgebucht: Schon nach zwei Wochen musste die Bibliothek einen Aufnahmestopp verhängen.
Erfolg haben auch etwas „bücherei-artfremde Angebote, wie die Weihnachtsdeko-Tauschbörse und Weihnachtsdeko-Basteln. Der Andrang war so groß, dass innerhalb von drei Stunden rund 100 Kinder teilnahmen. „Es kam sogar die Nachfrage, ob wir das nicht auch für Eltern anbieten können“, berichtet Kasberg. Der Erfolg ist messbar. Die Zahl der Veranstaltungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt, gleichzeitig stiegen die Teilnehmerzahlen um rund 2000. Auch die Medienausleihe legte deutlich zu.
Lob aus der Politik

Auch im Ausschuss wurde die Arbeit der Stadtbücherei gewürdigt.
„Was für Möglichkeiten Sie schaffen und welche Ideen Sie in die Bücherei bringen – das ist eine absolute Bereicherung für unsere Stadt“, sagte Mo Khomassi (SPD) anerkennend, der selbst schon der Stadtbücherei als „menschliches Buch“ zur Verfügung gestanden hat. Aus Sicht der CDU, für die Karl-Philipp Gawel das Wort ergriff, ist die Stadtbücherei ein „Flagschiff für Bildung und Kultur in Jülich“, in dem nicht nur Dienst nach Vorschrift getan werde. Susanne Schlüter schloss sich dem Lob an und meinte sogar, „im Vergleich zu Düren, Erkelenz oder Eschweiler liegt Jülich weit vorne“ und „das gelingt mit einem kleinen Team.“
Womit ein heikles Thema angeschnitten war, denn so beeindruckend die Zahlen sind – sie zeigen auch die Grenzen des Machbaren. Wie Birgit Kasberg vortrug umfasst das Team der Stadtbücherei aktuell 4,4 Stellen, während für eine Bibliothek dieser Größe laut Konzept eigentlich sieben Stellen vorgesehen wären. „Es muss irgendwann einleuchten, dass wir mit unserem Personal das Ende der Fahnenstange erreichen“, sagt Kasberg offen. Große Hilfe erhält die Bücherei vom Förderverein, der Veranstaltungen finanziell unterstützt und bei Aktionen organisatorisch mithilft. Auch bei größeren Veranstaltungen – etwa der Abschlussfeier des SommerLeseClubs im Brückenkopf-Park – ist diese Unterstützung entscheidend. Kasberg betont jedoch: „Das kann nur on top sein.“ Bei grundsätzlicher Wertschätzung durch die Politik ist der Hemmschuh die klamme Haushaltslage.
Blick in die Zukunft
Unbenommen davon wollen Birgit Kasberg und ihr Team Veränderungen angehen. Dringend überarbeitet werden müsse die zehn Jahre alte Satzung. Sie berücksichtigt nicht die medialen Entwicklungen in diesem Zeitraum von der Einführung der Streaming-Dienste bis zum „Toni“, dem Nachfolger der einstigen HörspielCDs. Hier müssten Anpassungen bei Leihgebühren erfolgen. Desweiteren soll geprüft werden, ob Jugendliche statt bis zum 18. Lebensjahr künftig bis 21 Jahre gebührenfrei Mitglied der Bücherei sein könnten – eine Anpassung an die längere Schulzeit durch den Wechsel von G8 auf G9. Auf Nachfrage von Hendrik Vollrath (UWG JÜL) bestätigte Birgit Kasberg, dass auch die Kombi-Karte Schülerausweis=Büchereiausweis weiterhin angenommen werde. Die Zitadelle macht es erfolgreich, das Mädchengymnasium hat sich auch angeschlossen, und: „Wir sind offen für jede Schule“, ließ Kasberg wissen.
Klar wurde nach Präsentation des Jahresberichtes, dass die Stadtbücherei ein zentraler Ort für Bildung, Kultur und Begegnung in Jülich ist und als solcher wahrgenommen wird.


















