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Vom Vergnügen Verhandeln in Verkaufen zu wandeln

Wenn eine Herzögliche einen Selbstversuch unternimmt. Aus der Erfahrungswelt einer "Trödlerin".

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Alles parat für die Laufkundschaft. Foto: Britta Sylvester
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Sonntagmorgen, halb acht Uhr, der Wecker klingt. Weckerklingeln am Sonntagmorgen? Nicht unbedingt üblich in meinem normalen Leben. Aber heute ist alles anders, heute ist Dorftrödel in Koslar. Also raus aus den Federn, eine schnelle Tasse Kaffee und dann ab nach draußen, alles aufbauen. Die Luftballons, die später als Erkennungszeichen für die Teilnahme am Trödelmarkt dienen sollen, sind aufgepustet, der Trödelkram steht zusammengepackt im Flur, im Keller, in der Garage.

Ein kurzer Blick nach draußen: Es ist zwar grau und windig, aber immerhin, es regnet nicht! Puh, kalt ist es auch. Aber vom Tische und Kartons schleppen kommt man erstaunlich schnell ins Schwitzen.

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Noch bevor der geliehene Pavillon aufgebaut ist, stehen die ersten Interessenten am halbvollen Tisch. Schmuck, Zahngold, alte Münzen? Nein, leider nicht im Programm. Auch die nächsten Suchenden – dieses Mal wird nach alten Video- und Gameboyspielen gefahndet – werden zumindest bei uns und der Nachbarin gegenüber nicht fündig. Eine halbe Stunde später, immer noch vor dem offiziell geplanten Beginn um neun Uhr, ist der erste Ansturm schon wieder vorbei. Inzwischen sind auch fast alle zu verkaufenden Schätze aufgebaut. Schon erstaunlich, was sich in einem Hausstand über die Jahre hinweg so ansammelt. Teekanne, ganze Geschirrsets, Kleidung, die nicht mehr passt (oder nicht mehr gefällt – wie konnte man das nur kaufen?), Kinderspiele und nicht benötigtes Werkzeug….. die Liste ist lang, hüben wie drüben.

Die Besucher kommen tatsächlich in Scharen, zu Fuß, mit Rad oder Roller, viele aber auch mit dem Auto. Überraschend für Trödelmarktneulinge: Viele potentielle Käufer bleiben auch gleich im Auto sitzen, rollen langsam vorbei und „scannen“ die Auslage mit prüfendem Blick. Am meisten Spaß – ja tatsächlich beginnt meine anfängliche Zurückhaltung sich in ein gewisses Vergnügen am Verhandeln und verkaufen zu wandeln – macht das direkte Gespräch mit den Menschen, die interessiert durch die „Schätze“ stöbern. Oft bleibt es beim freundlichen Plausch, auch Nachbarn kommen nur mal auf ein paar Worte vorbei, aber auch das macht irgendwie den Charme des Dorftrödels aus.

Bis zum frühen Nachmittag tummeln sich die Trödelmarktbesucher in Koslars Straßen, viele machen auch einen Zwischenstopp in der Cafeteria an der Grundschule. Auf einem eigens angefertigten Ortsplan sind die Stände markiert, ein Angebot, das die Besucherinnern gerne nutzen. Überhaupt steht ein ausgeklügelter Plan hinter dem Dorftrödel. Initiatorin Sabine Lohkamp hat ganze Arbeit geleistet: Mit der Anmeldung gab es für jede und jeden Teilnehmer Poster, um schon vorab die Werbetrommel zu rühren. Auch einen „Laufzettel“ mit hilfreichen Informationen für die Verkäufer gehörte zum „rundum sorglos“-Paket. Am Tag vor dem Markt schließlich fanden sich noch ein paar Luftballons im Briefkasten. Nur Aussortieren und Aufbauen musste man noch selbst – Fazit: ein lohnenswertes Experiment und garantiert eine Menge Arbeit für die Organisatorin.

Am Ende des Tages stehen ein paar Euro Extra-Taschengeld und mehr Platz in Schränken, Regalen, Kellern und Garagen auf der Habenseite. Stellt sich nur noch die Frage: Wohin mit dem unverkauften Trödel?


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