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Das Quartier Nierstein

Immer wenn in Jülich große Veränderungen ihre Schatten vorauswarfen, wuchs die Stadt: Mit dem „Eisenbahnhauptwerk“, dem heutigen Mechatronikzentrum, entstand das Heckfeld als neues Viertel der Stadt Jülich. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts folgte das Nordviertel in Folge der Ansiedlung des Forschungszentrums. In den kommenden fünf Jahren soll auf der „schäl Sick“ im Zuge der Wachstumsinitiative und des Brainergy Parks erneut ein weiteres Stadtviertel hinzukommen: Das „Stadtquartier Nierstein“.

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Auf diesem Areal wird in den kommenden fünf Jahren Wohnraum geschaffen: Das Quartier Nierstein soll entstehen. Foto: Olaf Kiel
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Erst sollte 2003 ein Golfplatz auf dem Areal angelegt werden, dann wurde im Rathaus 2017 eine Wasserski-Anlage vorgestellt, jetzt werden auf den 25 Hektar an der Aachener Landstraße künftig über 1500 Menschen ein neues Zuhause finden. Wohnraum, der nach Ansicht des Bürgermeisters dringend gebraucht wird: „Wir reden in Jülich sehr kurzfristig von der Schaffung über 1000 Arbeitsplätze: Im Königskamp werden 900 Arbeitsplätze entstehen und 375 alleine durch die Ansiedlung eines Instituts im Brainergy Park. Unser Anspruch muss natürlich sein, dass die Menschen nicht permanent nach Jülich fahren. Bestenfalls sollen sie auch hier wohnen.“
Kurzfristig wird das nicht gelingen. Eine Perspektive von fünf bis acht Jahren steht im Raum. Schon im Vorfeld waren Schwierigkeiten zu bewältigen. Es gehörten zwar 20 Hektar bereits der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft (SEG), aber „problematisch war der Erwerb der letzten fünf Hektar“, verrät Hanna Jeworowski. Sie zeichnet mit Pia Hallmann bei der SEG verantwortlich für das Großprojekt. Gelungen ist der Ankauf Ende 2021.

Als erster Schritt sind die Voruntersuchungen im Gange. Dazu gehören natürlich auch Umweltprüfungen. Schützenswerte Tierarten, die den Bau verhindern könnten, erwartet das Planungsteam allerdings nicht.
Jedoch erst wenn diese Untersuchungen abgeschlossen sind, kann das Wettbewerbsverfahren in Abstimmung mit der Architektenkammer festgelegt und die Förderung akquiriert werden. Noch in diesem Jahr soll das Verfahren gestartet werden und Planungsbüros zum Wettbewerb aufgefordert beziehungsweise die Ausschreibung vorgenommen werden. Zum Abstimmungskanon ist auch eine Informationsveranstaltung für die Menschen in und um Jülich vorgesehen, die sich laut Hanna Jeworowski aktiv einbringen sollen. Vorgesehen ist, diese Vorschläge in die Vorgabenliste einzubringen, die den Planungsbüros für die Gestaltung des neuen Stadtquartiers Nierstein an die Hand gegeben wird.

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Einige Punkte sind bereits jetzt gesetzt und verstehen sich eigentlich von selbst: Das gilt etwa für die Aufgabe, eine Nutzungsmischung zu schaffen mit ausreichendem Wohnraum für Wachstumsstrategie und Zuwachs durch Forschungseinrichtungen unter dem Aspekt „alternative Wohnformen“ wie altersgerechtes und studentisches Wohnen, die aber auch eine Ansiedlung von „geräuscharmem“ Gewerbe vorsieht. Gemeint sind damit Bürogebäude, die quasi als „Lärmschutzwall“ entlang des Nord-West-Ringes, der zum Brückenkopf-Park führt, platziert werden soll. Zu berücksichtigen sind selbstverständlich Nachhaltigkeitsaspekte, Stichwort „klimagerechtes Quartier“. Auf Nachfrage bestätigen Hanna Jeworowski und Pia Hallmann, dass an eine ortsnahe Infrastruktur – angefangen von einem Bäcker bis zur „Eckkneipe“ als Treffpunkt – ebenfalls gedacht wird.

Die größte Herausforderung, darin sind sich alle einig, ist die Anbindung des neuen Quartiers an die Innenstadt. Es gilt, die Rur als „Trennlinie“ zu überwinden, oder wie es Hanna Jeworowski nennt, „den Brückenschlag zu schaffen“. „Das ist sehr spannend, weil man vermeiden muss, die Stadt vor der Stadt zu bauen“, sagt Bürgermeister Axel Fuchs. Im Zuge des Neubaus wird übrigens auch schon an eine Erweiterung des Wohngebietes Ölmühle gedacht. Im Zuge der Rurbrückensanierung soll als nächster Schritt auf der Aachener Landstraße ein Kreisverkehr als möglicher Abzweig ins Quartier angelegt werden.

Bei allen Planungen und Zeitplänen steht allerdings eins noch aus: Die finale Bestätigung durch die Bezirksregierung, die entscheidende Behörde des Landes NRW. Die Zuversicht bei der SEG ist allerdings so groß, dass es keine Bedenken gibt, das Projekt „Quartier Nierstein“ schon jetzt mit Elan anzugehen.

Spätestens im Herbst soll der Wettbewerb ausgeschrieben werden.


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2 KOMMENTARE

  1. Schön, dass neue Lebens- und Wohnräume entstehen und Jülich wächst!

    Hoffentlich sind Stadt und Entwicklungsgesellschaften (auch in der Zusammenarbeit mit externen Projektentwicklern) sich neben der klimapolitischen auch der sozialen Verantwortung bei der Schaffung von Wohnraum bewusst und lassen Wohnraum entstehen, der kein Luxusgut ist und keine Monokulturen, sondern Wohnformen fördert, die einen gesunden, generationenübergreifenden Mix von sozialem und kulturellem Miteinander absichert und unterschieldiche Raumbedürfnisse abdeckt.
    Jüngste und aktuelle Miet- oder Eigentumsobjekte, die in Jülich entstanden sind, lassen diese soziale Verantwortung eher vermissen.

  2. Die Gründe zur Schaffung von Wohnraum sind nachvollziehbar, genau wie die Entwicklung Königskamp und Brainenergy Park. Warum dann aber ausgerechnet an dieser Stelle ? Genau auf der anderen Stadtseite gegenüber von Königskamp und Brainenergy Park.
    Die Rur als „Trennlinie“ überwinden, .. kann man so sehen aber in erster Linie liegt der gesamte Brückenkopfpark im Weg, umschliesst das Gelände fast sichelförmig. Ich halte die Wahl für sehr ungünstig. Warum nicht das Gebiet zwischen Neusser Straße und von Schöfer Ring erschliessen? Liegt viel günstiger sind ohne altes Telekom Gelände/Schneiderstraße bei Erhalt des Wäldchens 25 ha – um ein weiteres Dreieck 7,5 ha erweiterbar Richtung Gewerbeansiedlung (toom / Kurtz). Fußläufig oder per Rad ist der Brainenergy Park erreichbar, Königskamp entlang oder mit der Bahn ebenso recht einfach. Wenn jemand nicht pendeln / fahren soll ist Nähe sehr hilfreich und Nierstein somit keine gute Wahl. Ausserdem würde es das Nadelöhr Rurbrücke entlasten und Durchgangsverkehr durch die Stadt vermeiden.

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