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Neubau auf Eis

Bistum erteilt visionärem Projekt für ein zentrales Pfarrzentrum in Jülich keine Zustimmung

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Blick auf das Roncalli-Haus und angrenzende Immobilie der Pfarrei Heilig Geist. Foto: Volker Goebels
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Eigentlich schien alles geklärt. In diesem Monat sollte der Umzug des Jugendheims Roncalli und des Pfarrbüros erfolgen, um den Weg frei zu machen für den Neubau eines Pfarrzentrums Heilig Geist Jülich. Jetzt kam von Bistumsseite das „Aus“. Die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen, hieß es auf Nachfrage bei der Bistums-Pressestelle.

Die inhaltlichen Veränderungen im Bistum Aachen bringen konsequenterweise auch strukturelle Veränderungen mit sich. Die AG 2030 hat seit 2021 in der Pfarrei Heilig Geist bereits die ersten Pflöcke eingeschlagen: Glaubenszentren für Familienpastoral und Trauerpastoral gehören ebenso dazu wie die Überlegungen, wie künftig die Gemeindeorganisation angepasst werden muss. Der KIM-Prozess, bei dem 30 Prozent der kirchlichen Immobilien aus der Bistumsfinanzierung fielen, hatte zur Folge, dass die Gemeinden sich von Kirchengebäuden in Form von Pfarrhäusern und anderen Liegenschaften im wahrsten Sinne verabschieden mussten und müssen.

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Mit viel Engagement, reichlich Gesprächen und Kreativität nimmt sich in Jülich Thomas Surma als Teil der Steuerungsgruppe und Kirchenvorstand ehrenamtlich dieser Aufgabe an. 11 von 16 Kirchen stehen zur Disposition. St. Rochus ist als erste Kirche verkauft worden. An der Stiftsherrenstraße sollte wegen der schwindenden Pfarrbüros in den Gemeinden vor Ort ein Pfarrzentrum entstehen. Hier sollten Räume für Arbeit und Veranstaltungen, Verwaltung, KOT und Büros entstehen. Stets, so betont Surma, seien alle Schritte der Pläne mit dem Bistum besprochen worden. Zustimmung und sogar Begeisterung seien für die Neubaupläne signalisiert worden. Denn die Steuerungsgruppe hatte nicht nur einen Architekten mit der Planung beauftragt, sondern auch durch namhafte Ankermieter ein Finanzierungskonzept vorgelegt. Nach zehn Jahren sollten sich die Kosten für den Neubau amortisiert haben. Diese Finanzierungszeit sei zu lang, befand jetzt Ökonom Martin Tölle und kippte kurz vor dem Baustart das Projekt. Erst im Mai war mit Zustimmung des Bistums die Gemeinde über das Bauvorhaben durch den Pfarrbrief in Kenntnis gesetzt worden.

Die bislang entstandenen Kosten liegen laut gut informierter Kreise inzwischen in einem sechsstelligen Bereich. Durch das positive Signal bestärkt wurde für das Bauvorhaben ein Nachbarhaus angekauft und auf Wunsch der Bauabteilung im Bistum, wie Thomas Surma sagt, mehrere Fachplaner beauftragt, um letzte Planungssicherheit zu haben. Thomas Surma ist frustriert und desillusioniert.

Im jüngsten Pfarrbrief war in Abstimmung mit dem Bistum Aachen zu lesen: „Mit Blick auf verschiedene interne Anpassungen der Rahmenbedingungen von Bistums-Seite, die im Laufe der Planung deutlich gestiegenen kalkulierten Baukosten sowie die angestiegenen Zinsen kann die Pfarrei derzeit nicht mit einer zwingend erforderlichen Zustimmung der genehmigenden Gremien des Bistums rechnen.“ Jetzt gehe es darum, Alternativen auszuloten. „Auch wenn das Projekt nicht in der ursprünglich geplanten Form realisiert werden kann, ist es dem Kirchenvorstand wichtig, zeitnah sowohl für die pastorale Arbeit als auch für die Mitarbeitenden attraktive Räume zu schaffen, in denen Pfarrleben gut stattfinden kann und die heutigen Angebote ausgeweitet werden können“, heißt es abschließend in der offiziellen Verlautbarung im Pfarrbrief.

Anfang November soll es ein erstes Aufarbeitungsgespräch mit dem Bistum geben, sagt Thomas Surma.


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