Am Anfang steht lediglich eine kurze Projektskizze. Die Strukturwandelmanagerinnen schildern Verfahren, die sich über Jahre ziehen können und an denen eine Vielzahl von Behörden, Ministerien und Gremien beteiligt sind. Erst nach einem ersten Beratungsgespräch mit Bezirksregierung, Zukunftsagentur Rheinisches Revier und Projektträger Jülich entscheidet sich überhaupt, ob ein Projekt weiterverfolgt werden darf. Fällt die Rückmeldung positiv aus, folgt eine ausführlichere Projektskizze, anschließend ein Fördergespräch mit weiteren Beteiligten aus Landesministerien. Erst danach kann ein sogenanntes „antragsnahes Konzept“ erstellt werden – praktisch ein Förderantrag im Entwurfsstadium.
Die Politik werde bewusst erst nach der ersten Behördenrunde und positivem Bescheid mit der Aufforderung „weitermachen“ eingebunden, erklären die Strukturwandelmanagerinnen. Vorher sei noch völlig offen, ob ein Projekt überhaupt in das Verfahren aufgenommen werde oder welches Ministerium zuständig sei. Hinzu komme, dass nach der Erstellung der Unterlagen weitere Abstimmungen folgen: etwa wie im Fall Brückenkopf-Park der regionale Konsens durch den Aufsichtsrat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, Gespräche mit dem Bund sowie der Staatssekretärskonferenz. Erst wenn all diese Ebenen zustimmen, darf der eigentliche Förderantrag eingereicht werden. Gleichzeitig laufen feste Fristen. Für die erste Förderphase mussten Anträge bis Ende Juni eingereicht sein, während die Projekte bereits bis Ende 2029 nicht nur fertiggestellt, sondern auch vollständig abgerechnet sein müssen.
Besonders kritisch sehen Steffens und Dören-Delahaye den hohen Vorlauf, den Kommunen leisten müssen. Bereits für die Vorplanung seien Fachplaner notwendig, die bezahlt werden müssten – ohne Garantie, dass die Förderung später tatsächlich bewilligt wird. Gerade kleinere Kommunen könnten diese finanziellen und personellen Risiken oft kaum stemmen. Gleichzeitig kämen Förderaufrufe häufig kurzfristig und mit sehr speziellen Anforderungen. „Einfach etwas aus der Schublade ziehen“ funktioniere deshalb nicht. Jeder Antrag müsse individuell formuliert, fachlich angepasst und juristisch geprüft werden. Selbst Themen wie das EU-Beihilferecht müssten sich die Strukturwandelmanagerinnen inzwischen aneignen.
Trotzdem versucht die Stadt Jülich, möglichst viele Projekte zu platzieren. Beim Brückenkopf-Park Jülich, der im Juni in die nächste Runde ging, kann über die konkrete Ausgestaltung auch erst später in der eigentlichen Entwurfsplanung entschieden werden.
Ähnlich komplex sind weitere Projekte in der Pipeline. Beim „grün-blauen Band der Innenstadt“ werden mehrere Einzelmaßnahmen zusammengeführt: die Aufwertung der Wallgräben, des Schwanenteichs, der Promenade und des innerstädtischen Rurabschnittes sowie eine neue touristische Beschilderung. Ziel ist es, Natur, Naherholung, Tourismus und Klimaanpassung stärker miteinander zu verbinden. Vorgesehen sind unter anderem neue Sitzbereiche, bessere Wegeführungen, barrierefreie Verbindungen, Beleuchtung, Blühflächen und Aufenthaltsorte entlang der Rur. Auch inklusive Angebote und Umweltbildungsprojekte sollen entstehen.
Weitere Förderprojekte betreffen den Barmener See, Altenburg mit einer Aufwertung des Umfelds der Kapelle und des Spielplatzes sowie die Entsiegelung und Neugestaltung mehrerer Schulhöfe. Parallel laufen bereits die Vorbereitungen für das geplante Brainergy Forum, dessen Umsetzung für die zweite Förderphase vorgesehen ist, da dieses Projekt nicht bis Ende 2029 fertiggestellt sein wird. Dort befindet sich derzeit der Architekturwettbewerb in der Vorbereitung. Noch in diesem Jahr sollen Planungsbüros ausgewählt und erste Entwürfe erarbeitet werden. Anders als bei vielen anderen Förderprojekten gilt das Brainergy Forum bereits als politisch und ministeriell gesetzt.
Im Gespräch wird deutlich, wie stark die Verfahren die Verwaltung belasten. Die beiden Strukturwandelmanagerinnen berichten offen von Überstunden, knappen Fristen und einem hohen Abstimmungsaufwand zwischen Kommune, Bezirksregierung, Ministerien und Gutachtern. Gleichzeitig sehen sie darin aber auch eine große Chance für Jülich. Die Vielzahl der Projekte zeige, wie aktiv die Stadt im Strukturwandel sei – auch wenn der Weg bis zur tatsächlichen Umsetzung oft lang und kompliziert bleibe.



















