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Sieg!

Jaa! Wer ist nicht gerne Sieger? Und vergisst im Siegestaumel nicht genauso gerne, dass jeder Sieg die Niederlage eines anderen ist… Und stets mindestens einen Kampf voraussetzt.

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Illustration: Sopio Kiknavelidze
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Sogar in einer angeblich friedlichen Demokratie haben wir zunächst den Wahlkampf, bevor der Wahlsieger feststeht. Das kommt doch verbal schon oder immer noch sehr martialisch daher, auch wenn gewohnheitsmäßig kein Gedanke daran verschwendet wird. War doch schon immer so… Stimmt auffallend. Wer sich mit der Menschheitsgeschichte auch nur oberflächlich und nur geringfügig nachdenkend beschäftigt, muss mit Kopfschütteln bis Entsetzen feststellen, dass ständig gekämpft und gesiegt wurde.

Und gesiegt wurde immer gegen das Böse, zumindest gegen das Schlechte. Kein Wunder, denn der Sieger definiert stets das Unterlegene zu solchem. Schon im Vorfeld ist der Gegner der Feind des Guten – bei allen Beteiligten. Da darf es keine Kompromisse geben, da würde man ja „das Gesicht verlieren“, klein beigeben. Ganz übel – wenn auch bei Weitem nicht so übel wie das daraus Folgende.

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Diese Verhaltensweise scheint dem menschlichen, hauptsächlich männlichen Wesen immanent zu sein. Nicht dass ich glaube, Frauen wären die besseren oder weniger aggressiven Menschen, aber gegen die besonders auf diesem Gebiet männliche Dominanz kommen sie eben (noch) nicht an. Manche „Damen“ in entsprechender Position haben durchaus das Gegenteil bewiesen.

Selbst wenn ich versuche, Obiges verbal zu entschärfen, indem ich Kampf durch Wettbewerb und Sieger durch Gewinner ersetze (bitte ersparen Sie mir das Gendern), ändert das an den Tatsachen wenig bis nichts. Sprachliches Gemurkse, das aus einem Afrikaner einen Farbigen macht und manchen Tiefbraunen weiterhin weiß sein lässt. Denn der Mensch ist Mensch (nicht weil er singt und weil er lacht, wie Herbert G. sich zu singen nicht entblödet, sondern weil er weder aus seiner Haut noch aus seinem ebenso evolutionären Hirn kann). Und die Evolution ist zu langsam, der Mensch zu träge. Also bleibt es bei Kampf und Sieg.

The Winner takes it all? Sicherlich – bis der Nächste kommt – und auch der nimmt nichts mit, hinterlässt nur – meist hauptsächlich – jede Menge Elend für Unbeteiligte. Würde ich jetzt Namen aufzählen, wären die nächsten Seiten des HERZOGs leider effekt- und sinnlos damit gepflastert.

Wo also bleibt – nach Spiel und Satz – der Sieg?

Natürlich in der Zukunft – die dieses hier Lesenden werden ihn nicht erleben. Zumal keiner weiß, wie der aussehen soll und wird. Werden wir uns besiegen, indem wir einander bekämpfen, bis das Thema Mensch für diese Erde erledigt ist?

Werden wir uns besiegen, indem wir es schaffen, unseren darwinschen Kampf ums Dasein zu einem vernünftigen Miteinander nicht nur der Menschen zu beenden? Es sieht nicht nach Letzterem aus; wie so oft in der Menschheitsgeschichte. Und wenn es so weitergeht mit den derzeitigen Machthabern und ihren Unterstützern, frage ich mich sicherlich nicht unbegründet:

Was bleibt bei deren Sieg heil?
Naja, selbst für die Verlierer geht das Leben weiter; bis zum Schluss.

PS: „Nun siegt mal schön!“ Sagte der damalige Bundespräsident Heuss 1958 anlässlich einer Ansprache an Teilnehmer eines Bundeswehrmanövers zum Abschluss. Dem möchte selbst mein Zynismus nichts hinzufügen, außer: Kriegsspiel kann süchtig machen…

Und findet sein Ende wohl nur im „Heldentod“. Ohne „Reset“. Diese Taste kennt der letzte Sieger nicht.
Na denn, weiter so und bis dahin!


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