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Was ich noch sagen wollte…

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Die Kolumne aus Jülich | Grafik: Sebastian von Wrede
Gisas Kolumne | Grafik: Sebastian von Wrede
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Manchmal ist das ja so eine Sache mit den Scherzen. Also einerseits mit denen, die immer und überall angewendet werden können und vor allem darauf ausgerichtet sind, andere zu erheitern: witzig-fiktive Erzählungen mit lustiger Pointe. Und andererseits auch mit denen, die mit kurzer Überlebensdauer nur an einem einzigen Tag funktionieren, nämlich am 1. April, und vor allem darauf ausgerichtet sind, sich selber auf Kosten anderer zu amüsieren: Streiche oder listige Handlungen. Auf der Suche nach dem Erfinder des Aprilscherzes stoße ich mal wieder auf mehr Fragen als Antworten. „In den April geschickt“ und „zum Narren gehalten“ wird nämlich schon ziemlich lange, wenn auch die zahlreichen Theorien zur Ursprungsgeschichte nur teilweise mein Zwerchfell erbeben oder die Mundwinkel nach oben ziehen lassen, sondern – gleich einem schlechten Scherz – im Hals stecken bleiben. Zugleich legen sie bei mir sowohl den Verdacht als auch die Hoffnung nahe, dass sich unter sie gleich mehrere Aprilscherze – per Definition „erfundene, verfälschte, meist spektakuläre Geschichten, Erzählungen und Informationen“ – geschlichen haben. Ob sich tatsächlich im Jahr 1530 so viele Menschen auf einen zuvor angekündigten „Münztag“ am 1. April verlassen und darauf spekuliert haben, dass sich der Wert des Zahlungsmittels zu diesem Stichtag vermehren würde? Die Zocker verloren alles und wurden fortan nicht nur an diesem Tag verspottet. Oder ob sich der französische König Heinrich IV. in seiner Liebestollheit und unersättlichen Hormonwallung tatsächlich via schriftlicher Einladung eines jungen Frauenzimmers zu einem heimlichen Treffen auf ein Lustschloss locken ließ, in dem ihn dann sein angetrautes Weib samt Hofstaat zum „Narrenball“ erwartete und damit just an einem 1. April in die Falle tappen ließ und der Lächerlichkeit preisgab? Soll tatsächlich Luzifer an diesem Tag in die Hölle eingezogen sein oder ein Teil Frankreichs die Einführung des neuen Kalenderstarts zum 1. Januar verschlafen und den Jahreswechsel weiterhin von März auf April begangen haben – vom Rest des Landes fortan als „Aprilnarren“ verspottet? Doch Scherz beiseite: dass April und Laune miteinander zu tun zu haben, leuchtet mir tatsächlich ein, wenn ich angesichts dieser Geschichten die Augen gen Himmel verdrehe. Wenn „etwas Laune macht“, muss es nicht immer ein Scherz sein, aber erheiternd ist es in jedem Fall. So wie es im April auch definitiv von der Laune des Wettergottes abhängt, ob wir den Grillrost oder die Autoscheibe freikratzen müssen – manchmal sogar innerhalb eines einzigen Tages – und das nicht nur am scherzverdammten Monatsersten. Der eine hat „Laune“ beim Funkenflug, der andere am Schneepflug – jedem nach eigener Sch(m)erzgrenze. Bestätigt werde ich in dieser Aprilscherzwetterlaunentheorie durch folgende Tatsache: Bis auf Luzifer haben alle oben erwähnten „Erfinder/innen“ europäische Wurzeln, die von Auswanderern später – im Tausch gegen Halloween – über den Großen Teich nach Nordamerika verschleppt wurden. Doch auch auf der südlichen Welthalbkugel gibt es diesen „Brauch“ – in ganz Lateinamerika am 28. Dezember. Ein kurzer Blick auf die Durchschnittstemperatur eines durchschnittlichen lateinamerikanischen Staates ergibt: tagsüber ist Grillen bei 30 Grad und nachts Autokratzen bei 0 Grad im Bereich des Möglichen – wie eben an einem ganz normalen 1. April irgendwo in Europa. Na bitte…

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Gisa Stein
Aus dem Herzen der Lutherstadt Wittenberg in die Herzogstadt gekommen und angekommen: "Wenn ich erlebe, dass Menschen weite Wege gehen, gar von anderen Kontinenten anreisen, um die Jülicher Zitadelle zu besichtigen, entwickle selbst ich als "Immi" eine gewissen Stolz..."

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