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Mit Leidenschaft ins Archiv

„Ich bin da angekommen, wo ich immer hinwollte“, stellt eine offensichtlich zufriedene Susanne Richter fest. Seit 2020 leitet die studierte Historikerin das Archiv der Stadt Jülich.

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Susanne Richter. Foto: Britta Sylvester
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In der Schule kündigte ein Aushang eine Führung durch das Mönchengladbacher Stadtarchiv an und „damit hatten sie mich“, lacht die „schon immer“ Geschichtsbegeisterte rückblickend. Kurz vor dem Abitur hatte die junge Frau einen festen Plan im Kopf. Der lautete: Geschichte auf Lehramt studieren, nach dem ersten Staatsexamen die Promotion anschließen und dann an der Archivschule in Marburg die passende Weiterbildung machen. Doch „dann passierte das Leben“.

Susanne Richter schloss ihr Studium ab, bekam ein Baby und ging erst einmal in Elternzeit. Ihrer Leidenschaft für die Historie blieb sie dennoch treu, auch beruflich. Der Kontakt zum Mönchengladbacher Archivleiter war seit Schulzeiten nicht mehr ganz abgerissen. Durch ihn landete sie im Lektorat für historische Zeitungen, wo sie auch für das Layout zuständig war. Auch wenn das nicht ganz der ursprüngliche Plan war, bereut hat die Historikerin nicht, dass es anders gekommen ist: „Ich würde alles genauso wieder machen, auch die Umwege.“

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In Jülich gelandet ist die gebürtige Gladbacherin 1992, der Liebe wegen. Auch das ein Schritt, den sie genauso wieder gehen würde: „Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt in Jülich, das ist schon eine besondere Stadt.“ Angesichts der überall greifbaren Geschichte in der Herzogstadt irgendwie naheliegend. Schließlich ist und bleibt ihr Fach auch ihre große Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die sie auch gerne weitergeben möchte. So liegt ihr beispielsweise die archiv-pädagogische Arbeit besonders am Herzen, dafür erarbeitet sie mit ihrem Team gerade ein Konzept.
Bevor Susanne Richter am Zielort Stadtarchiv gelandet ist, hat sie im Museum Zitadelle gearbeitet. Kataloge und begleitende Materialien zu den Ausstellungen zusammenzustellen habe ihr viel Spaß gemacht – schließlich muss man auch dafür forschen und recherchieren. Mittlerweile sei die eigene Forschung eher Luxus, es gehe vor allem darum, die Archivnutzer bei ihren Recherchen zu unterstützen. Aber „genau dafür sind wir da“, so Richter, ein Archiv müsse genutzt werden, es sei das „Gedächtnis der Stadt.“ Das den Menschen bewusst zu machen, ihnen einen Zugang zu schaffen, hat sich die Leiterin auf die Fahne geschrieben. Dazu kann vielleicht eine Ausstellung wie die aktuelle, die „Geschichte im Zentrum“ zeigt, beitragen. In Kooperation mit dem Museum Zitadelle sind hier Jülicherinnen und Jülicher aus vergangenen Epochen in den Mittelpunkt gerückt worden und dürfen ihre ganz persönlichen Lebensgeschichten erzählen. „Über die persönliche Ebene entsteht ein ganz anderes Interesse“, ist Susanne Richter überzeugt.

Biografien hat sie übrigens bereits viele geschrieben. Das habe sich so ergeben, schmunzelt sie: „Ich bin da nicht drauf zugelaufen.“ Es seien die Themen, nicht die Epochen, die sie in der Geschichte so begeistern. Gerade – wenn es denn die Leitungsaufgaben erlauben – recherchiert sie zu jüdischen Jugendvereinen der 1920er und 30er Jahre, auch der sogenannte Kulturgutschutz während des zweiten Weltkriegs hat es ihr angetan oder aber die Geschichte der evangelischen Gemeinde. „Ich lasse mich schnell begeistern und dann gebe ich Vollgas“, weiß Susanne Richter und muss schon fast über sich selbst lachen. Auch für die „Kulturstrolche“ engagiert sie sich, arbeitet gerne mit dem Geschichtsverein und dem Museum zusammen – „Ich mag Kooperationen“ – und in diversen Arbeitskreisen ist sie aktiv.
Die schon zu Schulzeiten geplante Weiterbildung zur Archivarin hat Richter dann doch noch gemacht. Und das sei auch gut gewesen, resümiert sie, denn „es gibt so viel zu wissen, auch rechtliches.“


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