Spätestens bei den ersten Tönen von „Highway to hell“ war klar, dass diese Veranstaltung unterm Kirchendach nicht die üblichen Erwartungen an einen Besuch im Gotteshaus erfüllt. Wer sich an diesem Samstagabend auf den Weg in die kleine Bourheimer Kirche St. Mauri gemacht hatte, hatte denn auch von vorneherein anderes im Sinn. Zum 12. Mal hatte ein vierköpfiges Männerteam dazu eingeladen, sich gemeinsamen „geistlichen Freuden“ zu widmen. Denn dreimal pro Jahr heißt es in dem kleinen Ort: „Share your Spirit“. Eine Einladung, der viele Besucher und einige Besucherinnen immer wieder gerne folgen, einige sind Stammgäste beim Whiskytasting unterm Kirchendach.
„Sich auf den Weg machen“ war denn auch das Motto dieses Abends, denn das Pilgern lieferte den thematischen Rahmen. Die Reiseleitung übernahmen Thomas Hilgers, Jochen Heyartz, Martin Pieters und Dietmar Müller gemeinsam. Abwechselnd präsentierte das Quartett ein eigens für diesen Anlass gewähltes „Wasser des Lebens“, flankiert von Erzählungen wie etwa der Geschichte von Jonas, der sich im fernen Japan auf das Wagnis einer Pilgerreise einlässt. Selbstredend stammte auch das geistreiche Getränk aus dem Land der aufgehenden Sonne. Selbst die Musikauswahl und der anschließend servierte Snack – Brot nach fernöstlichem Rezept – passten perfekt zusammen.
Ein Muster, dem der ganze Abend folgte: So gab es zum Whisky namens „Guard Bridge“ neben historischen Fakten rund um die Pilgerwege von Fife über den Fluss Eden die passenden Töne von Simon & Garfunkel, die ihre Brücke über unruhigem Gewässer besangen. Geschichten über eigene Erlebnisse während des Pilgerns, Lieblingsmusik vom Band – oder im Fall von Martin Pieters selbst gespielt und gesungen – und von den Ehefrauen des Whiskyquartetts Selbstgebackenes gaben der Veranstaltung ein sehr persönliches Gesicht. Flackerndes Kerzenlicht sorgte für Atmosphäre und zusätzliche Wärme, die auf 30 Menschen begrenzte Gruppengröße dafür, dass es gemütlich blieb.
Zwischen den einzelnen Erzählungen und der andächtigen Stille, wenn ein neuer Tropfen probiert werden wollte, ergaben sich rege Gespräche. Schmeckt der namibische Whisky nun würzig, holzig oder doch eher torfig? Können Vanillenoten oder Fruchtaromen ausgemacht werden? Bereitgelegte Zettel samt Stift boten die Möglichkeit, eigene Notizen zur Stil und Charakter zu machen. Für weiterführende Informationen hielten die vier Reiseleiter noch QR-Codes bereit. Die durchdachte Planung der gesamten Veranstaltung reichte bis hin zum Wasser für den Durst zwischendurch.
Das Tasting findet nicht zufällig in St. Mauri statt, ist doch der Erlös des Abends für den Erhalt des kleinen Gotteshauses mit seinem hübschen romanischen Glockenturm gedacht. Die vier Männer hinter „Share your Spirit“ sind nicht nur Whiskyfreunde, sondern auch im Förderverein für ihre Kirche engagiert. Einen festen Preis verlangen sie für nicht, gespendet werden kann hinterher: entweder per Geldschein, der – stilecht – in die wartende Whiskyverpackung gesteckt wird, oder aber per Überweisung. Sämtliche Bankdaten finden sich gleich neben den „Tasting Notes“.
Nach dem offiziellen Ende, musikalisch übrigens mit dem „Stairway to heaven“ als Kontrast zum höllischen Intro eingeläutet, war noch lange nicht Schluss. „Wir wollen die Flaschen ja jetzt nicht halbvoll mit nach Hause nehmen“, schmunzelte Ideengeber Dietmar Müller und lud zum Ausklang auf eine weitere Geschmacksreise vorm Altar ein.





































