Die aus Bonn stammende Band Sticky Fingers, die es nun schon seit 48 Jahren gibt, spielt ausschließlich Songs der The Rolling Stones aus den 60er- und 70er-Jahren. Die Band legt großen Wert auf Authentizität. Das hört und sieht man deutlich: Der Bass stammt aus dem Jahr 1962, und auch das Schlagzeug – die Drums – datieren auf 1966. Damit bewegen sie sich klanglich und optisch ganz nah am Originalsound der The Rolling Stones und unterstreichen ihren Anspruch, nicht nur musikalisch, sondern auch im Detail eine möglichst echte Zeitreise in die Ära der 60er- und 70er-Jahre zu bieten.„Das zeichnet uns aus gegenüber anderen guten Tribute-Bands. Dass wir versuchen, eine bestimmte Zeit wiederzugeben. Wir versuchen so eine Art Zeitreise zu machen“, sagt Volker Hovestadt alias Keith Richards.
Gespielt wurden natürlich viele Klassiker der The Rolling Stones aus den 60er- und 70er-Jahren – mit Ausnahme des Songs „Love Is Strong“ aus dem Jahr 1994. Zu hören waren unter anderem „Gimme Shelter“, „Sympathy for the Devil“ und „Miss You“. Es wurden aber auch weniger bekannte Songs der Stones gespielt, wie der psychedelische Titel „2000 Light Years from Home“, „Monkey Man“ oder „Dead Flowers“. Mit „Carol“ & „Let It Rock“ gab es auch zwei Songs von Chuck Berry, dazu mit „Not Fade Away“ einen von Buddy Holly sowie mit „Route 66“ einen von Nat King Cole – die natürlich auch von den The Rolling Stones gecovert wurden. „Jeder Song wurde von den Stones so gespielt – live oder auf einem Album“, sagt Frontmann Günther Grothaus zwischen den Songs. Bei „Paint It Black“ ging Mick – alias Günther Grothaus – sogar von der Bühne ins Publikum.
Obwohl sie zu den Vorreitern der deutschen Tribute-Bands gehören, waren sie nicht die ersten, wie: „Als es 1978 losging bei uns, gab es schon eine sogenannte Tribute-Band, die hatte den Namen Tribute-Band damals noch nicht, weil es diesen Begriff überhaupt nicht gab. Die erste Band war die Beatles Revival Band. Die Revival Band war ausschließlich die erste Band, die eine Band nachinterpretiert hat. Und ein Jahr später wurden dann die Sticky Fingers gegründet. Die erste Band, die die The Rolling Stones nachgespielt hat.“ erklärt Hovestadt. „Wir haben das gemacht, weil wir die The Rolling Stones klasse fanden und die auch etwas anders waren als die Beatles. Die Beatles waren uns zu brav und die The Rolling Stones – da flogen schon bei den ersten Konzerten die Stühle auf die Bühne. Das war, was uns gefallen hat“, fügt Hovestadt noch hinzu.
Um die Band einmal vorzustellen: Am Hauptgesang sorgt Günther Grothaus mit seiner Bluesharp – einer Mundharmonika, wie sie vor allem in Blues, Folk und Rock eingesetzt wird – für echtes Mick Jagger-Feeling. Auch zeigt er die authentischen „Moves like Jagger“. Volker Hovestadt übernimmt an den Backing Vocals und an der Gitarre die Rolle von Keith Richards. Auch optisch kommen die beiden ihren Vorbildern erstaunlich nahe: Günther verkörpert mit seinem Outfit die typische Mischung aus Androgynität und Glamour – enganliegende Muskelshirts kombiniert mit weit geschnittenen Schlaghosen erinnern stark an Jaggers ikonischen Stil. Volker hingegen setzt auf den unverwechselbaren Look von Keith Richards: Samtjacken, Seidenhemden und eine bewusst zerzauste Piraten-Ästhetik. Dieser Stil, auch als „Pirate Chic“ bekannt, lebt von zahlreichen Accessoires, Tüchern und einer lässigen, fast rebellischen Ausstrahlung. Nicht ohne Grund diente Richards sogar als Inspiration für die Figur des Jack Sparrow, gespielt von Johnny Depp, in der Filmreihe Fluch der Karibik. Vervollständigt wird die Band durch Dirk Eckel an der Gitarre in der Rolle von Mick Taylor, Dietmar Berteld als Bill Wyman sowie Wolfgang Pitzen als Charlie Watts.
Das Einzige, was den Gesamteindruck an dem Abend leicht störte, waren die gelegentlich auftretenden Rückkopplungen. Allerdings passte selbst das irgendwie ins Bild: Es verlieh dem Auftritt eine gewisse Rohheit und Unberechenbarkeit, die den Zeitgeist der Rolling Stones in den 60er- und 70er-Jahren sogar noch authentischer widerspiegelte. Ihre Konzerte galten damals schließlich oft als wild, stürmisch und ein wenig chaotisch – genau dieser Spirit blitzte auch hier immer wieder auf.
Dabei bleibt festzuhalten, dass es sich um eine Tribute-Band handelt und nicht um das Original. Genau diesen Anspruch erfüllen sie aber mit beeindruckender Präzision und viel Leidenschaft. Alles in allem bot der Abend eine Zeitreise in die goldene Ära der The Rolling Stones – mit viel Liebe zum Detail und großer Spielfreude.
Fotos: Volker Goebels und Rolf Sylvester
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