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Wenn die Schule nach Popcorn riecht

Manege frei für die Kids! So ist das aktuelle Motto an der Gemeinschaftsgrundschule Nord. Die Schülerinnen und Schüler beider Standorte arbeiten auf ihre Vorstellungen beim Circus Lollipop hin.

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Trainer des Circus Lollipop mit Artistin bei der Probe. Foto: Ariane Schenk
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Dieser Tage kann man in der Nordschule Jülich nochmal die Adresse prüfen und sich fragen, ob man wirklich in einer Grundschule gelandet ist. Denn seit dem 18. Mai sind die Wände mit Clowns geschmückt, in den Gängen riecht es nach Popcorn und auf dem Schulhof… „Am Montag, als die Kinder morgens in die Schule kamen und das Zirkuszelt sahen, das war so toll zu sehen – da leuchteten echt die Augen“, berichtet Schulleiterin Jennifer Gisbertz-Künster des Standorts Jülich. Auch sie selbst habe über die andere Atmosphäre gestaunt, als sie das erste Mal im Zelt gestanden habe.

Eine halbe Stunde am Tag dürfen die rund 500 Kinder ihre Parts als Clowns, Trampolinis, „alte“ sowie moderne Akrobatinnen und Akrobaten, auf dem Trapez, beim Feuerschlucken, in der Zauberei oder Jonglage einüben. Selbstverständlich mit allen Sicherungen in den Übungen sowie hinterher bei der Vorstellung selbst. Dabei sind die Kinder in Gruppen eingeteilt, die sich abwechseln. Der Rest des Tages wird mit anderen Aufgaben gefüllt, die zum Thema „Zirkus“ passen: Etwa der Herstellung von Jonglier-Bällen oder der Erstellung von Stop-Motion-Filmen, die in selbstgebauten Manegen spielen. Selbst in der Nachmittagsbetreuung (OGS) an beiden Standorten würde das Thema seinen Platz finden. Die Ergebnisse aus der Woche sollen auch hinterher ausgestellt werden. Dass das Schulhaus sich mit der Aktion optisch verändert, das ist beim Gang durchs Gebäude deutlich zu sehen.

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Das Projekt, so Claudia Flucht, Jennifer Gisbertz-Künster und Anthony Wandruschka, Leiter des Circus’ Lollipop, soll eine bleibende Erinnerung im Leben der Kinder sein. Ein einmaliges Erlebnis, bei dem sie im Mittelpunkt des Geschehens stehen, beziehungsweise eines, bei dem das Kind nach eigener Präferenz ganz vorne dabei oder aber ein wichtiger Teil des Ganzen ist. Darum ist es Wandruschka wichtig, keinen Druck auszuüben – wer sich falsch eingeschätzt hat, darf noch die Gruppe wechseln und wer sich doch nicht traut, muss auch bei der eigenen Vorführung nicht auftreten. Und natürlich seien auch Fehler in Ordnung. Ziel sei, dass der Abschluss wirklich wie eine große Show ist – inklusive professionellem Licht und echtem Swarovski-Strass.

Außerdem ist der Mitmach-Zirkus offenbar ein Projekt, bei dem alle anpacken – auch die Eltern. Am Sonntag vor Beginn der zwei Aktionswochen sei mit Elternhilfe von 9 bis 15 Uhr aufgebaut worden, heißt es. Und der Zirkusdirektor erzählt außerdem, dass die riesigen in den Schulhof geschlagenen Sicherungsnägel von einem Vater rausgezogen werden, der über entsprechend große Fahrzeuge verfügt. Es ist das vierte Mal, dass der Circus Lollipop in der Gemeinschaftsgrundschule Nord gastiert. Der Teilstandort Welldorf ist das dritte Mal dabei. Alle vier Jahre findet die Kooperation statt, denn jedes Schulkind soll einmal die Möglichkeit haben, Teil der besonderen Zirkusshow zu sein. Besonders sei das Angebot auch deshalb, weil es sprachfrei funktioniere, so die Welldorfer Schulleiterin. Schön sei zu sehen, dass somit auch Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, ohne Sprachbarriere zeigen könnten, was in ihnen steckt.

Dass so ein Mitmach-Zirkus gut fürs Selbstbewusstsein ist, ist wohl selbstverständlich. Doch Anthony Wandruschka berichtet noch von weiteren positiven Rückmeldungen: Oft hieße es, die Pausen würden anschließend ruhiger. Ursache dafür sei, dass die Gruppen jahrgangsgemischt eingeteilt seien und man sich somit untereinander kenne. Konflikte und Probleme würden so reduziert. Ob die von Claudia Flucht, Leiterin des Schulstandorts Welldorf, eingeteilten Gruppen auch diese Wirkung entfalten, wird sich zeigen. Zumindest scheinen sie bisher eine Puzzle-Arbeit gewesen zu sein: Die Einteilung erfolgte nach einem der sechs Vorführungstermine sowie Geschwisterverhältnissen. Ähnlich schwierig gestalteten sich wohl die „Mitbring-Zettel“ an die Eltern, denn die Kinder sollen zu Hause nicht sagen, was ihre persönliche Artisten-Aufgabe ist – aber mussten dennoch die passende Kleidung mitbringen.

Für das erste Leitungsjahr an der GGS Nord ist es ein großes Projekt, das Gisbertz-Künster in den Räumen ihrer Schule betreut. Doch sie sei schon mit dem Zirkus aus vorherigen Standorten vertraut – wenn auch die Nordschule größer sei als das bisher erlebte. Zur so berichteten entspannten Stimmung verhilft wohl auch, dass das Lehrpersonal den Berichten zufolge sehr flexibel arbeitet. Man sei schnell an einem Punkt angelangt, an dem zügig reagiert und etwa die Aufteilung neu angepasst werden konnte. Außerdem hätten die Lehrkräfte nicht unbedingt an ihren eigentlichen freien Tagen und Zeiten festgehalten, was die Betreuung erleichtert habe. Dabei schwänge mit, dass sie jetzt, losgelöst vom Schulalltag, einen anderen Blick auf die Kinder hätten und neue Kinder kennenlernten. Und apropos flexibel in der Gestaltung: Für die Gestaltung der trainingsfreien Zeit konnten die Lehrerinnen und Lehrer entweder mit den Kindern zusammen Aufgaben entwickeln oder etwas im Vorhinein Überlegtes anbieten. Teilweise hätten die Kinder aus dem Vorgegebenen etwas Eigenes gemacht. Ein Zeichen, wie engagiert die Kinder sind.

So zeigen sich auch die Schülerinnen Xhuljana und Jenny. Ihre Aufgabe bezeichnen sie als „cool“ und trotz anfänglicher Panik seien sie nun so weit, dass sie gut klarkämen und einige Sachen für ihre Nummer gelernt hätten. Auch wenn sie noch ein wenig Angst vor der Vorstellung hätten, lautet doch ihr Fazit für den Circus Lollipop: „Sehr, sehr cool. Das hätten wir nicht erwartet, aber wir freuen uns darüber.“


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