
Glückwünsche, Rückblicke, Ausblicke und natürlich eine standesgemäße Party gehören zu einem runden Geburtstag wohl einfach dazu. Zwar feierte die Enrichment Technology Company, kurz und bekannter ETC, gerade einmal zarte 20 Jahre ihres Bestehens – die Geschichte des Unternehmens ist allerdings weit älter. Vorgänger auf dem heutigen ETC-Gelände war die GKT, 1964 gegründet und 1970 als Uranit privatisiert. Mittlerweile ist das Untenrnehmen multinational, fünf Länder haben sich zusammengetan und arbeiten hier an einer „der weltweit fortschrittlichsten Technologien“, wie Simon Segal vom französischen Partner Orano es ausdrückte.
Reinhard Hinterreither, Vorstand der ETC-Gruppe, warf einen Blick zurück in die Geschichte: Gegründet 2003 als Teil der Urenco, der Uranium Enrichment Company, verkaufte eben dieses Unternehmen im Jahr 2006 die Hälfte seiner Anteile an Areva, das heute als Orano firmiert. Damit markiert der Sommer 2006 die Geburtsstunde von ETC und den Beginn einer Erfolgsgeschichte. Die Zahlen sind eindrucksvoll: Waren es vor fünf Jahren 187 Angestellte so arbeiten mittlerweile mehr als 800 Menschen am Jülicher ETC-Standort und machen diesen damit zum größten von aktuell fünf Niederlassungen weltweit, Tendenz steigend. Weiteres Wachstum, auch im Hinblick auf eine bauliche Erweiterung, ist fest einkalkuliert. Dass derlei Planungen auch bei Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs auf Gegenliebe stoßen, ist mehr als verständlich. „Für einen Bürgermeister geht es ja manchmal auch ein bisschen um Geld“, erklärte Fuchs augenzwinkernd und ergänzte: „Ich darf Ihnen sagen, ich freue mich, dass ETC hier ist.“ Landrat Dr. Ralf Nolten (CDU) sah das wenig verwunderlich ebenso und formulierte kurz und knapp: „ETC in Jülich ist gut. Gut für Sie und gut für uns.“ In der hiesigen „Energieregion“ fände ein Unternehmen wie ETC hervorragende Bedingungen, so Nolten, hier sei man offen für die Frage, wo die Energie der Zukunft herkommen solle. Auch die „akademische Dichte“ mit exzellenten Universitäten in Aachen, Köln und Bonn und der technische ausgerichteten Fachhochschule Aachen quasi vor der Haustür sei ein Vorteil, den man sonst nirgendwo fände, zeigte sich der Landrat überzeugt.
Gleichwohl sprach Landrat Nolten auch die schwierigeren Aspekte des Themas an: die nach wie vor ungeklärte, sichere Endlagerung von radioaktiven Abfällen und die viel diskutierten Castor-Transporte vom ETC-Nachbarn, dem Forschungszentrum Jülich. Denn das Kerngeschäft der ETC ist die Anreicherung von Uran mittels so genannter Gaszentrifugentechnologie, um das radioaktive Metall als Brennstoff in Reaktoren einsetzen zu können.
Kernenergie sei die einzige „Baseload“-Technologie, die zuverlässig CO2-freien Strom liefern könne, betonte CEO Reinhard Hinterreither seine Überzeugung. Zudem könne nur mit Kernenergie der „Wucht der Energie“, die KI schon jetzt, aber vor allem zukünftig brauchen wird, begegnet werden. Nur mit erneuerbaren Energien könne man den gewaltigen Energiehunger von Künstlicher Intelligenz nicht stillen. Nicht umsonst würde weltweit auf den Ausbau von Kernkraftwerken gesetzt, alleine die USA würden ihre Reaktoren mindestens verdoppeln wollen. „ETC hat eine helle Zukunft, wir müssen sie jetzt bauen“, fasste Guillaume Dureau, Vorstandmitglied der französischen Orano und früherer CEO von ETC, Zukunftsvision und Aufforderung zusammen. Angesichts der in den Festreden skizzierten Entwicklung der Kernenergie-Nutzung sind die Wachstumspläne der ETC nur verständlich.
Noch bis Ende des Jahres sollen am Jülicher Standort weitere acht Millionen Euro investiert werden, erklärte Maurice Emunds, stellvertretender Standortleiter. Gemeinsam mit dem Leiter der Jülicher Niederlassung, Andreas Scholz, verwies Emunds auf die zentrale Rolle der Mitarbeitenden. Ihnen sei zu verdanken, dass dieser „tolle Meilenstein“ erreicht werden konnte. „Der ganze Standort ist immer noch eine große Baustelle“, konstatierte Emunds schmunzelnd. In den letzten drei Jahren seien neben einer Lagerhalle und einem Fertigungsgebäude auch Kantine und Büros entstanden. Aktuell sind ein Sozialgebäude und weitere Büros in Planung. Viel Platz für viele neue Mitarbeitende also. Aber erst einmal durften die „alten“ Kolleginnen und Kollegen sich selbst mit einem großen Geburtstagsfest feiern. Im Anschluss an den offiziellen Festakt gehörte das Gelände wieder ganz der Belegschaft, die auf 20 Jahre eines ganz speziellen Unternehmes anstoßen konnten.



























