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Das Leben feiern

Klaus Ahlert ist ein gefragter Mann über die Grenzen der Herzogstadt hinaus.

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Das Leben feiern
Klaus Ahlert, © Dorothee Schenk
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Abschiede gibt es viele: Von Orten, von Menschen, vom Single-Dasein…Das schafft nicht jeder für sich alleine. Einer, der dabei in vielen Lebenslagen hilft, ist Klaus Ahlert. Als freier Theologe und fortgebildeter Psychotherapeut begleitet er Menschen weit über die Grenzen Jülichs hinaus.
Eigentlich ist er schon Rentner, schmunzelt der 66-Jährige, der sich aber der großen Nachfrage nach seiner Unterstützung nicht entzieht. Obwohl er sagt: „Ich muss jetzt mal bremsen“ nimmt er trotzdem keine Auszeit vom Alltag. Urlaub hat Klaus Ahlert seit fünf Jahren nicht mehr gemacht. Zu leiden scheint er daran kaum.  Workaholik? Vielleicht eher Leidenschaft, denn ganz entspannt und bei sich scheint der Mann zu sein, der da in der ersten Etage in seiner Praxis an der Gereonstraße im Stuhl gegenüber sitzt.
Alleine im vergangenen Monat begleitete er 17 Beerdigungen und sechs Trauungen, im Jahr kommt er – hochgerechnet – auf 150 Trauerfälle und 60 Paare, die er auf den Weg in die Zweisamkeit bringt. „Ich bin“, sagt der Katholik mit einigem Augenzwinkern, „ein bisschen eine eigene Kirche.“ Da kommt der Wahl-Jülicher nämlich eigentlich her.
Im weitesten Sinne ist Klaus Ahlert ein Kind der Herzogstadt: Denn geboren ist er in Düsseldorf, der späteren Residenzstadt Wilhelm V., des Reichen. Früh war der Weg scheinbar vorgeprägt: In Münster hat er in einem ordensgetragenen Internat sein Abitur gemacht, ohne dem Vorhaben der Brüder, ihn zum Kleriker zu machen, nachzugeben. Lange Zeit sollte er nun ein Suchender sein, ein Mensch, für den viele kleine Abschiede den Lebensweg pflasterten. Zunächst ging es nach Aachen an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule zum Studium des Bauwesens. „Ich wäre fast Architekt geworden“, erzählt er schmunzelnd. Den Gedanken ließ er aber auch hinter sich und sattelte um auf „Gewerbelehramt“. Im Klartext: Er unterrichtete an einer Berufsschule in Aachen. Keine Perspektive auf Dauer, wie sich zeigte. In seiner Studentenverbindung hatte er einen Korpsbruder, der Theologie studierte. Hier glaubte Klaus Ahlert seine Berufung gefunden zu haben: Studium, Priesterseminar und schließlich die Weihe 1988 waren die Konsequenz. So kam er nach Jülich an die damalige Propsteipfarre.

Klaus Ahlert, © Dorothee Schenk

Drei Jahre lang waren Kanzel und Gemeinde sein Zuhause. Der Liebe wegen nahm er schließlich doch seinen Abschied vom Zölibat – er wurde Ehemann und Vater. Ein wichtiger Einschnitt, der nicht ohne Blessuren vonstatten ging. Inzwischen hat er sich mit seiner Kirche ausgesöhnt. Schließlich liebt er, was er heute tut, versteht sich nach wie vor als Seelsorger. Denn der Theologe, der gern von Lebensfeiern spricht, die er mit Menschen begeht, weiß genau, dass es in der „Branche“ immer auch um den Verdienst geht: „Auf dem Trauungssektor gibt es viel Geld zu verdienen“, sagt er mit Hinweis auf den etwas zweifelhaften Markt, in dem er sich nicht in Konkurrenz stellt.
Muss er auch nicht. Schließlich ist Klaus Ahlert ein gefragter Mann: Ob für die wichtigen Ereignisse im Leben  oder auf dem Podium zum Thema Abschied, wie kürzlich in der Eifel. Mit Vertretern der Kirche und Bestattern ging es um Formen und Zeremonien des Abschieds. Erkenntnis: Individualität ist das, was die Menschen heute suchen. Statt der Trauer die Erinnerung in den Mittelpunkt zu stellen, das ist der Ansatz von Ahlert. Dann kann eine Gedenkfeier auch mal in der Lieblingskneipe begangen werden, auch wenn der Trauerbegleiter dies als seine wohl „abstruseste, aber trotzdem gesittete“ Beerdigung beschreibt.
Persönlich ist sein nachhaltigster Abschied der von seinen Eltern. „Ich merke bei jeder Trauerfeier, dass ich noch tiefe Wunden habe, die ich gerne wegdrücke. Wie man es so gerne rheinisch sagt: ,Tschö’“. Klaus Ahlert hebt die Hand – gleichzeitig Gruß und „Abstandhalter“–, lächelt und sagt: „Das machen extrem viele Leute so.“

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