Start featured Goldene Grundstein des „Gebetsreaktors“

Goldene Grundstein des „Gebetsreaktors“

Das Gesicht der Stadt entscheidend mitgeprägt hat Helmut Rademächers (1933-2013). Neben einer Vielzahl von Wohnhäusern, Ladenlokalen und der „Kleinen Kö“ entstammt seiner Feder auch das Wahrzeichen des Nordviertels: die Kirche St. Franz von Sales.

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St. Franz von Sales, Kirche im Nordviertel. Foto: Dorothée Schenk
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Vor 50 Jahren wurde der Grundstein der Kirche St. Franz von Sales gelegt. Die Entscheidung für das Nordviertel als eigener Seelsorgebezirk geht auf das Jahr 1961 zurück.

Wie Norbert Thiel zum 25-jährigen Jubiläum der Gemeinde schreibt, hatte die Kirche ein knapp 7000 Quadratmeter großes Grundstück zwischen dem früheren Artilleriefahrplatz und dem rückwärtigen Gebiet der Kommstraße gekauft. Hier stand der alte Bauernhof, der Johannishof, mit Scheune und Stall. Die beiden Letzteren wurden am 16. März 1967 abgebrochen. Der Boden war bereitet für einen Neubau.

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Architekt Helmut Rademächers erinnerte sich im Gespräch zur 40-jährigen Grundsteinlegung, dass an Heiligabend 1968 um 14 Uhr der damalige Bürgermeister Karl Knipprath bei Rademächers mit dem Auftrag anrief, bis zum Neujahrsempfang der Propsteipfarre den Plan für einen Kirchenbau im Nordviertel vorzustellen. Fakten sollten geschaffen werden, denn das Bistum Aachen wollte, so erinnerte sich Helmut Rademächers, lediglich eine „Behelfskirche“ errichten lassen. Festpreis 470.000 DM. Bei diesem unvorstellbar niedrigen Preis für den Baukörper – zuzüglich 50.000 Mark für die Innenausstattung – sei es geblieben. Ein Jahr lang benötigten die Detailplanungen, und Ende des Jahres 1969 konnten die ersten Arbeiten für die neue Kirche im Nordviertel ausgeschrieben werden. Nach Vergebung aller Aufträge begannen am Aschermittwoch 1970 die Bauarbeiten. Bis Mitte Juli waren die Rohbauarbeiten abgeschlossen, ein Monat später die aufwendige Dachkonstruktion. 13 Meter in der Höhe zeichnet das unverkennbare Dach, eine Faltkonstruktion aus Holz und Stahl, seine unverwechselbare Silhouette. Licht in den Kirchenraum kommt durch ein hochliegendes, rundumlaufendes Fensterband. Die Kirche ist ein kleines Schmuckstück geworden.

Das Oktogon wählte der Architekt gründend auf den Erkenntnissen des 2. Vatikanischen Konzils, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinde zu fördern. Außerdem hatten die Gläubigen so Blickkontakt untereinander und zum Altar. Schließlich das pekuniäre Argument: Es war die preiswerteste Bauweise. „Im Bistum Aachen ist nach dem Krieg keine Kirche in Festbauweise zu diesem günstigen Kubikmeterpreis gebaut worden“, erklärte Rademächers 2011. Johannes Palm, Chorleiter in Sales, erinnert zum zehnjährigen Pfarr-Bestehen schriftlich nicht nur an die Anfangszeiten mit Messfeiern in der Nordschule, er überliefert auch die „Kosenamen“ der Kirche wie „Tissen-Hütte“ – angelehnt an den ersten Pfarrer, Franz Tissen, und vermutlich in Erinnerung an die Nissenhütten auf dem Artilleriefahrplatz – und „Gebetsreaktor“.

Am 14. Mai 1970 erlebte das Nordviertel die feierliche Grundsteinlegung der neuen St. Franz-Sales-Kirche. Dechant und Propst Leonhard Esser nahm sie vor und segnete den Kirchplatz. Zum kirchlich-kulturellen Ereignis in Jülich wurde am Palmsonntag 1972 die Einweihung der Vikarie St. Franz Sales: Als Dauerleihgabe überließ das Bistum Aachen der Gemeinde den 14-teiligen „Kreuzweg der Versöhnung“ von HAP Grieshaber, der bis heute die Wände schmückt.

INFO
Zum 50-jährigen Bestehen hat der Gemeinderat St. Franz Sales besondere Veranstaltungen im Jahreslauf geplant. Zum Gedenktag des Namenspatrons Franz von Sales, der am 24. Januar ist, wird am Samstag, 29. Januar, um 17.30 Uhr eine hl Messe gefeiert, die vom Chor Soluna mitgestaltet wird. Weitere Besonderheiten werden rechtzeitig bekanntgegeben. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahrs ist am 20. August, am Tag der Kirchweihe.


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