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Hans-Josef Bülles

Drei Ausbildungen – eine Aufgabe oder "der den Unwägbarkeiten trotzt": Hajo Bülles feiert im Brückenkopf-Park sein silbernes Dienstjubiläum.

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Hans-Josef Bülles. Foto: la mechky +
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Fast möchte man sagen: Er ist mit „dem Park“ verwachsen. „Hajo“ Bülles, wie der getaufte Hans-Josef allseits genannt wird, ist nicht ein Mann der ersten Stunde, vielmehr ein Mann der Stunde Null. Wenn der Jülicher nämlich von „dem Park“ spricht, weiß jeder, der Brückenkopf-Park ist gemeint, aber als der Veranstaltungsmanager vor 25 Jahren in Jülich anheuerte, da war „der Park“ noch Vision und das Projekt hieß „Landesgartenschau“.

Als frischgebackener Absolvent des Studiums in Sport und Veranstaltungsmanagement sah er eine große Chance im Angebot von LaGa-Geschäftsführer Hans Desgronte in dem Bewusstsein, „eintausendsechshundertundeinbisschen Veranstaltungen in 365 Tagen zur organisieren und umzusetzen – mehr Erfahrungswerte kann man eigentlich in kürzester Zeit nicht bekommen. Das war einer der wichtigen Gründe für meine Entscheidung“. Dabei brachte Hajo Bülles schon reichlich Erfahrungen aus dem Ehrenamt mit. So gehörte er unter anderem zum Organisationsteam für das Deutsche Turnerfest in Berlin, Hamburg und München, an dem bis zu 100.000 Personen teilgenommen haben. Bei der LaGa erlebte er nach eigener Aussage dann alle Evantualitäten, die man im Veranstaltungsbereich erleben kann.

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Ein Beispiel: Wenn 10 Minuten vor Veranstaltungsbeginn festgestellt wird, dass eine Künstlerin eine bestimmte Marke eines Kamillentees haben muss und nicht den, den das Team besorgt hat, und dann noch einer losfahren muss, um bei einer Apotheke eben diese spezielle Marke einzukaufen. „Da denke ich jetzt noch dran: Es geht nicht darum, nur zu erfragen, welche Sorte, sondern auch welche Marke es sein soll. Dann hat man weniger Stress.“ Kann man diese Situation noch unter der Kategorie „Starallüren“ abheften, können technische Problemen schon mal das „aus“ für eine Veranstaltung bedeutet. Dann klettert Hajo Bülles auch acht Meter ins Gebälk, um ein defektes Kabel zu „flicken“. „Das war nicht nach Vorschrift: Ohne Sicherheitsgurt, ohne Helm, ohne alles“, erinnert sich der Arbeitssicherheitsbeauftragte des Brückenkopf-Parkes schulbewusst griemelnd und meint achselzuckend „Aber es musste ja gemacht werden. Die Kölner Mentalität hat auch hier hin und wieder gegriffen: Et hätt noch immer jut jejange.“

Geholfen hat Hajo Bülles in dieser Situation auch die erste seiner drei Ausbildungen. Denn zuerst hat der technikbegeisterte gebürtige Weidener an der RWTH eine Ausbildung und seinen Meister als Maschinenbauer gemacht. Seine Kenntnisse hat er zwölf Jahre der Bundeswehr als fachlicher Ausbilder im Bereich der Flugabwehrsysteme zur Verfügung gestellt. 5500 Soldaten, überschlägt Bülles, habe er ausgebildet. Da sei auch pädagogisches Geschick gefordert gewesen, denn zum ihm kamen Soldaten, „die im letzten Dreh noch gezogen worden sind“ und bereits Berufsabschlüssen in technischen Bereichen hatten. Weil ihm das Lehren aber ihm Freude gemacht hatte und er sich ein Berufsleben langes Arbeiten zwischen großen Maschinen nicht vorstellen konnten, sattelte der Meister dann eine Ausbildung als staatlich anerkannter Erzieher und damit Sozialpädagogik oben drauf ehe er in Münster und Düsseldorf Veranstaltungsmanagement im Sport studierte. „Alles was ich im beruflichen Werdegang gelernt habe, kann ich im Park gebrauchen und ich habe auch die Möglichkeit, mal einen Schraubenschlüssel in die Hand zu nehmen und etwas zu reparieren.“

„Trotz vieler schwieriger Zeiten habe ich nie den Gedanken gehabt, Jülich zu verlassen“, sagt der 62-jährige heute. Schließlich war Hajo Bülles praktisch Geburtshelfer des Parks und „ein Baby, das immer größer wird und erwachsen – daran hängt man“. Zweimal, so verrät er, hätte er die Möglichkeit gehabt, eine andere Stelle anzutreten, habe sich aber jedesmal für Jülich entschieden. Es ist vor allem die Freude am Mit-Gestalten und die Vielseitigkeit der Arbeit, die Ausschlag gibt. „Ein reiner Stubenhocker im Büro, dass ist nicht das, was ich 25 Jahre machen wollte.“ Fast 60 Prozent seiner Zeit, sagt Hajo Bülles, ist er draußen im Park und packt eben auch mit an, wenn Bühnenelement aufgebaut werden müssen. Abgesehen davon stellt er Stühle für Trauungen am Ort der Stille auf, ist seit elf Jahren „Der gestiefelte Kater“ des Märchenfestes und hält in der Hochsaison auf Verordnung der Gewerkschaft nach 12 Arbeitstagen dann eine Ruhepause ein. Spricht’s, grinst und bringt seinen markanter Schnauzer in Bewegung.

Gerade in den vergangenen drei Jahren habe es noch einmal viele Veränderungen gegeben im Park und so komme er nach den Gründerjahren „ein zweites Mal in den Genuss, gestalterisch mit eingreifen zu können für die nächsten Jahrzehnte.“ Gemeint ist hier das 3-Bühnen-Konzept, das mit der Kulturmuschel im Mittelpunkt „noch einmal eine neue Dimension“ eröffne. Denn Hajo Bülles kennt sie, die Zeiten, in der sich namhaften Künstler die Mikrophone in die Hand gaben: Die Comedy Künstler Deutschlands, die in den Anfangsschuhen in Jülich zu Gast waren, hat er betreut, Montserrat Caballé empfangen und mit Udo Jürgens Kölsch getrunken. An diese erfolgreichen Zeiten möchte Hajo Bülles wieder anknüpfen und sieht – nachdem die Arena Kreis Düren den Einbruch des Veranstaltungssegments in Jülich brachte – in der „Muschel“ gute Chancen dazu. „Wir haben lange mit Großveranstaltern gesprochen, was wir als Mittelzentrum brauchen. Der Bereich mit bis zu 1500 Personen ist auf Jülich zugeschnitten. Da komme ich in ein Veranstaltungssegment, in dem ich auch wieder namhafte Künstler wieder einwerben kann.“ Das ist das Ziel. „Ich hätte gerne mal wieder die Höhner mit der jungen Symphonie im Park. Höhner Classic – was Schöneres kann man sich eigentlich nicht vorstellen“, schwärmt der leidenschaftliche Karnevalist und Fahnenschwenker. „Da müssen wir in Zukunft wieder hin. Es braucht ein bisschen Anlauf, aber wenn wir einmal wieder drin sind, werden auch viele wieder auf Jülich aufmerksam. „Danach kann ich dann in Ruhestand gehen.“


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