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Kunst-Druck-Graphik

Also : – wir befinden uns mal gedachterweise da, wo Sie gerade sind, doch zeitversetzt. So um das Jahr 1450. Was machen Sie gerade ? Arbeiten. Was sehen Sie außer Arbeit ? Wenig – vor allem keine Bücher oder Bilder – außer in der Kirche, in der Sie sich täglich einzufinden haben. Dort sehen Sie höchstens EIN Buch, das Sie nicht lesen können, und ein paar mittelmäßige Gemälde an den Wänden, deren Inhalt aus dem Ihnen vorgelesen Buch (in einer Ihnen unverständlichen Sprache: Latein) je nach Naturell des vortragenden Klerikers anschließend in der Predigt mal gütig, mal drohend eingebläut wird.

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Foto: Free-Photos / pixabay
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Das ist der Druck, dem Sie neben Ihrem Überlebenskampf ausgesetzt sind. Mehr oder minder zeitgleich (immer noch: vor ca. 500 Jahren…) entsteht nun in der Werkstatt des Johann Gensfleisch, den wir heute als Johannes Gutenberg kennen, zunächst zu Straßburg, dann in Mainz ein ganz anderer: der Buch-Druck. Eine technische Revolution, die in ihrer Umwälzung gesellschaftlicher Verhältnisse durchaus der Erfindung des PCs gleichzusetzen ist, und die nicht aus dem Nichts kam. Denn Bilder mit Text gab es schon vorher- und auch die wurden gedruckt. Als Holzschnitt – und wurden verbreitet als: Bildzeitung. Hinrichtung des Soundso zu Nürnberg zur Unterrichtung und belehrender Abschreckung des Pöbels. Der Pöbel – das Publikum- wollte nun, wie immer, mehr. Nicht unbedingt mehr lesen, sondern sehen. Also wurden die Techniken zur Bedienung der Schaulust verfeinert. Die grobe Linie des Holzschnitts zu HD des Kupferstichs und so weiter… Doch worum ging es grundlegend ?: um Vervielfältigung. Die Masse sieht‘s – die Masse macht‘s. Albrecht Dürers Frau verkaufte die Holz- und Kupferstiche ihres Mannes auf dem Markt – eine Ware, die als solche gerne genommen wurde.

Und nun vorwärts – zurück in‘s 19/20.Jahrhundert. Druckgraphik 2.0. Nach Kupfer-, Stahlstich und anderen Techniken, deren man sich reproduktiv-illustrativ bediente, wurden wieder Künstler aufmerksam. Nicht nur viel und preiswert, sondern auch so und nicht anders kann man gestalten UND verbreiten. Henri de Toulouse-Lautrec lithographierte Plakate, deren Gestaltung nur oder doch hauptsächlich ihrem Genre verantwortlich waren. Dies war nicht die Geburt, doch sicherlich ein hochpünktlicher Beginn der modernen künstlerischen Druckgraphik. Nun ging es nicht mehr ausschließlich um die Reproduktion einer von Handwerkern „abgekupferten“ Vorlage, sondern der Künstler selbst verfertigte eine Platte/ einen Stein und wertete somit das Produkt auf (das machten zwar Dürer und Kollegen schon, doch das war damals vorausgesetztes Handwerk).

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Was Radierung und Lithographie betrifft, ist es dabei geblieben, allein schon, weil sich der Druckträger abnutzt und keine beliebig hohe Auflage hergibt. Als allerdings der Offset-Druck Einzug hielt, war die künstlerische Gelddruckmaschine gleich miterfunden. Hundertwasser und Konsorten ließen 10tausende Reproduktionen drucken, signierten sich die Finger und das Konto wund. Nicht, dass die Drucke schlecht gewesen wären – aber auch nicht besser, als der gleichzeitig erscheinende Kalender mit denselben Bildern, der per 12 weniger als ein Blatt kostete. Nur die eben ohne den Nimbus der Signatur. Die bisweilen auch nur einen Echtheitsbeweis ihrer selbst darstellt. Dalì signierte 100e leere Blätter, die mit Prägerand versehen als Druckgraphik gehandelt wurden, obwohl sie technisch auch nur Kalenderblätter waren.
Und heute? Sie werden doch wohl selbst einen Drucker haben… dessen Farbechtheit ihr herrliches Urlaubsfoto meist trotz teurem Toner und Fotopapier in absehbarer Zeit in ein Kunstwerk verwandelt – dank Farb-„Stich“. Macht nix, der nächste Urlaub war schon, Bilder satt und genug, muss eh mal was Neues her.
Das ist unser zeitgenössischer Druck.

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