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Eckhard Prost

Im Hintergrund rauschen Geräte und erzeugen eine Kulisse wie im herbstlichen Blätterwald, im Rhythmus piept es, das Telefon klingelt. „Einen Moment noch, ich mach noch schnell was fertig“, ruft es von unsichtbarer Stimme irgendwo aus dem Raum. Ein Besuch bei Eckhard Prost, dem Inhaber der letzten Druckerei von Jülich.

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Mit Druck kann er umgehen: Eckhard Prost. Foto: la mechky+
Mit Druck kann er umgehen: Eckhard Prost. Foto: la mechky+
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Lächelnd, mit Kaffeebecher nimmt er an dem quadratischen Tisch mit Glasplatte Platz. Darunter sind Lettern in allen Größen und Formen sichtbar und würde auch ohne Kenntnis des Ortes sofort klar machen: Hier ist ein Drucker am Werke. Vor 17 Jahren hat der Mann mit Wohnsitz in Schevenhütte die Geschäfte von HGB-Druck in Jülich übernommen, der es seinerseits von der Druckerei Lennartz übernommen hat. Verwinkelt sind die Räume, die sich vom Eingang Kleine Rurstraße bis zur Großen Rurstraße auf der Rückseite erstrecken. „Das macht den Charme des Ladens aus“, sagt der Besitzer schmunzelnd. In der Anfangszeit gab es noch vier seiner „Zunft“ in der Herzogstadt. Heute hat „Prost“ ein Alleinstellungsmerkmal.

Hat das mit den vielen Angeboten im Internet zu tun? Früher, plaudert er aus dem Nähkästchen, war es mal egal, wo der Standort ist. Überwiegend Geschäftskunden nahmen die Dienste in Anspruch und da war der Außendienst die Regel. Das ist Geschichte. „Die Druckerei ist so nah wie die Entertaste“, formuliert es der gelernte Schriftsetzer markig. „Ich gehe davon aus, dass irgendwann die Software so gut ist, das man professionelle Sachen selbst machen kann. Alle Fehler werden eliminiert…“ Allerdings kämen auch viele, die sich auf den Internet-Portalen bedienen würden, wieder zurück, denn: Was aber nicht per Tastendruck funktioniert, ist die Beratung, und auf die würden Kunden viel Wert legen.
Die Regale sind gefüllt mit Musterbüchern für Hochzeitskarten und mit Papieren jedweder Qualität und Farbe. Klangvollen Namen tragen sie wie Iceberg, Forest oder Tropic. Viele Wünsche werden individuell erfüllt. Denn der Mann hat sein Handwerk eben von der Pike auf gelernt.

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Als Schuljunge hat er bereits mit Druck und Satz zu tun gehabt. Der Vater hatte in den 1950er Jahren die Idee, eine Setzmaschine anzuschaffen– die damals das kleine Vermögen von rund 100.000 Mark kostete –, und den Druckereien das „Setzen“ als Dienstleistung anzubieten, so dass der mühselige Satz von Hand entfiel. Hier half der kleine Eckhard schon mit. Das Geschäft war ein Erfolgsmodell, so lange der Bleisatz regierte.

Folgerichtig trat Prost junior 1981 seine Lehre in Eschweiler in einer Buch- und Verlagsdruckerei an. Wie man große Texte in Zeilen gießt, Lettern setzt oder ein Klischee herstellt weiß er seither – einen rein theroetischen Nutzen hat er heute noch davon. Denn, nachdem sich über 500 Jahre fast nichts geändert hatte im Druckgewerbe „kamen 30 Jahre des gewaltigen Umbruchs“. Alle Entwicklungen hat Eckhard Prost mitgemacht: Von den ersten Fotosatzgeräten, ersten Laserbelichter – bei denen sich ein Bildschirm mit kryptischen Zeichen füllte – bis Bildschirme aufkamen, auf denen man wieder sah, was man setzte: „Wysiwig“, was soviel heißt wie „What you see is what you got“. „Das war eine Revolution!“
In der Festanstellung nach der Lehre als Geselle hielt es ihn aber nur zwei Monate. Die Fachoberschule für Gestaltung absolvierte er und eröffnete anschließend mit Bruder und Vater einen Familienbetrieb in Inden-Pier. „Ich hab es nicht bedauert. Ich möchte es nicht missen und ich glaube, ich kann auch gar nicht anders.“ Bis zu zwölf Stunden, verrät Eckkard Prost, verbringt er oft bei der Arbeit. Oft kämen gute Kunden sehr spät mit Sonderwünschen und möchten etwa am Tag vor der Geschäftseröffnung, dass noch Flyer entworfen und fertig werden. Bis abends wird noch das Layout gefertigt „Wenn bis morgen früh um 9 Uhr die Korrekturen da sind, bekomme ich es noch hin…“ sagt der Gerne-Arbeiter.

Den größten Reiz übt die Vielseitigkeit der Aufgaben aus. Und auch das ist eine Folge der Digitalisierung. „Wie ich heute mein Geld verdiene, hätte ich vor zehn Jahren nicht gedacht. Man muss immer nach neuen Produkten gucken.“ Früher es früher nur Offset-Druck – was man traditionell unter Druckerei versteht von Briefbögen über Formulare bis Flyer – werden inzwischen Displays erstellt, Platten bedruckt, Aufkleber und andere selbstklebende Produkte hergestellt. „Gerade habe ich Fähnchen für eine Burger gemacht“, hält Eckhard Prost das Probeexemplar in die Luft.

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