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Lööf…

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Illustration: Zara Schmittgall
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…nee, das ist kein Schreib- oder Druckfehler. Hier soll es nicht um den ehemaligen Bundes-Jogi gehen, der ging erst lange, nachdem es nicht mehr lief. Da war und ist er nicht der / die / das Einzige. Und somit habe ich für diesen Artikel und meinen Teil der Genderei Genüge getan, die läuft auch – sogar da, wo es nicht geht: m / w / d: manchmal / wirklich / dämlich.
Ja, genau das ist das Erstaunliche. Es läuft auch in Bereichen, wo sich eigentlich nichts bewegt. Nehmen wir einfach mal die seit langem sich abgezeichnet habende Bildungskrise. Bei den Lehrern lief es in den Burnout und bei den Kultusministerkonferenzen dank schöngefärbter und -gelesener Statistiken ins Leere statt aufgabengerecht in die Lehre. Unten wurde unter immer schlechteren Bedingungen gelernt, was das Zeug eben hergab, und oben bei besten Bezügen nichts dazu. Was geändert wurde, war seltenst praxisorientiert, sondern hauptsächlich politische Spielerei. Nun plötzlich (!), da der Keller endlich fast abgebrannt ist und dank medialer Verbreitung auch im Dachgeschoss ein brenzliger Geruch ankommt, hüstelt man verantwortlicherseits nach Feuerwehrleuten. Die husten aber nur zurück: Warum sollten wir unter diesen Bedingungen welche werden? Und bis sie ausgebildet als solche tätig werden könnten… Läuft.

Auch in der Krankenpflege (schnell noch mal etwas Beifall vom Balkon, bitte!) und…(weiteres hier gut leserlich handschriftlich und wie so oft zwecklos eintragen).

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Meinerseits darf hier leider auch die Bundeswehr nicht unerwähnt bleiben, die zur Zeit meines „Dienstes“ (1977-79) schon (ob trotz oder wegen allgemeiner Wehrpflicht) lächerlich aufgestellt war. Da musste erst ein nicht zu unterschätzender Zwerg-Zar einen Krieg vom Nachbarzaun brechen, um unsere jahrzehntelang per immer weiter gekürzten Etats gepflegte Verteidigungsunfähigkeit offensichtlich zu machen. Läuft. Wie dieser Krieg, von dem wir hier – wem und was auch immer sei Dank – nur mittelbar betroffen sind. Lieber zahlen als wirklich bluten. Jedem, der anderer Ansicht ist, empfehle ich einen unbegrenzten „Erlebnisurlaub“ im Donbass. Grüße er mir die „Wagners“. Das eventuell vorher vorhandene Pandemie-Trauma wird dort schnell ersetzt werden und das Inflationsgejammer gleich mit. Denn hier bei uns läuft‘s trotz allem – nicht nur das Jammern – auf nach wie vor hohem Niveau.

Weiter geht‘s : „Ohne Hirn und Arbeitgeber wird man einfach Klimakleber!“.

Ist das kein griffig gereimter Totschlag-Satz von Leuten, die immerhin und vielleicht (noch) einen Arbeitgeber haben? Da kann ich die Brille abnehmen und bin immer noch nicht kurzsichtig genug – geistig schon gar nicht. So zugreifend lässt sich Nicht-Begreifen formulieren. Wer so lööf, bei dem jeht jaanüüs. „Ich hau dich weg, du Klimaterrorist, ich muss mein Kind zur Schule fahren!“ Sehr deutlich und verbindlich formuliert, aber welche Schule hat dieser Vater besucht? Und was hat‘s genutzt – wenn ihm immer noch nicht klar ist, dass sein Kind seine unverschämte Blödheit, die sich da hoffentlich nur verbal ausdrückt, ausbaden wird. Und: Was verursacht mehr Staus: ein paar nicht unberechtigt um ihre und um die Zukunft ihrer Kinder fürchtende Umweltaktivisten oder der weiterhin uneingeschränkte Individualverkehr? Fragen über Fragen… Die im Internet jederzeit beantwortet werden. Von Leuten, die ihre Lebenszeit offenbar nicht besser nutzen können, als solche Dämlichkeiten (s.o.) auch noch genauso unintelligent zu kommentieren. Ja, lööf – dä Berch eraf.

Da freuen sich putineske, trumpige und xiartige Gestalten – laufen lassen, noch etwas gezielte Desinformation dazwischenstreuen und abwarten… Die (also wir), denken die, kriegen das schon hin – in unserem Sinne. Es sieht auch ziemlich sehr danach aus. Wir verschenken unser Wissen, um es uns zunächst billig zurückzukaufen, bis der neue Besitzer die Schraube andreht. Mittlerweile hat, was sich mal kommunistisch nannte, den Kapitalismus nicht nur verstanden, sondern verfügt über die nötigen diktatorischen Mittel, diese Erkenntnis auch durchzusetzen. Während Europa bastelt und solange abstimmen muss, bis die Zeit das gewünschte Ergebnis längst überholt hat. Also nächster Versuch, wir haben ja Zeit. Die is ewwer at fottjeloofe.

Da ist es gut, dass unsere Ampel auf Gelb steht. So kann man alles, was längst erledigt sein müsste, noch mal in aller Ruhe durchquatschen, weil die mit den wenigsten Stimmen die lauteste haben. Profilneurotiker an die Front! Meinetwegen auch im Porsche, je schneller, je besser – aber doch bitte nicht an die politische der Besitzstandsvermehrung einiger auf Kosten von…(hier dürfen Sie auch Ihren Namen eintragen.)

Ein positiv / versöhnlicher Abschluss dieses Artikels wäre jetzt angesagt. Da ich aber keinen finde (wo soll der auch herkommen…), fasse ich die ärgerliche Banalität der Tatsachen zusammen in einem unzugendernden, typisch männlichen Bild: Stehen zwei nebeneinander im „Herren“-WC. Sagt der eine: „Un, wie lööftet so bei disch?“ Sagt der andere: „Siehste doch.“


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