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Vogel abgeschossen

Manche Siege kommen eher zufällig daher. Dass sie einmal Schützenkönig sein würde, hätte Judith Gilson eher nicht gedacht.

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Schützenkönig Judith Gilson (rechts) und Ehefrau Melanie freuen sich auf die Kirmes. Foto: privat
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„Ich mach‘ hier gerade lauter Sachen, die eigentlich gar nicht mein Ding sind“, stellt Judith Gilson lachend und irgendwie ein bisschen verwundert über sich selbst fest. Sie sei üblicherweise eher zurückhaltend, meint die 35-Jährige. Jetzt hat Judith Gilson der Zurückhaltung zum Trotz im Wortsinne den Vogel abgeschossen und steht mindestens eine Schützenkirmes lang als König bei den Koslarer St. Josef-Schützen im Mittelpunkt. Die männliche Form hat sie bewusst gewählt. „Ich fand’s irgendwie cooler“, macht Gilson achselzuckend dennoch wenig Aufhebens.

Dass sie gleich in ihrem ersten richtigen Schützenjahr die Königswürde erringen würde, war nicht unbedingt geplant, schmunzelt die treffsichere Schützin. Dabei liegt das Schützenwesen doch auch in der Familie. „Mein Opa war bei den Schützen, Oma in der Schießgruppe“, blickt Judith Gilson zurück und erzählt, dass sie als Kind erst Gehversuche bei den Jungschützen – die es heute übrigens nicht mehr gibt – unternahm. Dann war erst mal Schluss für lange Zeit, bis sie im letzten Jahr gemeinsam mit ihrer Frau Melanie laut überlegte, „man könne ja auch mal schießen“. Gesagt, getan. Gemeinsam probierte sich das Paar einige Male beim Training aus, fand Spaß am Treffen und wurde schnell Mitglied.

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52 Schuss hat es gebraucht, um diesen Vogel zu „erlegen“ und König zu werden. Foto: privat

Über den Vogelschuss habe sie nicht weiter nachgedacht, aber als der Termin kam, war schnell klar: „Ich mach‘ mit.“ Außerdem hätten alle gesagt, im Scherz zwar, aber dennoch: „Jetzt musst du für Opa König werden“, denn dieser starb Anfang des Jahres. Nach einem spannenden Duell mit Robert Weitz fiel der Vogel nach dem 52. Schuss, und die neue Majestät war gefunden. „Ich kann das ganz gut“, befindet Judith Gilson sachlich und schiebt lachend hinterher, das müsse wohl eine familiäre Begabung sein. Apropos Familie: Das Wappen der Koslarer Schützen, das Opa Willi Montforth seit 1957 auf seiner Uniform trug, prangt jetzt an Judith Gilsons Ärmel.

Hüpfburg und Tischkicker für die Schützenkirmes am letzten Augustwochenende sind bereits „bestellt“. „Wieder ein bisschen mehr Leben reinbringen wäre schön“, meint Gilson und hofft auf viele Gäste, die mitfeiern wollen. Dass sich der neue König und die gesamte Bruderschaft über weitere Mitglieder freuen würden, ist selbstredend. „Man muss auch nicht unbedingt schießen“, wirbt die frischgebackene Schützin und verweist auf die Fahnenschwenker, die früher zu jedem Umzug dazugehörten. Und vielleicht ließe sich auch eine neue Jungschützengruppe auf die Beine stellen. Ein Lasergewehr für die Kleineren gebe es bereits.

Schnuppertrainings könnte man auch mal anbieten, plant Judith Gilson, und man merkt deutlich, dass es dem neuen Schützenkönig wichtiges Anliegen ist, für ein Fortbestehen der 1436 eingetragenen traditionsreichen Bruderschaft zu sorgen – auch wenn sie dafür im Mittelpunkt stehen muss.

Party im Schützenheim SA 29|08 | ab 19 Uhr
Großer Festzug SO 30|08 | ab 15 Uhr
Ausklang MO 31|08 | ab 11 Uhr im Schützenheim


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