Start Stadtteile Jülich Es hat sich viel verändert: SommerLeseClub2.0

Es hat sich viel verändert: SommerLeseClub2.0

Morgens, 10 Uhr, Tatort Stadtbücherei. Die Tische sind besetzt mit ausgewählten Zuhörern, die darauf warten, das Bücherfans ihnen Geschichten erzählen. Sommerleseclub 2022.

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Yvonne Schroiff hört bei der "Buchabnahme" gut zu. Foto: Joana Stockmann
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Wer selbst einmal ein Sommerlese-Clubmitglied war und die Abläufe entsprechend kennt hilft auch schonmal selbst bei der Abnahme der Geschichten. Pauline Schuldt etwa war mit acht Jahren das erste Mal dabei und lässt sich mit nun 17 Jahren bereits im zweiten Jahr die Geschichten der anderen erzählen. „Das war erst ein bisschen verunsichernd, früher hat man älteren Damen erzählt, jetzt erzählen mir Kinder, die nicht so viel jünger sind als ich selbst“, sagt sie. Aber die Tricks, wie man auch schweigsamere und nervöse Menschen zum Berichten bringt hat sie mittlerweile raus. „Dann schaut man vielleicht nochmal auf den Klappentext und spricht davon etwas an.“ Manche reden aber auch ein bis zwei Stunden lang über 150 Seiten. Sie selbst stellt dann anderen ihre gelesenen Bücher, beispielsweise einen „Sonea“-Band, vor – es geht eben auch beides.

Der Jugendlichen werden meistens jüngere Schülerinnen und Schüler zugeteilt, aber die Sommerferienveranstaltung ist längst keine Schulalter-Veranstaltung mehr und erst recht keine Schulveranstaltung. Das ist der stellvertretenden Stadtbüchereileiterin Yvonne Schroiff wichtig zu betonen: In den 15 Jahren seit dem ersten Sommerleseclub im Jahr 2007 hat sich einiges verändert. Der Spaß am Lesen steht im Vordergrund, das schulische Abfragen der Bücher ist abgeschafft. „Bei uns nehmen Menschen teil im Alter zwischen 2 und 99 Jahren“, sagt sie. Wie das möglich ist? Mittlerweile können Leseteams gebildet werden, in denen zum Beispiel die Großeltern mit den Enkelkindern lesen, bei Nachmittagsveranstaltungen der Stadtbücherei kann auch einer der begehrten Stempel abgeholt werden und es werden nicht mehr ausschließlich Bücher der Bücherei zugelassen, sondern auch eBooks, Hörbücher, Tonie-Figuren und Bücher, die man daheim hat – unter der Voraussetzung, dass sie auf deutsch oder englisch sind, denn es muss für die Menschen hinter den Kulissen eine Überprüfbarkeit da sein. Mittlerweile gibt es einige Wettbewerbe zwischen den Teams. So „kämpfen“ etwa die Erwachsenen gegen die Kinder oder die Brüder gegen die Schwestern. Auch Stammteilnehmende gibt es: Etwa erzählt Schroiff von einer Familie, die jedes Jahr nur für den SommerLeseClub bei den Großeltern in der Umgebung Urlaub machen.

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Offenbar macht die Stadtbücherei Jülich mit dem SommerLeseClub alles richtig: nach zwei Wochen gab es schon 270 Clubmitglieder, vor Corona waren es bis zu 470. Eine exorbitant hohe Zahl, wo andere vergleichbare Bibliotheken gerade einmal 150 bis 200 Lesende verzeichnen können. Darunter sind auch einige, bisher um die 50, die vorher gar nicht in der Kartei der Stadtbücherei verzeichnet waren.

Wichtig: Jeder Stempel zählt. Foto: Joana Stockmann

Mindestens drei Stempel müssen erlangt werden, um erfolgreich teilgenommen zu haben. Bei Teams ab vier Personen müssen es so viele sein, wie es Mitglieder sind. Das ist erst Recht gut für Teams, die aus lesestärkeren und leseschwächeren Menschen bestehen. Für den SommerLeseClub wurden exklusiv neue Bücher angeschafft, bei denjenigen über 300 Seiten gibt es zwei Stempel ins Heft. Es wird aber am Ende nicht mehr ausgezeichnet, wer die meisten Bücher gelesen hat. Wichtiger sind zum Beispiel das „schönste Logbuch“, wer „am schönsten beschrieben“ hat und wer die freien Seiten im Logbuch am besten genutzt hat, etwa für eine Urlaubsbeschreibung oder eine eigene Geschichte. Die Schulen mit den meisten Lesenden werden aber auch benannt. Bisher konnte immer das Gymnasium Zitadelle den ersten Preis gewinnen, Haus Overbach fehlten aber im letzten Jahr nur vier weitere um den Rang abzulaufen. „Es wird immer knapper“, sagt die stellvertretende Leiterin.

Und man muss auch nicht die Sommerferien über vor Ort sein, um teilnehmen zu können, denn es gibt mittlerweile auch ein Online-Logbuch, in dem die Geschichten beschrieben werden können. Dabei kommt es gar nicht auf Rechtschreibung an, sondern auf das Auseinandersetzen mit dem Buch. Auch wenn man eins abgebrochen hat, weil es nicht gefallen hat, kann man mit der ausführlichen Begründung einen Stempel erhalten. Sollte etwa die Mindestsatzanzahl nach Klassenstufe nicht erreicht sein, so erhält man einen Kommentar von den Prüfenden und es kann nachgebessert werden. Und sollte die Mindeststempelanzahl vor Ende der Ferien nicht erreicht sein, so erhält man rechtzeitig eine Mail, in der nachgefragt wird. Also alles ohne Zwang und endgültige versehentliche Fehler. Manchmal aber ist es eine Gratwanderung, nicht zu viel zu verraten, falls die überprüfende Person das Buch noch lesen will.

Auf der beliebten Party zum Veranstaltungsende, die, wie Pauline Schuldt sagt, doch vielleicht eher für etwas jüngere ist, werden die Preise vergeben und zusammen das Ende gefeiert. Das hat so sehr Tradition, dass die Sponsoren in Jülich bereits ihren Betrag fest im Jahresbudget eingeplant haben. Das Projekt SommerLeseClub vom Kultursekretariat NRW und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW ist also in Jülich ein voller Erfolg, mittlerweile für Jung und Alt. Teilnehmen kann man noch bis zum Ferienende, die Logbuchabgabe endet am 13. August um 13 Uhr.


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