Start Magazin Literatur Trotzige Prinzessinnen und unehrenhafte Prinzen

Trotzige Prinzessinnen und unehrenhafte Prinzen

Wenn man schon nicht in die Welt hinausgehen kann, kommt die Welt im Idealfall nach Hause. Am besten geht das per Fantasiereise.

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Ein verwirrter Buchhändler – damit beginnt zumindest meine Begegnung mit Karen Duves dritten Roman „Die entführte Prinzessin“. Ist es ein Buch für Erwachsene oder doch eher für Kinder? Der Buchhändler vermag sich nicht recht zu entscheiden und weiß deshalb auch nicht, wo er danach suchen soll. Und das ist wohl tatsächlich eine berechtigte Frage. Von vorne:

In das Reich der Märchen und Sagen wagt sich Karen Duve, an den Rand der „Fantasy“. In der Zeit, als das Wünschen noch manchmal geholfen hat, spielt „Die entführte Prinzessin“. Hoch im Norden liegt das Königreich „Snögglinduralthorma“, dessen unfassbar schöne, aber etwas trotzige Prinzessin Lisvana wegen ihrer unzureichenden Mitgift kaum Bewerber hat. Bis Diego, auch „schwarzer Prinz“ genannter Zartgeist aus dem südlichen Baskarien, Lisvana als Braut auserwählt, um seine egozentrische Mutter zu verärgern. Die Autorin führt ihre Protagonisten durch ein imaginäres Reich voller wunderlicher Tiere und Märchenpersonal. Sie folgt der genretypischen Zeichnung der Wesen, persifliert sie aber auf Schritt und Tritt: Feige Ritter, unedle Königinnen, verschmuste Drachen, gemeine Zwerge und unfähige Zauberer bevölkern die bunte Geschichte. Nicht immer übersichtlich aber strotzend von Abenteuern führt die Autorin ihre Leser durch die unterschiedlichsten Nebenschauplätze. Sprache und Stil kommen überaus witzig daher und bereichern den Roman durch mehr als einen verrückten Einfall. An manchen Stellen erinnert „Die entführte Prinzessin“ an die Fantasie-Geschichten von Walter Moers, die ebenfalls von ungewöhnlichen und detailreich gezeichneten Figuren nur so wimmeln.

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Der Geschlechterkonflikt ist ebenso unterschwelliges Thema wie Mutterkomplex, Vaterhass und Bindungsangst. Eigentlich ist Duves Märchen also wohl eher ein cleverer Beziehungsroman, denn nicht Ungeheuer und Zauberwesen machen den Hauptfiguren Probleme, sondern die Liebe in all ihren Varianten. Ein Hochgenuss – nicht nur für Fantasy-Fans und durch seine Vielschichtigkeit auch nicht auf eine Altersklasse zu beschränken.

BUCHINFORMATON
Karin Duve: Die entführte Prinzessin – Von Drachen, Liebe und anderen Ungeheuern | Gebunden, 398 Seiten | Eichborn Verlag, Berlin 2005 | ISBN 9783821809526 | 24,90 Euro

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Andrea Esser
In Jülich geboren und dann nach der Schule ab in den Süden zum Studium der Wortjonglage. Nach einer abwechslungsreichen Lehrzeit mit den Prominenten dieser Welt, überwog das Heimweh nach dem schönen Rheinland und Jülich im Speziellen. Deckname Lottofee, liebt ihre Familie, Süßigkeiten, Kaffee, alles Geschriebene und Torsten Sträter. Anfällig für sämtliche Suchtmittel (nur die legalen natürlich). Hat schon mal eine Ehrenurkunde gewonnen und ihre erste Zeitung bereits mit zehn Jahren herausgegeben. Hauptberuflich strenger Händchenhalter eines Haufens vornehmlich junger Männer. Der Tag hat notorisch zu wenige Stunden für alle Pläne und kreativen Vorhaben, die meiste Zeit etwas verwirrt.

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