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Hilda Swalve gab Jülich Erinnerungskultur

„Kaum jemand kennt die Geschichte um die jüdische Gemeinde in Jülich besser als Hilda Swalve.“ So war es in der Presse zu lesen. Ihr ist es letztlich zu verdanken, dass die Erinnerungskultur an die Jüdische Gemeinde in Jülich erweckt worden ist und letztlich die Verbrechen der Nazi-Zeit bis in die heutige Generation bewusst geblieben sind. 1994 wurde Hilda Swalve für ihr Engagement die Ehrenmedaille der Stadt Jülich verliehen. Im Alter von 88 Jahren ist sie am 14. März in ihrem gewählten Alterswohnsitz in Aachen gestorben.

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Hilda Swalve starb 88-jährig. Foto: Silvia Jagodzinska/Archiv
Hilda Swalve starb 88-jährig. Foto: Silvia Jagodzinska/Archiv
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Gebürtig im Süden Ostfrieslands kam Hilda Swalve 1964 nach Jülich. Der Besuch eines Kantors der Jüdischen Gemeinde Bonn im Sommer 1982 war nach eigener Aussage der Anstoß für Hilda Swalve, sich für die Errichtung einer Gedenkstätte an der ehemaligen Jülicher Synagoge einzusetzen. Mit dem ehemaligen stellvertretenden Jülicher Bürgermeister Hubert Bücher, so ist es in der Dokumentation „An der Synagoge. Jülich und der Holocaust“ von 1997 nachzulesen, habe sie die Einwilligung des Eigentümers erreicht. 1983 wurde dort, wo bis 1944 in der Grünstraße die Synagoge stand, die Gedenktafel angebracht, an der bis heute jährlich zur Reichspogromnacht die Gedenkstunde beginnt.

Noch weitere 13 Jahre sollte es dauern, bis die Umbenennung dieses Teilstücks der Grünstraße in „An der Synagoge“ erfolgte. Für den ökumenischen Arbeitskreis „Jülicher Forum für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ hatte Hilda Swalve die Initiative ergriffen und am 17. November 1995 an den Stadtdirektor geschrieben: „Wir Jülicher brauchen die Erinnerung an die Jüdische Gemeinde, damit wir sehr wach bleiben und Antisemitismus bekämpfen. Er ist längst nicht überwunden – auch nicht in Jülich.“ Der Umbenennung, die per Ratsbeschluss erfolgte, waren lange Diskussionen der politischen Vertreter vorausgegangen. Die Umsetzung wurde mit einem feierlichen Festakt in der Stadthalle am 10. November 1996 in der Jülicher Stadthalle begangen, in der die Verdienste von Hilda Swalve von den Rednern ausdrücklich gewürdigt wurden.
Als Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Aachen versuchte sie, Menschen mit dem jüdischen Glauben vertraut zu machen. Hilda Swalve hielt Vorträge, bot auch interreligiöse Seminare an.

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Ideengeberin war Hilda Swalve auch für die Errichtung eines neuen Mahnmals, das jenes von 1966 auf dem jüdischen Friedhof an der Aachener Straße ersetzen sollte. Viel zu verharmlosend, so die Erkenntnis, war die Widmung an die „verstorbenen jüdischen Mitbürgern“. Hilda Swalve begeisterte 1999 Mitstreiter, darunter Gabriele Spelthahn und Friederike Doose, die gemeinsam einen Bürgerantrag stellten, den die Jülicher Politik noch vor der Kommunalwahl 1999 befürwortete. 2001 erfolgte die feierliche Eröffnung auf dem Propst-Bechte-Platz. 2013 ehrte die „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz“ Hilda Swalve mit dem Preis für Zivilcourage.

2005, zur Jüdischen Woche, beantwortete sie die Frage, warum nach all den Jahren die Erinnerung so wichtig sei: „Sechs Millionen Menschen wurden ermordet. Solange die Überlebenden und ihre Nachkommen sich an dieses unfassbare Verbrechen erinnern, müssen wir uns auch erinnern. Wir alle müssen dazu beitragen, dass so etwas nie wieder geschieht. Schließlich hat unser Christentum sein Fundament im Judentum.“

2007 verließ Hilda Swalve Jülich, um in Aachen ihren Lebensabend zu genießen.


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