Start Magazin Rat & Recht „Panem et circensis“

„Panem et circensis“

Auch heute noch Opium für's Volk? Oder: Warum die Fußball-Wen Gesetzgebung so einfach macht!

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Rat & Recht in und um Jülich Foto: ©Andrey Burmakin - stock.adobe.com / Bearbeitung: la mechky
Rat & Recht in und um Jülich Foto: ©Andrey Burmakin - stock.adobe.com / Bearbeitung: la mechky
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Der Ausdruck „Brot und Spiele“ (lat.: „panem et circensis“) geht auf den römischen Dichter Juvenal zurück. Juvenal geißelt bereits damals das völlige politische Desinteresse des römischen Volkes, das sich nur noch mit niederen Gelüsten befriedigen lassen würde. Hier spielt der Chro- nist vor allem auf die staatlich veranstalteten Zirkusspiele im römischen Reich an, in deren Mittelpunkt die berühmten Gladiatorenkämpfe im Angesicht ausgehungerter und wilder Löwen standen und bei denen die Zuschauer für Tod oder Leben der Kämpfer skandierten.

Laut Juvenal war das große Fressen sowie ausreichende Unterhaltung für das gemeine Volk gesichert, so dass dies wiederum ein gefundenes Fressen für die damaligen Machthaber darstellte. Diese konnten nämlich laut Juvenal politische Entscheidungen gekonnt am Volk „vorbeischmug- geln“, solange deren Grundbedürfnisse ausreichend befriedigt werden.

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Und an dieser Stelle funkt der Zeitensprung gut 2000 Jahre weiter. Denn diese clevere Taktik findet offenbar heute nach wie vor Anwen- dung. Insbesondere sind Großereignisse wie Fußballweltmeisterschaften ein dankbares Vehikel für wundersam rasante Gesetzgebungsverfahren im Deutschen Bundestag.

Während das Volk als eigentlicher Träger des demokratischen Systems eintaucht ins Rudelgucken, mithin geblendet vom Fazinosum „Brot und (Fußball)Spiel“ den sportlichen Helden hinterherläuft, peitschen die Volksvertreter im Deutschen Bundestag gerne ansonsten öffentlich kontrovers zu diskutierende Gesetzesvorhaben in Windeseile, zumindest vor dem Finale der Fußball-WM durch.
So geschehen im Laufe der Fußball-WM 2010 in Südaf- rika mit der rekordverdächtig eiligen Verabschiedung der umstrittenen Gesundheitsreform und 2006 während des deutschen WM-Sommermärchens mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Gerade erst hat das deutsche Parlament in Berlin ein- getaucht in den deutschen (Vor)Freudentaumel, in 2018 den WM-Titel in Russland zu verteidigen, bei der Parteienfinanzierung geradezu im geräuschlosen Vorbeimarsch einen tiefen Schluck aus der Steuerpulle genommen, nämlich die staatlichen Zuschüsse für politische Parteien mal gerade um satte 20 Prozent erhöht.
Fazit: „Brot und (Fußball)Spiele“ beruhigen das gemei- ne Volk und können ungemeine Gesetzesbeschleuniger sein!“ Also, deutsche Bürger, aufgepasst! Die WM in Russ- land dauert 4 Wochen, und die Sommerpause im Deut- schen Bundestag beginnt erst danach!


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