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Angeschlagener Patient „Krankenhaus“

"Die Katholische Nord-Kreis Kliniken Linnich und Jülich GmbH saniert sich in Eigenverwaltung", heißt es in der Pressemitteilung. Ziel sei Erhalt und Fortführung der Kliniken, die aufgrund unzureichender Auslastung sowie hohe Energie- und Sachkosten in finanzielle Schieflage sei.

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Jülicher Krankenhaus St. Elisabeth. Foto: Dorothée Schenk
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Erst 2019 haben die Josefs-Gesellschaft gGmbH (JG) und der Caritasverband für das Bistum Aachen (DiCV) 100 Prozent der Geschäftsanteile an der ctw erworben, um mit dem Gesellschafterwechsel den Krankenhaus-Standort Jülich als Teil des Verbundes Katholische Nordkreis-Kliniken zu sichern. Erst im September wurde das St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich erfolgreich als lokales Traumazentrum und als Alterstraumazentrum DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) bestätigt und erneut zertifiziert und meldete vor zwei Tagen das Erreichen des Qualitätssiegel des Westdeutschen Darm-Centrums (WDC). Seit gestern, 8. November, ist klar, dass in diesen Erfolgen dennoch kein „Heil“ liegt. Der „Patient“ Krankenhaus bedarf einer weitreichenden Behandlung, bei der der Ausgang noch unklar ist. Es wurde beim Amtsgericht Aachen wegen drohender Zahlungsunfähigkeit ein Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.

Die Geschäftsführung der Katholischen Nord-Kreis Kliniken Linnich und Jülich GmbH (KNK) mit Sitz in Jülich, so wird in einer Pressemitteilung erläutert, nutze mit diesem Schritt für ihre beiden Kliniken, das St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich und das St. Josef-Krankenhaus Linnich, „die Chancen einer nachhaltigen Sanierung im Interesse der Patienten, Mitarbeiter und Gläubiger“. Das Amtsgericht Aachen habe dem Antrag stattgegeben und Rechtsanwalt Dr. Claus-Peter Kruth von AndresPartner zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Rechtsanwalt Dr. Kruth werde den Sanierungsprozess konstruktiv begleiten und die Geschäftsführung im Interesse der Gläubiger überwachen.

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Die beiden Kliniken seien seit vielen Jahren defizitär, da sie im Vergleich mit der hohen Dichte von konkurrierenden Akut-Krankenhäusern in der Region über keine ausreichende Auslastung verfüge. Eine mittel- und langfristige ausreichende Auslastung mit Patienten ist aber zwingend erforderlich, um wirtschaftlich erfolgreich im Markt agieren zu können. Zudem hätten sowohl das St. Elisabeth- Krankenhaus in Jülich als auch das St. Josef-Krankenhaus in Linnich als kleinere Krankenhäuser mit geringerem medizinischen Leistungsspektrum im Vergleich zu den größeren Mitbewerbern erhebliche Wettbewerbsnachteile. Die Folge ist: Bürger aus der Region ließen sich mehr in anderen regional umliegenden Krankenhäusern behandeln.

Erschwerend käme hinzu, dass die Häuser in Jülich und Linnich veraltet seien und nicht dem aktuellen Standard moderner Kliniken entsprächen sowie der dramatische Anstieg der Energiepreise seit Beginn des Jahres und die steigenden Sachkosten im Klinikgeschäft den Liquiditätsbedarf deutlich erhöht hätten. Damit habe sich die wirtschaftliche Schieflage verschärft. Obwohl die Josefs-Gesellschaft (JG)-Gruppe seit dem Erwerb der beiden Häuser Mitte 2019 erhebliche finanzielle Zuwendungen in Höhe von mehr als 10 Millionen Euro zur Restrukturierung sowie zum Erhalt der Arbeitsplätze investiert hatte, habe dies nicht zum Erfolg geführt. Trotz beträchtlicher finanzieller Unterstützungsmaßnahmen hätten sich keine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ergeben. Nun soll im Zuge des gerichtlichen Sanierungsverfahrens die Fortführung der beiden Kliniken sowie der Erhalt der Arbeitsplätze gelingen.

Stabiler und sicherer Krankenhausbetrieb
Der Betrieb der beiden Krankenhäuser werde uneingeschränkt fortgeführt. Die medizinische, therapeutische und pflegerische Versorgung der Patientinnen und Patienten sei vollumfänglich gesichert. Alle laufenden sowie geplanten Operationen und Therapien würden an beiden Krankenhäusern wie bisher weiter durchgeführt. Auch die umfassende Notfallversorgung sei in beiden Kliniken sichergestellt.

Löhne und Gehälter gesichert
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Häuser wurden am Vormittag in Betriebsversammlungen über den Antrag auf Eigenverwaltung sowie über die weiteren Schritte informiert, wird mitgeteilt. Die Löhne und Gehälter der insgesamt rund 680 Beschäftigten beider Kliniken seien über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit für die Monate November 2022 bis einschließlich Januar 2023 gesichert. „Ziel des Eigenverwaltungsverfahren ist es, den Klinikbetrieb sowohl im St. Elisabeth-Krankenhaus in Jülich als auch im St. Josef-Krankenhaus in Linnich zu stabilisieren, fortzuführen und die Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt Dr. Mark Boddenberg, Generalhandlungsbevollmächtigter der KNK. „Hierzu werden wir gemeinsam mit dem vorläufigen Sachwalter alle in Frage kommenden Sanierungsoptionen ausloten und Zukunftslösungen erarbeiten“, so Dr. Boddenberg weiter. Das Eigenverwaltungsverfahren böte hierfür den geeigneten rechtlichen Rahmen.


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